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und haben wir den Epicuräismus als den Egoismus der Zinn.lichkeit und der Genußsucht bezeichnet, so erscheint uns der Stoicismus als der Egoismus einer in ihren Tugendstolz sich einbullenden Selbstgerechtigkeit. — Zwischen Epicuräismus und Stoizismus und neben ihnen schwankten wieder Andere umher. Die Pilatus-Frage: was ist Wahrheit? was kann der Mensch überhaupt Sicheres erkennen über Gott und göttliche Dinge, hat zu allen Zeiten den renkenden Geist beunruhigt, und wenn auch eine Zeillang das eine oder andere philosophische System in stolzer Zuversicht sich rühmte, das Näthsel der Welt gelöst zu haben, so trat diesem zuversichtlichen Dogmatismus eben so bald wieder der Stepticismus entgegen. So fehlte es denn auch gerade in der Zeit, von der wir reden, nicht an verneinenden, an zersetzenden Geistern, die alles, was der Mensch zu wissen glaubt, in Zweifel zogen und die an die Stelle einer ausgemachten Wahrheit die bloße Wahrscheinlichkeit als das Höchste setzten, wozu es der Mensch zu bringen vermöge. Mit diesem Wahrscheinlichkeilsglauben (Probabilismus) verband sich dann bei denen, die doch nicht alles Philosophiren aufgebeu wollten, der sogenannte Eklekticismus, d. h. sie wählten, ohne sich an ein bestimmtes System anzufchließen, das ihnen Zusagende aus den verschiedenen Systemen heraus und begnügten sich mit geistreichen Aphorismen, indem sie auf eine in sich abgeschlossene Erkenntniß verzichteten -. namentlich griffen dann die Bessern unter ihnen das aus der Philosophie heraus, was auf die sittliche Natur des Menschen veredelnd wirkt, sie bearbeiteten die Moral. Als einer der würdigsten Vertreter dieser Richtung erscheint ims Cicero, der in seinen philosophischen Schriften über die Pflichten des Menschen viel Schönes und Treffendes gesagt, und den Glauben an Gott und Unsterblichkeit zum höchsten Grad der Wahrscheinlichkeit zu bringen sich bemüht, aber eben doch es nicht zur Evidenz, einer glaubensfesten Gesinnung gebracht hat. — Es ist indessen merkwürdig, wie die heidnische Welt auch in ihrer philosopischen Entwicklung dem Licht des Christenthums unvermerkt entgegen geführt wurde. Gehen wir um einige Menschenalter über Cicero hinaus, so finden wir, daß zu einer Zeit, als schon Christus aufgetreten, aber seine Lehre nur noch den Erstlingen aus den Heiden bekannt war, gleichwohl sich bei den Ellern und Bessern unter ihnen eine Stimmung vorbereitete, die der christlichen schon um vieles näher kommt, als die frühere, antik-heidnische Stimmung. Es ist hier besonders an zwei Männer zu erinnern, von denen der eine der römischen, der andere der griechischen Welt angehört, an Seneca und Plutarch. — Senecc^, der berühmte Lehrer Nero's war ein Zeitgenosse unsers Herrn. Daß er mit dem Apostel Paulus in Briefwechsel gestanden babe, ist eine Fabel, aber eine Fabel, deren Entstehung sich eben daraus erklären mag, daß man sich die christlichen 'Anklänge in seinen Schriften nicht anders als auf diesem Wege zu erklären wußte. Seneca schloß sich wesentlich »n die stoische Philosophie an, und auch er hat die Härten nicht überwunden, die dem Stoicismus eigen sind. Wir würden daher viel zu weit gehen, wollten wir sagen, seine religiösen Ileberzeugungen seien mit den christlichen eins gewesen; aber gewiß ist, daß Seneca über die Häne des Stoicismus hiuausstrebte, daß er eine Ahnung hat von einem gnädigen Gott, der die Menschen durch Leiden erzieht, daß er um eine selige Gemeinschaft Gottes oder wie er es noch polytheistisch ausdrückt, um eine Freundschaft ber Götter mit den Menschen weiß, die ihm höher steht, als alles, was die Welt Glück nennt. Es ist zwar der sittliche Charakter des Mannes von Neuern in Zweifel gezogen worden; sein Geiz, den man ihm vorwirft, soll sich schlecht vertragen haben mit seinen schönen Reden von der Verachtung der Welt. Es wäre dies: nur ein Beweis mehr, daß von dem Wissen des Guten zur Ausübung desselben noch ein großer Schritt ist und daß auch die edelste Philosophie den Menschen nicht zu erlösen, nicht zu heiligen und zu erneuern vermag, wenn nicht jene innere Umwandlung stattfindet, die eben das Christenthum als Wiedergeburt bezeichnet. Jmmerhin legt seine Philosophie ein Zeugniß dafür ab, daß, wenigstens nach der Seite der Erkenntniß hin, die Zeit dem Christenthum entgegen reifte. — Eine der edelsten Gestalten des Alterthums ist die des Plutarch aus Chäronea in Böotien. Er lebte ungefähr ein halbes Jahrhundert nach Seneca und hielt sich längere Zeit unter Trajan in Rom auf. Das Christenthum war damals den Römern nur als eine verachtete jüdische Sekte bekannt, und schwerlich ist Plutarch äußerlich damit in Berührung gekommen. Aber an innern Berührungspunkten sehlt es nicht. Dem Aberglauben wie dem Unglauben seiner Zeit stellte Plutarch ein Gottesbewußtsein entgegen , das den Menschen aufrecht erhält in allen Wechselfällen des Glückes und das ihn auch milde, edel und versöhnlich stimmt gegen seine Mitgeschöpfe. Jhm sind die allmächtigen und allwissenden Götter seine Freunde; er weiß, daß sie treu für ihn sorgen, daß er sich vor ihnen nicht verbergen kann weder bei Tag, noch bei Nacht, daß sie ihn begleiten, wohin er geht, daß sie seine Gedanken erforschen und daß sie ihm in Ahnungen und Träumen ihre Gedanken kund thun. Der Tod ist ihm nicht Vernichtung, sondern Verwandlung; ja, einen Anklang an Paulus mögen wir in den Worten finden, wenn er sagt: „die Kämpfer erhalten den Kranz nicht, so lange sie kämpfen, sondern nachdem sie ausgekämpft und gesiegt haben." „Jch halte, sagt er ferner, den Tod für ein so großes und wahrhaft vollkommenes Gut, daß ich glaube, dort erst wird die Seele wahrhaft leben und wach sein, jetzt aber ist sie einer träumenden zu vergleichen."

Können wir solche Aussprüche der Heiden vernehmen, ohne an die Worte erinnert zu werden, daß Gott sich keinem Volke unbezeugt gelassen, und daß der Vater die Menschen zum Sohne hinzieht, indem er sie zum Glauben bereitet? Jndessen dürfen wir aus solchen einzelnen Erscheinungen nicht zu viel schließen. Ausnahmen dürfen nicht an die Stelle der Regel treten, und wenn wir daher eine Anschaunng von dem Heidenthum gewinnen wollen, wie das Christenthum bei seinem Eintritt in die Welt es vorfand, so müssen wir die Massen betrachten und vor allen Dingen fragen, wie sich die Religion im Leben und zwar im Leben des Volkes bewährt habe. Dieß führt uns auf die sittlichen Zustände des Heidenthums.

Daß den Religionen des Alterthums alle sittliche Triebkraft gefehlt, wer möchte dieß behaupten? Zeigt uns doch die Geschichte des alten Roms, wie der Glaube an das Walten rer Götter auch jene Römertugenden erzeugte, die doch wohl mehr waren, als glänzende Laster, wie die Scheu vor den Rächern des Bösen vor Frevel schützte, wie das Verlangen sich der Gottheit beliebt zu machen, zu großartigen Opfern begeisterte, die manchen Christen beschämen. Aber diese Triebkraft hatte sich nach und nach erschöpft und aus dem Munde der römischen , wie der griechischen Schriftsteller selbst vernehmen wir die bittersten

Hlagen über den allgemeinen Verfall der Religion und der Sitten. Und wenn wir einmal den heidnischen Cultus genauer darauf ansehen, wer kann leugnen, daß in ihm neben den sittlichen An«ieben doch auch eine Menge unsittlicher Elemente lagen, ja, daß geradezu mit der Ausübung gewisser Culte auch die Ausübung der schnödesten Laster und die Entfeßlung der Leidenschaft, die wildeste Ausgelassenheit auf's Jnnigste verbunden war. Bot doch eben die Geschichte der Götter, wie sie wenigstens vom gemeinen VolksVerstande aufgefaßt wurde, nicht nur jeder menschlichen Schwabbelt, sondern auch jedem Verbrechen eine willkommene Entschuldigung dar. Nicht die Wollust allein in ihren gräulichsten Verirrungen und Mißgestalten, auch blutdürstige Grausamkeit hatte an dem heidnischen Gottesdienst eine Stütze. War auch bei den gebildeten Nationen des Alterthums die Zeit der Menschenopfer längst vorüber, so sinden sich gleichwohl noch Reste derselben in der römischen Sitte. So berichtet uns ein Kirchenvater, daß jährlich dem Jupiter Latiaris ein Mensch sei geopfert worden. Es ist dieß dahin zu verstehen, daß an dem Feste dieses Gottes öffentliche Fcchterspiele gefeiert wurden, wobei ein Mensch ums Leben kam, dessen Blut als Sühne für die Gottheit betrachtet und als Libation dargebracht wurde. Und auch sonst noch fanden eigentliche Menschenopfer, wenigstens außerordentlicher Weise, statt. So ließ Octadius (Augustus) nach der Einnahme von Perusia dreihundert von denen, die sich ihm ergeben hatten, dem Divus Julius hinschlachten. Ueberhaupt aber deuten die Thierkampfe, die Fechterspiele, nach denen das römische Volk so gierig war, wie nachdem taglichen Brote, auf einen Zustand der öffentlichen Sitte, den wir kaum mit der Bildung reimen können, der sich dasselbe Volk rühmte. Was sollen wir zu der Sklaverei sagen, die selbst von edlern Heiden, wie von Cato, als etwas ganz Natürliches, sich von selbst Verstehendes betrachtet wurde? Wie wenig war im Ganzen die Ehe geheiligt? Jn den guten Zeiten bei den Römern war sie es allerdings; weit lockerer waren hierin die Sitten der Griechen, die aber später auch von den Römern nachgeahmt wurden. Wie tief stand das Weib in seiner Würde unter dem Manne! Einzelne edle Römerinnen, wie Cornelia, die Mutter der Gracchen, machen auch hier eine Ausnahme. Die Erziehung, großentheils den Sklaven. überlafsen, wie sehr wurde sie im Allgemeinen vernachlaßigt! wie einseitig, meist nur auf die Zwecke des Staates, auf den Krieg berechnet, war sie auch in ihrer bessern Gestalt! Was aber namentlich der alten Welt eigenthümlich ist, das ist die Abgeschlossenheit im Volksleben. Mit welcher Verachtung redete der Grieche von dem Barbaren! Feind und Fremdling wurden von dem Römer mit demselben Worte (no8li8) bezeichnet. Die allgemeine Menschenliebe, wonach Jeder in dem Andern ein Wesen seiner Art erkennt, gleichviel unter welchem Himmelsstrich er geboren, welcher Klasse von Menschen er in der Gesellschaft zugetheilt sei, war der alten Welt fremd, und auch hier erhoben sich nur Einzelne, wie ein Wutarch zu der Ahnung desselben. Man wird uns freilich entgegen halten; auch bei den Christen fanden sich dieselben Laster, dieselben Gebrechen, die wir an den Heiden tadeln, und derselbe Mangel an Liebe, die gleiche Selbstsucht trete uns in der christlichen Welt entgegen, wie in der heidnischen. Das ist leider nur zu wahr. Aber wir dürfen nicht vergessen, was die Christen hierin sündigen, das thun sie gegen ihre Religion, das steht im schreienden Widerspruch mit den Grundsätzen, zu denen sie sich bekennen; während im Gegentheil die heidnischen Lafter großentheils ihre Rechtfertigung sinden in der heidnischen Religion selbst und ihre schönsten Tugenden eine Frucht sind, die nicht auf diesem Stamme gewachsen ist. Der lasterhafte Christ bleibt hinter seiner Religion zurück, der tugendhafte Heide geht über sie hinaus; der Eine ist schlechter, der Andere besser als seine Religion. Doch, wie man auch weiter noch über das Wesen und die sittlichen Einflüsse des Heidenthums im Allgemeinen urtheilen möge, das ist gewiß, daß eben zu der Zeit, da Christus als das Heil der Welt erschien, das sittliche Verderben den höchsten Gipfel erreicht hatte, wie es Paulus im ersten Brief an die Römer als die Frucht des Heidenthums schildert, und vor allem floß dieses Verderben in der Hauptstadt der Welt zusammen. Das alte Rom, einst eine „Herberge aller Tugenden", nach dem Ausdruck eines spätern Geschichtschreibers, wie war es jetzt eine Herberge aller Laster geworden! Ein Zeuge dafür ist Livius, der seine Geschichtsbücher mit dem Vckenntniß beginnt, daß die Zeiten, in denen er schrieb, weder die Menge der Laster noch die Heilmittel dagegen zu ertragen im

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