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turen, die mehr durch die Autorität ihres Geistes, als durch äußeres und amtliches Ansehen die Theologie der Kirche in die rechte Bahn lenkten und ihr durch ihre eigenen Werke vorleuchteten. Nicht als ob diese Männer im vollen Besitz der reinen und absoluten Wahrheit gestanden hätten. Auch sie waren Kinder ihrer Zeit und berührt von den Einflüssen derselben. Die Jrrthiimer, die sie an den Häretikern bekämpften, schlichen sich oft nur unter anderer, sei es unter entgegengesetzter oder unter gemilderter Gestalt, bei ihnen selbst ein, oft ohne daß sie es wußten.- Diese Jrrthümer wurden aber bei ihnen weniger gefährlich, da sie von einer gläubigen Gesammtanschanung beherrscht waren, die eine eigentliche Ketzerei, ein antichristliches Vekenntniß nicht aufkommen ließ. — Wir würden auch sehr irren, wenn wir glaubten, die Väter, die wir als die Vertreter' der Rechtgläubigkeit ihrer Zeit betrachten, hätten Alle bis auf's Wort miteinander übereingestimmt. Nichts weniger als dieß. Wir finden gerade in dieser Zeit die verschiedensten Geistes- und Glaubensrichtungen hervortreten, und weit entfernt, daß ein Kirchenlehrer nur das Echo des andern gewesen, ergänzen sie einander vielmehr auf die überraschendste Weise. Jn den Hauptpunkten freilich des christlichen Glaubens, in der Anerkennung der Thatsachen des Christenthums und der Grundlehren stimmten sie überein. Die sogenannte Glaubensregel (re^uln liclei) lautete überall gleich, in der alerandrinischen, wie in der nordafrikanischen, in der kleinasiatischen, wie in der römischen und gallischen Kirche. Es waren dieß jene Haupt- und Grundsätze, wie wir sie in unserm apostolischen Glaubensbekenntniß haben, das freilich nicht von den Aposteln selbst verfaßt ist, ja, das in seiner jetzigen Gestalt nicht einmal bei den ältesten Gemeinden gefunden wird, aber das seinem Hauptinhalt nach gleichwohl vorhanden war, in Gestalt der Glaubensregel. — Glaube an Gott Vater, den allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde; Glaube an Jesum Christum als den Sohn Gottes, der von Maria der Jungfrau geboren, gelitten hat, der gestorben, auferstanden und in den Himmel erhöht ist und der wieder kommen wird zum Gericht; Glaube an einen heiligen, die Kirche leitenden und erfüllenden Geist; Glaube an Sündenvergebung, an Auferstehung des Leibes und an ein ewiges Leben, — das sind die Grundzüge, an denen die ganze katho

lische, d. i. die allgemeine Kirche, im Gegensatze gegen die Häretiker festhielt. Die Auffassung dieser Lehren aber, die Verknüpfung derselben unter einander, die Gedankenverinittlung war eine durchaus freie, die der Eigentümlichkeit des Denkers allen Spielraum ließ, und von einer engherzigen Buchstaben orthodorie war keine Zeit serner, als eben diese. Für einen todten Buchstaben, für eine theologisch-juridische Formel hätten sich auch wahrlich die Menschen nicht foltern und verbrennen lassen; aber sie wußten zu sterben für den Glauben und für die Freiheit des Glaubens.

Es dürfte unserer Betrachtung forderlich sein, wenn wir das Gesagte veranschaulichen durch die genauere Schilderung zweier Hauptrichtungen, die sich beide in der afrikanischen Kirche dieser Zeit aufthaten, die eine nach der Ost-, die andere nach der Westgrenze des mittelländischen Meeres zu, die eine also in der orientalischen, die andere in der occidentalischen Kirche; in Alerandrien, die eine, in Karthago und dessen Umgegend die andere. — Nicht ohne wehmüthige Empfindungen können wir diesen Betrachtungen uns hingeben, wenn wir bedenken, daß gerade diese Gegenden, in denen einst das Christenthum zur schönsten, kräftigsten Vlüthe sich erschloß, nun öde und wüste liegen, bedeckt von der Nacht des religiösen Jrrthums. An dem einen Orte nur spärliche, todte Ueberreste früherer kirchlicher Zustände, an dem andern die ersten Anfänge einer neuen christlichen Cultur!

Beginnen wir mit der alerandrinischen Richtung. — Alerandrien, diese von Alerander dem Großen (332 vor Chr.) gebaute, ihm zu Ehren benannte Stadt, hatte eine eigene Stellung in der Weltgeschichte erhalten. Durch ihre glückliche Lage auf der schmalen Landzunge, welche den See Mareotis vom mittelländischen Meere scheidet, mit ihren geräumigen Seehäfen, ihrem weltberühmten Leuchtthurm auf der Jnsel Pharus, ihrem belebten Handel, sollte sie unter dem Beinamen der „Großen" die natürliche Vermittlerin werden der morgen- und abendländischen Bildung. Die Nachfolger Aleranders, die Ptolemäer, besonders Ptolemäus Soter srer Sohn des Lagus) und Philadclphus hatten Alerandrien zu einem ausgezeichneten Sitz der Gelehrsamkeit erhoben. Nicht nur zogen sie berühmte Männer, Dichter, Redner, Sprachforscher und Philosophen dahin, sondern die ungeheure Bibliothek mit ihren 400,000 Bänden, deren größerer Theil jedoch später unter Casar ein Raub der Flam< men wurde, das prachtvolle Museum, in dem schönsten Theile der Stadt gelegen, in welchem Hunderte von Gelehrten freie Wohnung und Unterhalt hatten, wo sie zusammen arbeiteten und studirten, machten Alerandrien zur Bildungsstätte der Wissenschaft und Kunst, die einzig in ihrer Art war. Nachdem mit Kleopatra der ägyptische Königsstamm untergegangen, setzten die römischen Herrscher, unter ihnen namentlich Hadrian und die Antonine, ihre Ehre darein, der Stadt diesen Ruhm zu erhalten und zu mehren. Und so ging denn von diesem Alerandrien vielfach geistige Anregung und ein geistiges Leben aus, das unter dem Namen der alerandrinischen Wissenschaft, der alerandrinischen Bildung und Gelehrsamkeit bekannt ist. Das Verdienst dieser alerandrinischen Bildung bestand allerdings zunächst nicht in dem Reichthum und der Originalität neuer geistiger Schöpfungen; auf die Zeit der Production war in der griechischen Litteratur die Zeit des Samnielns, des Sichtens, des Ordnens gekommen. Das alerandrinische Zeitalter war mehr ein kritisches, philologisches, grammatisches, als ein poetisches und wahrhaft philosophisches zu nennen. Der Schulwitz konnte nur allzu leicht in Pedantismus, die Correctheit in prosaische Nüchternheit, die Kunstkritik in Kleinmeisterei, die Bielwissern in Oberflächlichkeit ausarten, und vor lauter Commentiren und Ercerpiren der dichterischen Schönheiten lief der Geist Gefahr, unter diesen Operationen zu verfliegen und zu verdunsten; so daß, mit dem Dichter zu reden, nur das Phlegma zurückblieb. Es wäre aber ungerecht, die Leistungen dieser Alerandriner zu geringe anzuschlagen. Ihrem Fleiße und ihrer Genauigkeit haben wir so vieles zu verdanken, was uns jetzt das Studium der Klassiker ermöglicht und erleichtert. — Doch von diesen Leistungen der gricchisch-alerandrinischen Gelehrsamkeit im Allgemeinen haben wir hier zunächst nicht zu reden. Wir haben es mit einem eigenthümlichen Zweige der Philosophie, mit der Religionsphilosophie zu thun, welche die alerandrinische Bildung nicht aus sich selbst, sondern aus dem Stamme des Judenthums sowohl als des Heidenthums hervortrieb und an welchen dann wieder die christlich-theologische Bildung des dritten Jahrhunderts sich anschloß. — Wir haben schon früher bemerkt, daß nach dem Untergang des jüdischen

Staates sich eine bedeutende Anzahl Juden in Alerandrien niedergelassen hatten. Sie genossen dafelbst freie Religionsübung, wurden aber dabei auch mit der griechischen Wissenschaft bekannt. Sie suchten nun ihren alttestamentlichen Glauben mit der Weisheit der Hellenen wo möglich in Uebereinstimmung zu setzen. Was in der Bibel Menschliches, oder besser gesagt, Jüdisches, den feinen Griechen und ihrem Geschmacke Anstößiges von Gott gesagt wurde, das lösten sie in allgemeine, wie sie glaubten, mehr geistige, dem philosophischen Denken angemessene Begriffe auf; dadurch verwischten sie das eigenthümliche Gepräge der biblischen Vorstellungsweisc und brachten so ein gräcisirtes, ein nach der damaligen Zeitbildung aufgestutztes Judenthum zu Stande. Der Hauptvertreter dieser jndisch-alerandrinischen Religionsphilosophie ist der Jude Philo, der ungefähr zur Zeit Christi lebte>) und in hohem Ansehen stand Er war ein tiefer und feiner Denker, ein frommer und gebildeter Mann; aber seine Bibelerklärung war im höchsten Grade willkürlich, indem er das Geschichtliche derselben mehrentheils in Allegorie auflöste und überhaupt die religiösen Vorstellungen seines Volkes in die platonisirende Philosophie umzusetzen sich bemühte. — Gleich wie das dahinsterbende Judenthum, so suchte auch das verkommene Hcidenthum sich mit Hülfe der Philosophie zu restituiren. So war, ebenfalls in Alerandrien am Ende des zweiten Jahrhunderts die sogenannte neuplatonische Schule entstanden, welche durch den Beisatz orientalischer Mystik die alte Volksreligion wieder zu heben suchte, indem sie gerade, wie Philo die biblischen Geschichten, so die heidnischen Mythen allegorisch deutete und die tiefern, religiösen Jdeen, die unter ihrer Hülle verborgen sein sollten, an's Licht hob. Vertreter dieser neuplatonischen, heidnischen Mystik war der gelehrte Plotinus, ein Gegner des Christenthums. Aber wie die absterbenden Religionen an diesen Stab der alerandrinischen Philosophie sich anlehnten, so sehen wir auch das jugendlich aufblühende Christenthum an eben diesem Stab empor ranken. Die Gnostiker,

>) Er ist etliche Jahre vor Ehristo geboren: zur Zeit des ssaliaula ward er noch als Grcls an der Spitze einer jüdischen Gesandtschast nach Rom gesendet, um sich bei dem Kaiser über die seinen! Volke wiederfahrenen Verrüclmigen zu betlagen. Vgl. über ihn J. G. Müller, des Juden Philo Bnch von der Neltschövfung. Berlin 1841.

deren wir früher gedacht haben, hingen ja genau mit dieser Richtung zusammen, und gerade in Alerandrien bluhten ihre vorzüglichsten Schulen. — Nun aber sehen wir in demselben Alerandrien auch wieder solche Männer auftreten, welche dem pseudochristlichen Gnosticismus eine wahre christliche Gnosis, eine theologisch-philosophische Speculatiou, auf Grundlage der christlichen Offenbarung, entgegensetzten. Und von diesen christlichen Alerandrinern und ihrer Schule haben wir nun zu reden. Um jedoch ihr Streben und Wirken ganz zu begreifen, müssen wir noch ein Weiteres vorausschicken.

Jemehr das Christenthum an äußerer, wie an innerer Selbstständigkeit gewann, desto nöthiger war es, auf eigene Unterrichtsanstalten, auf eigene Pflanzschulcn theologischer Wissenschaft bedacht zu sein. Die ersten Verbreiter des Christenthums waren keine Gelehrten gewesen. Die unmittelbare Verkündung des göttlichen Wortes, wie sie den Aposteln und Evangelisten obgelegen, bedurfte keiner Nachhülfe menschlicher Wissenschaft. Der Geist Gottes, der Geist der Wahrheit von oben, erwies sich mächtig in ihrer Predigt, und auch die ersten Gläubigen, die von der Macht dieser apostolischen Predigt ergriffen wurden, brauchten nicht viel zu lernen, d. h. nicht viel in ihren Kopf aufzunehmen, um Christen zu werden. Hatten sie nur Christum in ihr Herz aufgenommen, hatten sie nur die Abscheulichkeit der Sünde erkannt und sich entschlossen, ein neues Leben zu führen nach den Vorschriften Christi, so war auch kein Hinderniß da, sie sosort durch die Taufe in den Bund der Christen aufzunehmen. So sprach jener Kämmerer zu Philippus: Siehe da ist Wafser, was hindert's, daß ich mich taufen lafse? und Philippus taufte ihn (Apostelg. 8, 36—38). — Anders wurde es in der spätern Zeit. Die praktischen Wahrheiten des,Christenthums blieben zwar nach wie vor dieselben, und daß diese mit dem Herzen und nicht nur mit dem Kopfe mußten aufgenommen werden, das blieb evangelisches Grundgesetz bis auf diesen Tag. Aber jemehr das Christenthum nun einmal auch verflochten war in die Bildung der Welt, je verwickelter der Kampf geworden war mit der Welt und ihrer Anschaunngsweise, desto nothwendiger wurde eine wissenschaftliche Befähigung von Seiten der Lehrer und auch eine gewisse Vorbereitung von Seiten

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