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trotz der angedrohten und angewandten Marter, Christum bekannten und den Peinigungen ihrer Verfolger einen unerschütterlichen Glaubens- und Todesmuth entgegensetzten. — So wird uns von einem fünfzehnjährigen Knaben, Dioscoros, in Alerandrien erzählt, der durch seine treffenden Antworten mitten unter den Martern dem Statthalter Bewunderung abnöthigte, so daß er ihn mit der Erklärung frei ließ, er wolle des unmündigen Alters wegen ihm Zeit lassen, sich eines Bessern zu besinnen. Einer Jungfrau, Apollonia, wurden erst alle Zähne ausgerissen und dann erlitt sie den Feuertod 'n). Der spätere Aberglaube des Mittelalters hat sie zur Heiligen erhoben, und sie bei Zahnschmerzen um ihre Hülfe angerufen. Auch in Karthago, wo Cyprian Bischof war, wüthete die Verfolgung. Cyprian entzog sich ihr durch die Flucht; was ihm, wie wir später sehen werden, viele Verdrießlichkeiten verursachte. Zu Cäsarea in Syrien starb im Gefängniß der alte Bischof Alerandcr von Jerusalem und eben so schmachtete daselbst in Banden der Kirchenlehrer Origenes, der später wieder, nachdem er viele Marter ausgestanden, befreit wurde. Der Bischof Vabylas von Antiochien starb im Kerker; seine Ketten, mit denen er beladen war, wurden, nach seinem Wunsche, mit ihm begraben. Jn Smyrna litt der Priester Pionius nach wiederholten, aber vergeblichen Versuchen, ihn zum Absall zu bewegen, den Feuertod. Auch der Bischof von Rom, Fabianus, siel als Opfer. — Es läßt sich erwarten, daß sich die Legende auch hier geschäftig gezeigt hat, sowohl die Zahl der Märtyrer, als ihre Todesart in's Wunderbare zu vergrößern; sowie auch rein dichterische Sagen an diese Verfolgung sich geknüpft haben. Jch will nur einer dieser Dichtungen erwähnen; es ist die Geschichte der sieben Schläfer, deren Andenken der christliche Kalender auf den 27. Juni gestellt hat. — Zur Zeit der Verfolgung desDecius, so lautet die Sage, hatten sich sieben Brüder in eine Höhle bei Ephesus geflüchtet, die von den Heiden zugemauert wurde. Hier schliefen sie ein und schliefen an einem fort 200 Jahre bis in die Zeit des jüngern Theodosius, im Jahr 447. Da erwachten sie erst, und spürten einigen Hunger. Sie glaubten nur einen Tag geschlafen zu haben. Nun sandten

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sie einen der Jhrigen in die Stadt, um Speise zu kaufen. Dieser fand alles auffallend verändert, christliche Kirchen, wo früher heidnische Tempel gestanden, und er selbst wurde von Allen als eine fremde Erscheinung angestaunt. Der Bischof der Stadt begab sich dann mit einer großen Menge Volkes hinaus zu der Höhle, wo auch die übrigen Brüder sich befanden und worüber männiglich erstaunte. Nun aber sanken die sieben Schläfer in die Arme des Todes, um zu ihrer ewigen Ruhe einzugehen. — Offenbar will die Sage in dichterischer Einkleidung den Umschwung beschreiben, den die Lage der Christen während dieser Zeit genommen. Vielleicht, daß auch wirklich bei der Decischen Verfolgung eine Anzahl Christen in einer Höhle, darein sie sich geflüchtet, des Todes entschliefen und daß dieses zur Sage Veranlafsung gab, indem der Tod schon frühzeitig von den Christen als ein Schlaf betrachtet wurde.

Jm December 251 kam Decius auf seinem Feldzug in Mösien um. Unter seinem Nachfolger Gallus sielen die Gothen in's Reich ein. Dazu kamen Hungersnot!) und Pest. Nach kurzer Unterbrechung wurden die Christenverfolgungen auch unter diesem Kaiser fortgesetzt. Die römischen Bischöfe Cornelius und Lucius traf Verbannung und Tod; doch die häusigen Kriege und Empörungen hinderten den Kaiser, seinen Verfolgungsplan durchzusetzen, und nach seiner Ermordung (253) trat abermals eine Zeit der Ruhe für die Christen ein, unter Valerianus. Aber auch diese dauerte nicht lange. Zeigte sich auch Valerianus anfänglich den Christen überaus günstig (worüber er von den damaligen Kirchenvorstehern auf's Aeußerste belobt wurde) 2«), so wußte ihn doch sein Günstling Macrianus umzustimmen, und im Jahr 257 erschien ein Befehl, wonach die Versammlungen der Christen geschlossen und ihre Bischöfe des Landes verwiesen werden sollten, wenn sie den Göttern die Verehrung verweigerten. Anfänglich waren jedoch die Strafen, die gegen die Christen verhängt wurden, noch milde, im Vergleich mit den bisherigen Graufamkeiten. Valerian begnügte sich erst mit Verbannung und Drohung; namentlich wurden auch mehrere Christen in die mauritanischen und numidischen Bergwerke

») Euseb VII, t0.

Hagenbach, Vorlesungen II. 14

abgeführt, um dort zu arbeiten. Bald aber nahm die Verfolgung eine blutigere Gestalt an. Das Edict vom Jahr 258 lautete: „Bischöfe, Presbyter und Diaconen der Christen sollen sogleich mit dem Schwerte hingerichtet werden, Senatoren und Ritter sollen ihre Würde und Güter verlieren, und wenn sie dennoch Christen bleiben, soll auch sie die Todesstrafe treffen. Frauen von Stande sollen (nach Einziehung ihrer Güter) verbannt, Christen am kaiserlichen Hofe als Sklaven behandelt, gefesselt und zur Arbeit auf die verschiedenen kaiserlichen Güter vertheilt werden." — Die Ersten, die als Opfer dieser strengen Maßregel sielen, waren der römische Bischof Sirtus II. und seine vier Diaconen, unter ihnen auch der Diacon Laurentius. Sirtus und drei seiner Diaconen wurden auf der christlichen Vegräbnißstätte, wo sie ergriffen wurden, an's Kreuz geschlagen. Laurentius aber ward zu einer noch grausamern Marter ausersehen. Der römische Statthalter hatte von den Kirchenschätzen der Christen gehört und war lüstern nach denselben geworden. Er verlangte von Laurentius, daß er ihm diese herbeischaffe. Laurentius zeigte sich bereit; er wurde freigelassen, um die Schätze zu holen. Bald sah man ihn wiederkehren im Gefolge von Lahmen und Krüppeln. „Das sind unsere Schätze", sprach er. Dieß Benehmen ward ihm als Hohn gedeutet, und zur Strafe dafür ward er auf dem eisernen Stuhle der Feüergluth ausg. setzt. — Auch der berühmte Bischof Cyprian von Karthago kam ^n dieser Verfolgung um. Wir werden später auf ihn und sein Benehmen während der ganzen Zeit der Verfolgung, so wie auf seinen Tod zurückkommen. Für jetzt bemerken wir nur noch, daß Kaiser Valerian, von dem die Verfolgung ausgegangen, in seinem unglücklichen Kriege gegen die Perser gefangen wurde (259) und daß sein ihm unähnlicher Sohn, Gallicnus, ein Toloranzedict erließ, wonach die christliche Kirche nach langen Leiden und Drangsalen zum erstenmal als eine gesetzmäßig bestehende Corporation im Reiche anerkannt wurde. Zwar hatte sich in den morgenländischen Gegenden Macrianus als Gegenkaiser aufgeworfen, aber im Jahr 261 unterlag er, und so trat auch dort das Edict in Kraft2i). Der Zustand des römischen Reiches war aber um diese

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Zeit ein überaus verwirrter. Bei seiner Trägheit vermochte Gallienus dem Andringen der fremden Völkerschaaren, der Perser, der Gothen, der Scythen, der Deutschen, nicht zu wehren. Dazu wiederholten sich die alten Landesplagen der Theurung und der Pest. Auch innere Unruhen brachen aus. Gallienus selbst hauchte sein Leben vor Mailand aus, wohin ihn der Bürgerkrieg gerufen (268); nun verdrängte wieder ein Gegenkaiser den andern, bis endlich unter Aurelianus (270) die Herrschaft sich wieder befestigte. — Wir brechen hier ab, um uns in der nächsten Stunde wieder dem innern Leben der Kirche zuzuwenden, und besonders die Männer näher zu betrachten, die während dieser Zeit als Lichter der Kirche geleuchtet und als ihre Säulen sich bewährt haben. — Clemens von Alerandrien, Origenes, Tertullian, Cyprian werden wohl mehr als eine Stunde unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen.

Dreizehnte Vorlesung.

Die innere Geschichte des dritten Jahrhunderts. — Die alerandrinische Schule. — Clemens »on Aleiandrien. — Christlicher Hymnus. — Origenes.

Das dritte Jahrhundert der christlichen Kirche, das wir (bis auf die drei letzten Jahrzehnte desselben) in der vorigen Stunde durchgangen haben, war, wie wir gesehen, ein sehr wechselvolles in Absicht auf die äußern Schicksale der Kirche. Man kann nicht sagen, daß es eine Zeit andauernder Verfolgungen, aber eben so wenig, daß es eine Zeit der Erquickung und der Ruhe gewesen sei, und jedenfalls gehörten die Verfolgungen, die in diese Zeit fallen, wie namentlich die unter Septimius Severus und die unter Decius, zu den blutigsten und gefahrvollsten, welche die Kirchengeschichte kennt. Wir wenden uns nun der innern Seite zu. Da werden wir finden, daß das dritte Jahrhundert im Vergleich mit dem zweiten und dem darauf folgenden vierten Jahrhundert weniger von dogmatischen Streitigkeiten bewegt war. Die rohern Formen des ebionitischen und gnostischen Christenthums waren, wo nicht überwunden, doch zurückgedrängt, und auch der Montanismus, der an Tertullian seinen Vertreter fand, wurde gerade durch diese ausgezeichnete Persönlichkeit gewissermaßen veredelt und nahm in ihm eine würdigere Gestalt an. Es war nicht etwa eine äußere Kirchengewalt, welche die häretischen Richtungen zum Schweigen brachte (obgleich die Einmischung des römischen Stuhles sich schon sehr bemerklich machte), sondern in der Kirche selbst fand sich ein Gegengewicht gegen den Jrrthum. Es fehlte auch ihr nicht an scharfsinnigen Köpfen, an geistreichen Denkern, an kräftigen Na

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