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Gottheit, nicht eine einzelne Person, habe ihn erfüllt. Es schien ihnen das Einfachste, ohne alle Einschränkung zu sagen, Gott ist geboren worden, Gott ist auf Erden umhergewandelt, Gott ist gekreuzigt worden, Gott hat gelitten, Gott ist gestorben. Es lag ihnen nur daran, daß diese Offenbarung Gottes in Christo recht stark herausgehoben werde, und weit entfernt, Christo von seiner göttlichen Würde etwas zu entziehen, betonten sie dieselbe Vielmehr auf eine Weise, die eher über das Maaß des biblischen Ausdruckes hinausging, als hinter demselben zurückblieb. Wenigstens konnte man ihnen nicht Mangel an Frömmigkeit, Mangel an Ehrfurcht vor Christus vorwerfen, wohl aber Mangel an Besonnenheit, an dogmatischer, theologischer Einsicht und Gedankenschärfe. Die Vorstellung war in ihrer Fassung roh und ungeschickt, und konnte zu Mißverständnissen hinführen; darum wurde sie auch bekämpft, man nannte sie, weil sie keinen rechten Unterschied zwischen Vater und Sohn machte und gewissermaßen den Vater leiden ließ statt des Sohnes, patripassianisch. Als Vertreter jener Richtung erscheint uns eben jener Prareas aus Kleinasten, der in Rom die Montanisten bekämpft hatte. Gegen ihn trat nun wieder der Montanist Tertullian auf, der ihm auch den Ketzernamen anhängte. Der Meinung des Prareas schlossen sich in der Folge mit geringen Modisicationen Noet von Smyrna, Beryll von Vostra, und Andere, namentlich Sabellius im dritten Jahrhundert an, auf den wir noch später zurückkommen werden.

Ganz anders verhält es sich aber mit den Vertheidigern der Einheit Gottes (Unitariern), die diese Einheit in dem Sinne behaupten, daß sie außer dem ewigen, unsichtbaren Gott dem Vater und Schöpfer der Welt, kein anderes Wesen wollten göttlich verehrt wissen, daß sie diesen einen Gott als den überweltlichen auch in keine wesenhafte Verbindung mit Christus brachten, sondern lehrten, Gott der Vater allein sei Gott, Christus dagegen sei ein bloßer Mensch gewesen. Diese hoben also nicht nur den Personenunterschied in der Gottheit auf, sondern sie leugneten geradezu die wesenhafte Erscheinung Gottes in Christo, was die Patripassianer nicht thaten, die im Gegentheil dieselbe so stark als nur immer möglich, ja sogar einseitig und auf Kosten der gesunden Lehrentwicklung hervorhoben. Ein aus Vyzanz nach Rom gekomHugenbach, Vorlesungen II.< 13

mener Lederarbeiter Theodotus wird als Stifter dieser christusleugnenden Partei genannt. Man sieht, es waren nicht nur Geistliche und Theologen, es waren auch Handwerker und Leute aus dem Volke, die, wie es auch zur Zeit der Reformation geschah, sich bald mit Glück, bald mit Unglück bei den theologischen Fragen betheiligten. Dieser Theodotus soll seiner ketzerischen Lehre wegen von dem Bischof Victor aus der Kirchengemeinschaft ausgestoßen worden sein; doch scheint es, daß er sogar solche Christen für seine Meinung zu gewinnen wußte, die früherhin ein gutes Bekenntniß von Christo abgelegt hatten, wie einen gewissen Natalius, der von der Gemeinde als Vekenner, d. h. als ein solcher verehrt wurde, der in den Verfolgungen widerstanden hatte, und der sogar ein Bischofsamt unter der Partei bekleidete; jedoch kehrte dieser Natalius bald wieder zum Glauben der Kirche zurück. Jn einem schreckenden Traumgesicht «) sollen die strafenden Engel ihm so mit Schlägen zugesetzt haben, daß er reumüthig von seinem Jrrthum abstand und zur Kirche zurückkehrte. Allerdings ein seltsames Mittel der Bekehrung!

An Theodotus schloß sich zu Anfang des dritten Jahrhunderts Artemon an, der die kühne Behauptung wagte, bis auf den Bischof Zephyrinus (um's Jahr 200) habe Niemand Christum Gott genannt; auch er wurde von der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen?).

So sinden wir denn die Kirche schon in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts von Streitigkeiten sowohl über ihre Gebräuche, als über ihre Lehre erfüllt. — Jrrthum, Anmaßung, Rechthaberei und Streitsucht nahmen unter den Christen überhand. Hier droht der Unglaube, dort der Aberglaube und die Schwärmerei, hier ein mechanisches Formenwesen, der Vorläufer des Romanismus, dort ein subjectiver Gefühlsdrang, der Vorbote des puritanischen Separatismus, sich in die Kirche einzudringen. Mißverständnisse, die durch das Mißtrauen und den Parteigeist genährt werden, führen bereits zu leidenschaftlicher Consequenzmacherei und Verdächtigung und nur Wenigen ist es vorbehalten, durch ruhigen Ernst und

«) Andere nahmen sogar an, es seien leibhafte Abgeordnete des römischen Bischofs gewesen, die dieses Amt der Engel übernommen hätten. ') Eustb Kirchengesch. V, 28.

kräftigen Widerstand den Leuchter der gesunden Lehre und des guten Beispiels aufrecht zu erhalten. Wie aber dennoch des Evangelium sich als eine Kraft Gottes bewährte an denen, die ihm glaubten, wie es namentlich auch in den schwächern Gefäßen sich verherrlichte, das werden wir Gelegenheit haben in der nächsten Stunde zu sehen, wo wir den Faden der Verfolgungsgeschichte unter den römischen Kaisern wieder aufnehmen und damit in das dritte Jahrhundert übergehen werden.

Zwölfte Vorlesung.

Verfolgungen unter Septimius Severus. — Potamiäna in Alerandrlen. — Perpetua und Fclintas in Karthago. — Heliogabalus. — Alerander Severus. — Verfolgungen unter Marimin. — Die Legende von den eilftauseud Jungfrauen. — Philipvus Arabs. — Die Decischc Verfolgung und die Märtyrer in ihr. — Die Legende von den sieben Schläfern. — Verfolgung unter Gallus und Valerianus. — Der heilige Märtyrer Laurentius.

Nachdem wir in den beiden vorigen Stunden der innern Entwicklung des Christenthums unter den Antoninen und der Regierung des Commodus zugesehen haben, knüpfen wir wieder an an die römische Kaisergeschichte und an die äußern Schicksale der Christen unter den römischen Kaisern, und zwar unter Septimius Severus und seinen Nachfolger. Septimius Severus, mit dessen Regierungszeit wir in das dritte Jahrhundert der Kirchengeschichte übertreten, wird uns von den römischen Geschichtschreibern als eine rohe, aber kräftige Soldatennatur geschildert, als ein Mann, von dem der Senat sagte, er hätte entweder nie geboren werden oder nie sterben sollen, weil er eben so graufam als dem Staate nützlich war '). Unter ihm verstärkte sich die kaiserliche Gewalt und befestigten sich die Vesitzthümer des Reiches im Orient und in Britannien. Wir haben bereits früher bemerkt, daß in den ersten zehn Jahren seiner Regierung, d. h. vom Jahr 192—203, die Christen Ruhe genossen; ja, er nahm sogar einen christlichen Sclaven, Proculus, der ihn von einer Krankheit geheilt hatte, aus Dank

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barkeit in sein Haus auf und gab auch seinem Sohne Caracalla eine Christin zur Amme. Jm Jahr 203 erließ er dagegen ein Verbot, daß Niemand bei schwerer Strafe weder zum Christennoch zum Judenthum übertreten dürfe 2). Was ihn dazu bewogen, ist schwer zu ermitteln. Bielleicht daß die in der vorigen Stunde erwähnten Montanisten durch ihre Schwärmereien und durch ihre Predigt vom tausendjährigen Reich, die leicht in's Politische gedeutet werden konnte, dazu Veranlafsung gaben. Jedenfalls war dieß Verbot, Christ zu werden, noch kein ausdrücklicher Befehl, die zu verfolgen, die es schon waren. Allein die noch immer nicht gestillte Volkswuth, die täglich neue Christenopfer verlangte, gab dem kaiserlichen Edict gerne die weiteste Ausdehnung und schützte dasselbe vor, wo sie sich gerne Luft machte. Die Verfolgungen wurden heftiger als je, so daß manche Christen darin ein Vorzeichen der Herrschaft des Antichrists erblickten. Am meisten litten die Gläubigen in Afrika, sowohl im proconsularischen Afrika (Karthago und Numidien), als in Aegypten. Jn dieser Verfolgung kam Leonides, der Vater des berühmten Origenes, um's Leben, Auch Märtyrerinnen erscheinen neben den zahlreichen Märtyrers, unter ihnen Potamiäna in Alerandrien, Perpetua und Felicitas in Karthago. Bei diesen lafsen Sie uns einen Augenblick verweilen. — Potamiäna, eben so berühmt durch ihre Tugend, als durch ihre Schönheit 2), wurde in Alerandrien, nachdem sie die Geißel und alle möglichen Marter ausgestanden, zum Feuertode verurtheilt. Sie wurde von den Fußsohlen bis zum Scheitel nach und nach in siedendes Pech gesenkt. Ein gewisser Vafilides hatte sie zum Tode abgeführt und sie vor den Mißhandlungen des Pöbels geschützt; die Standhaftigkeit der Jungfrau hatte einen solchen Eindruck auf ihn gemacht, daß er des Gedankens an sie nicht mehr los wurde. Drei Tage nach der Hinrichtung erschien ihm die verklärte Gestalt der Märtyrerin im Traume und setzte ihm eine Krone auf mit den Worten: Jch habe zum Herrn für dich gebetet und Erlösung erlangt. Bastlides wurde Christ, und bald

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