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nicht seine Tochter, sondern seine Gebieterin. — Sie antwortete: „Wenn ich vor dem Richterstuhl stehe, wird geschehen was Gott will; denn wisse, daß wir nicht in unserer, sondern in Gottes Gewalt stehen." — Der Vater ging traurig hinweg. Als sie vor den Richter gestellt wurde, fand er sich abermals ein, um noch das Letzte bei seiner Tochter zu versuchen. Auch der Statthalter Marianus, der sie verhörte, appellirte an ihr menschliches Gefühl. — „Habe Mitleid", sprach er, „mit den grauen Haaren deines Vaters, habe Mitleid mit deinem Kinde. Opfere für das Wohlsein des Kaisers." — Sie weigerte sich dessen, und auf die Frage: bist du eine Christin, antwortete sie mit Ja. „Wohl schmerzt mich", fügte sie hinzu, „sein unglückseliges Alter, als ob ich es selbst erlitte", — aber ihr Gewissen erlaubte ihr nicht zu verleugnen, was ihr Herz bekannte. Selbst die Mißhandlungen, denen der Vater um ihretwillen sich aussetzte'), konnten sie, so tief sie seinen Schmerz als ihren eigenen empfand, nicht wankend machen. — Sie und ihre Leidensgefährten wurden verurtheilt, bei einem bc. vorstehenden Volksfeste (es galt der Ernennung des jungen Prinzen Geta zum Cäsar) den wilden Thieren vorgeworfen zu werden oder vielmehr mit ihnen zu kämpfen, bis sie unterlägen. — Einstweilen führte man sie wieder in die Gefangenschaft ab. — Die Freundin der Perpetua, Felicitas, wurde im Kerker eines Kindes entbunden. Man stellte ihr vor, daß die Schmerzen des Märtyrertodes noch weit ärger sein würden, als was sie jetzt zu leiden habe. Aber sie antwortete: „Jetzt leide ich, was ich leide; dann aber wird es ein Anderer sein, der für mich leidet, weil auch ich für ihn leiden werde." — Das grausame Urtheil wurde ausgeführt. Anfänglich wurde sogar, um das Schauspiel recht anziehend für die Heiden zu machen, verordnet, daß die Männer als Priester des Saturnus, die Weiber als Priesterinnen der Ceres bekleidet, den Thierkampf bestehen sollten. Als sie aber diese heidnische Vermummung mit Standhaftigkeit zurückwiesen, indem sie daran erinnerten, daß sie ja eben darum freiwillig sterben, um nichts Heidnisches thun zu müssen, erkannte man das Villige der For

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derüng ») und die Vermummung wurde ihnen erlassen. Zum letztenmal ertheilten sich die Verurtheilten gegenseitig den Bruderkuß, und ergaben sich in ihr Schicksal. Die weitere Schilderung des gräulichen Schauspieles werden Sie mir gerne erlassen.

Dem Severus folgten seine beiden Söhne, Caracalla und Geta, jener im höchsten Grade grausam, dieser weich und gutmüthig. Er ward von Caracalla meuchlerisch umgebracht, und so ward dieser Alleinherrscher; doch hat seine Grausamkeit sich nicht auf die Christen erstreckt. Ein Kirchenlehrer schreibt dieß dem Umstande zu, daß er eine christliche Amme gehabt haben). Bald traf ihn jedoch dasselbe Schicksal, das er seinem Bruder bereitet hotte. Auch er ward durch Meuchelmord beseitigt durch den Obersten der Leibwache Macrinus, der nur vierzehn Monate als Kaiser regierte, und unter dem die Christen gleichfalls unbehelligt blieben. Maerin starb wie seine Vorgänger eines gewaltsamen Todes, und nn Syrer, El Sabal, (Heliogabalus, mit dem Beinamen Varus) bestieg, ein vierzehnjährige! Knabe, den Thron der Antonine, nach deren Namen er sich nannte. Er war der Urenkel eines Priesters des Sonnengottes, der noch immer im Orient verehrt wurde, und da er einige Aehnlichkeit mit Caracalla hatte, gaben ihn die Soldaten für dessen Sohn aus, und verschafften ihm so die Anerkennung des Volkes. — Heliogabalus war ganz von jenem ausschweifenden Wahnsinn ergriffen, von dem wir einen Caligula, Nero, Vitellius beherrscht sehen. Seine Ueppigkeit in Mahlzeiten, inKleiderpracht und den tollsten Vergnügungen kannte keine Grenzen. Die unsinnigsten Einfälle seiner Phantasie brachte er zur Ausführung. So ließ er z. B. einen Senat von Damen errichten, in dem seine Mutter den Vorsitz führte und der sich mit Gesetzgebung der Mode und andern Frivolitäten beschäftigte. Bekannt ist, wie er sich ein Gericht von lauter Nachtigallzungen und ähnliche Seltenheiten aus allen Reichen der Natur bereiten ließ und seine Hunde mit Gänselebern fütterte, oder wie er — wenn wir der Sage trauen dürfen — alle Spinnweben in Rom zusammenraffen ließ und 10,000 Pfund cihielt, zum Beweis der Größe der Stadt. — Diese Narrheit

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brach aber auch gelegentlich in die furchtbarste Grausamkeit aus und eben so ersinderisch wie in Genüssen, war seine Phantasie i» den Qualen, die er seinen Schlachtopfern zudachte. — Was hätten die Christen leiden müssen, wenn es diesem Wüthrich eingefallen wäre, an ihnen seinen schändlichen Muthwillen auszulassen! Zum Glück aber war seine religiöse Laune von der Art, daß sie die Christen unbehelligt ließ. Auch in Dingen des Cultus war er ein vollendeter Phantast. Er gesiel sich auch als Kaiser in der Rolle des Sonnenpriesters. Unter anderm ließ er den schwarzen Stein, in welchem der Sonnengott zu Emesa (in Syrien) verehrt wurde, nach Rom bringen, wo er ihm einen prachtvollen Tempel errichtete, dessen Einweihung selbst unter Menschenopfern vollzogen ward; ferner verheirathete er seinen syrischen Gott mit der phönicischen Mondgöttin, deren Bild von Karthago ebenfalls nach Rom gebracht werden mußte, um in dem gleichen Tempel neben ihrem Gemahl verehrt zu werden. Dieselbe Religionsmengerei glaubte er auch auf das Juden- und Christenthum übertragen zu können. Er wollte, sagt ein römischer Geschichtschreiber w), die jüdische, die samaritanische und christliche in eine verschmelzen, als deren Oberpriester er sich betrachtete; er, der den Tiberius an Grausamkeit, den Vitellilis an roher, thierischer Genußsucht, den Sardanapal an Weichlichkeit zu übertreffen suchte. Ein würdiges Priesterthum! Und doch hat Heliogabalus wider seinen Willen dem Christenthum in die Hände gearbeitet, indem er mit dieser Religionsmengerei der altrömischen Staatsreligion den empsindlichsten Todesstoß versetzte. Hätte er längere Zeit gelebt, so würde er gewiß mit seinen Zumuthungen an die Christen auf großen Widerstand getroffen sein, und wer weiß, ob ihn dieß nicht zu den ärgsten Gewaltmaßregeln geführt hätte? Von einem Narren und Wüthrich ist unter allen Umständen das Schlimmste zu befürchten. Allein sein Ziel war ihm gesetzt. Heliogabal hatte das Schicksal so vieler Kaiser dieser Zeit. Jn einem Soldatenaufruhr ward der achtzehnjährige Jüngling nach einer vierjährigen Regierung (222) ermordet; seine Leiche ward enthauptet, schimpflich durch die Straßen geschleppt, und nachdem man sie vergeblich in eine Kloake hatte pressen wollen,

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in i>ie Tiber geworfen. — Auch seine Mutter und die Genossen seiner Schandthaten starben eines gewaltsamen Todes.

Vom 11. März 222 bis zum August 235 herrschte nun wieder einmal über das römische Reich eine edlere Persönlichkeit; es war ein Vetter Heliogabals, Alerander Severus, der mit einer gediegenen litterarischen Bildung menschliches Wohlwollen und Edelmuth der Gesinnung verband. Cr war in Allem das Gegentheil seines Vorgängers. Ließ sich Heliogabalus als Gott verehren, so wollte Alerander nicht einmal Herr genannt werden. Stolzirte jener in Prachtgewändern, so befliß sich Alerander der größten Ginfachheit, und verkehrte jener mit den schändlichsten Lüstlingen, so gesellte er sich nur die Weisesten und Besten als Freunde zu. Auch seine Mutter Mammäa war eine verständige Frau, die großen Einfluß auf ihn übte. — Der Kaiser begann seine Regierung mit einer heilsamen Reform am eigenen Hofe. Das schlechte Gesindel, das sich unter den früher« Kaisern da eingenistet, ward entfernt, der Senat in seine Rechte wieder eingesetzt und auch in dem Heere wieder die alte Zucht hergestellt. Neben der Staatsreligion, die er von den Zuthaten Heliogabals zu reinigen suchte, hatte der Kaiser seine eigene Hausreligion. Auch er zog, jedoch verständiger als Heliogabal, die verschiedenen Religionen, die damals im römischen Reich herrschten, in den Kreis seiner Verehrung. Alle Morgen verrichtete er in seiner Hauskapelle (I>lirnrium) seine Andacht, und da fanden sich, wie ein Schriftsteller seiner Zeit sagt, nebst den Familiengöttern (den Laren) auch die Bilder des Apollonius von Tyana, so wie die Bilder von Christus, Abraham, Orpheus und anderer dergleichen 'i). Christus war ihm also ein heiliger Religionsstifter, den er freilich neben andern, die der heidnischen und der jüdischen Religion angehörten, der Verehrung werth hielt. Daß er ihn vor andern ausgezeichnet oder ihn gar zum einzigen Gegenstand seiner Verehrung gemacht, daß er überhaupt eine Ahnung von dem hatte, was Christus dem Christen ist, das wird uns nicht gesagt, und ist sogar nach dem Gesagten unwahrscheinlich, ja geradezu unglaublich. — Mag er auch, wie ebenfalls berichtet wird i2),

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mit dem Gedanken umgegangen sein, Christo einen Tempel zu errichten (was auch schon von Hadrian gemeldet wurde), so würde auch dieser Christustempel nur neben andern Tempeln gestanden haben. Aber schon diese Gleichstellung Christi mit den Göttnn und den Weisen des Alterthums, dieser religiöse Eklekticismus ist bedeutsam für die Religionsgeschichte. Wir sehen darin einen liebergang, der angestrebt wurde, wenn er auch freilich auf diesem Weg« nicht zu vollziehen war. Einzelne Bruchstücke aus der Lehre Jesu scheinen überdieß dem Kaiser bekannt gewesen zu sein und seinen Beifall erhalten zu haben. So ließ er den Spruch: „Was ihr wollt, das euch die Leute thun sollen, das thut auch ihnen", an die Wände seines Palastes und auf öffentliche Denkmäler schreiben "> und führte ihn öfter im Munde. Ja, seine Mutter Mammao ließ, als sie sich in Antiochien aufhielt, den großen Kirchenlehrei Origenes aus Alerandrien zu sich berufen, um sich mit ihm üw das Christenthum zu besprechen '4). Ueber den Jnhalt dieses Gespräches und den Erfolg desselben wissen wir freilich nichts; doch begegnet uns auch hier wieder ein Suchen nach Wahrheit, das aus der unbefriedigten Stimmung hervorging, in welcher die herangekommene Volksreligion die Gemüther ließ. — Endlich zeigte sich auch Alerander den Christen günstig bei einem Rechtsstreite, den dieselben mit den römischen Garköchen hatten. Diese Köche sprachen ein Grundstück an, das bisher den Christen gehört hatte. Der Kaiser entschied zu Gunsten der Christen, denn es sei besser, daß an diesem Orte Gott auf irgend eine Weise verehrt, als daß n den Garköchen überlassen werde"). — Nichts desto weniger scheu« sich dieser für die Christen so günstig gestimmte Kaiser, das Christenthum förmlich unter die im Staate geduldeten Religionen aufzunehmen und die von seinen Vorgängern erlassenen Edicte gegt» dasselbe förmlich zu widerrufen. Jm Gegentheil wurden diese Edicte in die Gesetzessammlung aufgenommen, die der Kaiser durch seinen Freund, den gelehrten Mpianus veranstalten ließ. Auch sein Lebensende war ein gewaltsames. Als er in der Gegend »o»

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