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in die Tiber geworfen. — Auch seine Mutter und die Genossen seiner Schandthaten starben eines gewaltsamen Todes.

Vom 11. März 222 bis zum August 235 herrschte nun wieder einmal über das römische Reich eine edlere Persönlichkeit; es war ein Vetter Heliogabals, Alerander Severus, der mit einer gediegenen litterarischen Bildung menschliches Wohlwollen und Edelmuth der Gesinnung verband. Er war in Allem das Gegentheil seines Vorgängers. Ließ sich Heliogabalus als Gott verehren, so wollte Alerander nicht einmal Herr genannt werden. Stolzirte jener in Prachtgewändern, so befliß sich Alerander der größten Einfachheit, und verkehrte jener mit den schändlichsten Lüstlingen, so gesellte er sich nur die Weisesten und Besten als Freunde zu. Auch seine Mutter Mammaa war eine verständige Frau, die großen Einfluß auf ihn übte. — Der Kaiser begann seine Regierung mit einer heilsamen Reform am eigenen Hose. Das schlechte Gesindel, das sich unter den frühern Kaisern da eingenistet, ward entfernt, der Senat in seine Rechte wieder eingesetzt und auch in dem Heere wieder die alte Zucht hergestellt. Neben der Staatsreligion, die er von den Zuthaten Heliogabals zu reinigen suchte, hatte der Kaiser seine eigene Hausreligion. Auch er zog, jedoch verständiger als Helipgabal, die verschiedenen Religionen, die damals im römischen Reich herrschten, in den Kreis seiner Verehrung. Alle Morgen verrichtete er in seiner Hauskapelle (I.3rnrium) seine Andacht, und da fanden sich, wie ein Schriftsteller seiner Zeit sagt, nebst den Familiengöttern (den Laren) auch die Bilder des Apollonius von Tyana, so wie die Bilder von Christus, Abraham, Orpheus und anderer dergleichen "). Christus war ihm also ein heiliger Religionsstifter, den er freilich neben andern, die der heidnischen und der jüdischen Religion angehörten, der Verehrung werth hielt. Daß er ihn vor andern ausgezeichnet oder ihn gar zum einzigen Gegenstand seiner Verehrung gemacht, daß er überhaupt eine Ahnung von dem hatte, was Christus dem Christen ist, das wird uns nicht gesagt, und ist sogar nach dem Gesagten unwahrscheinlich, ja geradezu unglaublich. — Mag er auch, wie ebenfalls berichtet wird >2),

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mit dem Gedanken umgegangen sein, Christo einen Tempel zu errichten (was auch schon von Hadrian gemeldet wurde), so würde auch dieser Christustempel nur neben andern Tempeln gestanden haben. Aber schon diese Gleichstellung Christi mit den Göttern und den Weisen des Alterthums, dieser religiöse Eklektizismus ist bedeutsam für die Religionsgeschichte. Wir sehen darin einen Uebergang, der angestrebt wurde, wenn er auch freilich auf diesem Wege nicht zu vollziehen war. Einzelne Bruchstücke aus der Lehre Jesu scheinen überdieß dem Kaiser bekannt gewesen zu sein und seinen Beifall erhalten zu haben. So ließ er den Spruch: „Was ihr wollt, das euch die Leute thun sollen, das thut auch ihnen", an die Wände seines Palastes und auf öffentliche Denkmäler schreiben ") und führte ihn öfter im Munde. Ja, seine Mutter Mammäa ließ, als sie sich in Antiochien aufhielt, den großen Kirchenlehrer Origenes aus Alerandrien zu sich berufen, um sich mit ihm über das Christenthum zu besprechen "). Ueber den Jnhalt dieses Gespräches und den Erfolg desselben wissen wir freilich nichts; doch begegnet uns auch hier wieder ein Suchen nach Wahrheit, das aus der unbefriedigten Stimmung hervorging, in welcher die herabgekommene Volksreligion die Gemüther ließ. — Endlich zeigte sich auch Alerander den Christen günstig bei einem Rechtsstreite, den dieselben mit den römischen Garkochen hatten. Diese Köche sprachen ein Grundstück an, das bisher den Christen gehört hatte. Der Kaiser entschied zu Gunsten der Christen, denn es sei besser, daß an diesem Orte Gott auf irgend eine Weise verehrt, als daß er den Garkochen überlassen werde >2). — Nichts desto weniger scheute sich dieser für die Christen so günstig gestimmte Kaiser, das Christenthum förmlich unter die im Staate geduldeten Religionen aufzunehmen und die von seinen Vorgängern erlassenen Edicte gegen dasselbe förmlich zu widerrufen. Jm Gegentheil wurden diese Edicte in die Gesetzessammlung aufgenommen, die der Kaiser durch seinen Freund, den gelehrten Mpianus veranstalten ließ. Auch sein Lebensende war ein gewaltsames. Als er in der Gegend von

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Mainz die gallischen Legionen in Ordnung bringen wollte, ,ward er von Meuterern überfallen und sammt seiner Mutter umgebracht im 25. Jahr seines Lebens.

Der rohe Thracier Mariminus, in seiner Jugend ein Biehhirte, dann ein Soldat, durch riesenmäßige Stärke ausgezeichnet, schwang sich zum Kaiser auf, und verfolgte nun aus Rache und aus persönlichem Haß gegen seinen Vorfahren, die Christen ebenso, wie dieser sie geschützt hatte>«). Er richtete dabei sein Augenmerk besonders auf die Bischöfe, denen er nachstellen ließ, weil er wohl wußte, daß wo die Häupter sielen, die Glieder bald würden zersprengt sein. Dazu kam, daß unter seiner Regierung verheerende Erdbeben in Kappadonien und im Pontus ausbrachen, bei welchen die alte Volkswuth auf's Neue wider die Christen erregt ward. Nach drei Jahren war auch Marimin wieder beseitigt, indem er 238 vor Aquileja ermordet wurde.

Jn diese Regierungszeit des Marimin verlegt auch die Legende die Märtyrgeschichte der heil. Ursula und ihrer zehntausend Jungfrauen. Eine englische Prinzessin, Ursula, so lautet die Erzählung, sollte einem Heiden, Holosernes, vermählt werden. Sie erbat sich die Erlaubniß, erst eine Wallfahrt nach Rom zu thun und nahm zehn ihrer Freundinnen mit sich; jede dieser zehn aber hatte wieder ein Gefolge von tausend Jungfrauen, die aus allen Gegenden der Welt herbeikamen, an dieser großartigen Pilgerreise theilzunehmen. Jn Rom gesellte sich sogar der Papst Cyriacus ihnen bei. Als sie auf der Heimreise in die Gegend von Köln gelangten, wurden sie sämmtlich von den Hunnen erschlagen, die sich vor der Stadt gelagert hatten. — Mit dieser Legende steht auch in Verbindung die des heil. Pantalus, der der erste Bischos von Bafel gewesen sein soll, so wie auch die der heil. Chrischona, die auch eine der 11000 Jungfrauen war und in Äugst starb. Jhre Leiche ward auf einen Wagen gesetzt und mit ein Paar jungen Ochsen bespannt, die noch kein Joch getragen. Man ließ ihnen freien Lauf; sie führten die Leiche bergan durch des Waldes Dickicht, das von selbst sich lichtete, und hielten endlich stille an dem Orte, wo jetzt das nach ihr benannte Kirchlein in die weite Gegend freundlich hinaus

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schaut — Wir kehren wieder von der Legende zur Geschichte zurück. Nach Martmin gelangte Gordian III. auf den Thron, der sich sechs Jahre lang bis zum Jahr 244 wider innere und äußere Feinde behauptete, aber zuletzt den Ränken des Arabers Philippus erlag. Sowohl unter Gordian, als unter Philipp genossen die Christen Ruhe, etwa zehn Jahre lang. Ja, es geht die Sage, Philippus Arabs sei selbst Christ gewesen. Es wird sogar ausdrücklich erzählt, er habe in der Nacht vor Ostern an dem christlichen Gottesdienste theilnehmen wollen, der Bischos der Gemeinde aber sei ihm entgegen getreten und habe ihm erklärt, daß er wegen seiner Verbrechen (wahrscheinlich wegen der Ermordung seines Vorgängers Gordianus) nicht an den Mysterien des Gottesdienstes theilnehmen dürfe, bevor er Kirchenbuße gethan, und der Kaiser habe sich gutwillig dieser Buße unterzogen. Allein diese Sage bedarf sehr der Bestätigung ''). Nur so viel ist gewiß, daß er sich, trotz seines sonstigen eben nicht lobenswerthen Charakters, den Christen günstig erwies, und ebenso gewiß, daß überhaupt um diese Zeit die Zahl der zum Christenthum Ubergetretenen immer bedeutender wurde, und daß jetzt auch schon Angesehene, Mächtige und Reiche sich unter ihnen befanden. Es war nicht mehr die verachtete jüdische Secte; es war eine Religionsgemeinschaft, die schon als eine ansehnliche Genossenschaft im Reiche auftreten konnte, aber eben als eine solche zog sie nun auch den Haß der Feinde nur um so mehr auf sich, und die mehrjährige Ruhe, deren die Christen mit wenigen Unterbrechungen von den Tagen des Septimius Severus an genossen hatten, glich dem heitern Himmel in der Sommerschwüle, an dem oft plötzlich die Wolken sich zusammenziehen und in ein furchtbares Gewitter ausbrechen. Dieß geschah unter der Regierung des Decius mit dem Beinamen Trajanus, der im Jahr 249 den Philippus Arabs besiegte und bis 251 regierte. Die Christenverfolgung unter Decius können wir als die erste planmäßige Verfolgung betrachten, die recht eigentlich darauf ausging, das Christenthum vom Erdboden zu vertilgen und die daher auch die meisten Versuchungen zum Abfall mit sich führte, während auch aus ihr eine Anzahl ruhmvoller Märtyrer

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hervorging. Vom römisch-heidnischen Standpunkt aus betrachtet, war die Erhebung des Decius zum Kaiser ein Gewinn für das Reich. Er gehörte unter die altrömischen Kraftnaturen, seine Verwaltung war ausgezeichnet und sein Ernst, womit er die altrömischen Sitten wieder einzuführen suchte, verdient alle Anerkennung. Eben sein Patriotismus war es, der ihn zur Herstellung der alten Staatsreligion hintrieb, und es ist mit Recht bemerkt worden, daß die gleiche Persönlichkeit dieses Kaisers, wäre sie ein halbes Jahrhundert später gekommen, mit eben so vieler Energie die Reste des Heidenthums würde verfolgt haben, wie sie jetzt dem Christenthum entgegentrat.

Jm Jahr 250 erschien das verhängnißvolle Edict, daß bei Todesstrafe die Christen verpstichtete, den Ceremonien der heidnischen Staatsreligion sich zu unterwerfen. Es wurde ein Termin öffentlich bekannt gemacht, bis zu welchem alle Christen bei den betreffenden Obrigkeiten sich zu melden hatten. Es blieb ihnen die einzige Wahl, Christum zu verleugnen und den Göttern ihre Opfer zu bringen oder als Verbrecher gegen den Staat zum Tode verurtheilt zu werden. Allgemeine Bestürzung erfolgte. Mehrere namentlich von der Klasse der Reichern und Angesehenen, ließen sich wirklich zur Leistung dieser Opfer herbei, die Einen, nur mit Zittern und unter sichtbaren innern Kämpfen, die Andern mit leichterm Sinne, je nachdem das Christenthum tiefere Wurzel bei ihnen gefaßt hatte oder nicht. Da bewährte sich, sagt ein Kirchenlehrer, das Wort des Herrn: „Wie schwer werden die Reichen in das Himmelreich kommen." >«) Die Einen begnügten sich, Weihrauch dem Bilde des Kaisers zu streuen, die Andern opferten den Göttern und fluchten Christo. Noch Andere ließen sich um Geld von den Statthaltern Scheine ausstellen, als ob sie das Edict befolgt hätten, obgleich es nicht der Fall war. Sie glaubten, so ihr Gewissen zu retten durch Bestechung und Nothlüge Man wird freilich über diese „Gefallenen" — wie die Kirche sie nannte — milde urtheilen, wenn man vernimmt, welche ausgesuchte Marter ersonnen wurden, um durch sie die Christen vom Abfall zu bewegen. Um so mehr aber auch wird man die bewundern, die

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