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Vierzehnte Vorlesung.

Jdealismus und Realismus. — Origenes und Tertullicm.

Die Theologie des Origenes, mit der wir uns in dieser Stunde vorerst beschäftigen sollen, hat für uns darum eine so große und allgemeine Bedeutung, weil sie uns nicht nur mit den persönlichen Ansichten dieses bedeutenden Kirchenlehrers bekannt macht. sondern weil sich in ihr eine Richtung auspragt, die bis auf diesen Tag ihre Vertreter in der Kirche hat, gegenüber einer andern Richtung, die gleichfalls ihre Berechtigung hat und die zu ihr die Ergänzung bildet. Man hat die eine dieser Richtungen die idealistische, die andere die realistische genannt, — Worte, mit denen man allerdings etwas sagen will, die man aber auch oft nur als Schlagworte gebraucht, ohne über ihren Sinn sich gehörige Rechenschaft gegeben zu haben. Lassen Sie uns daher der Sache selbst etwas näher treten. Alle Religion, das wird man uns zugeben, und so auch das Christenthum beschäftigt sich mit dem Uebersinnlichen, mit dem Geistigen. Die göttlichen Dinge, das sagt uns unsere natürliche Vernunft, liegen hoch hinaus über uns, über unserm Fühlen und Denken. „Was kein Auge gesehen", so sagi ja auch die Schrift, „was kein Ohr gehört, was in keines Menschen Herz gekommen ist, das hat Gott denen bereitet, die ihn lieben." — „Gott ist ein Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten." — Es ist daher auch sehr natürlich, daß wo wir von göttlichen Dingen reden, wir unserm Geiste die Zumuthung machen, über das Jrdische um Sichtbare sich zu erheben, und sich — wie wir das ja auch bildlich ausdrücken — aufzuschwingen über die Formen unserer irdischen Erkenntniß, über Zeit und Raum. Wie weit wir dieß wirklich vermögen, ist freilich eine andere Frage. Aber schon das Geständnis?, daß unsere menschliche Sprache nicht zureicht, das Göttliche auszudrücken, wie es in Wahrheit ist, und daß also das Bild, das wir gebrauchen, nicht dürfe schon genommen werden für die Sache selbst, die es bezeichnet, schon dieß Geständniß ist von großem Werthe. Es ist damit anerkannt die heilige Schranke, die, so lange wir in dieser Zeitlichkeit wandeln, sich zwischen den Himmel und die Erde stellt, und die wir nicht ohne Frevel überspringen dürfen. — So gewiß nun aber einerseits die Religion etwas Uebersinnliches, so gewiß Gott ein dem beschränkten Geiste des Menschen unerreichbares Wesen ist, dieweil er in einem Lichte wohnet, dahin kein sterbliches Auge dringt, so gewiß ist auch wieder nur da Religion und ein religiöses Verhältniß möglich, wo eine Gemeinschaft zwischen Gott und dem Menschen gesetzt wird, wo Gott in irgend einer Weise dem Menschen nahe tritt, sich ihm als den Wahrhaftigen zu schauen, zu fühlen, zu genießen giebt in menschlicher Weise, und wenn in einer Religion diese Menschlichkeit Gottes hervortritt, so ist es in der Religion der Bibel, da Gott schon im alten Testament sich zu den Menschen herabläßt und vollends im neuen Testament sich offenbart in der Gestalt des Menschensohnes, der von sich sagen konnte: wer mich steht, der stehet den Vater. Es muß also — das werden wir zugeben — immer beides beachtet werden. Das Unendliche, das Uebersinnliche und Geistige in der Religion, das ist ihre ideale — das Wesenhafte, das dem Menschen sich Darbietende ihre reale Seite. Wer nur das Unendliche und Unerreichbare im Auge hat, der wird nie dazu kommen, das Göttliche sich anzueignen; es bleibt ewig über ihm als ein fernes, nimmer zu erreichendes Jdeal; wer dagegen das Göttliche in den sinnlichen Erscheinungsformen festhalten will, ohne sich daran zu erinnern, daß er es nicht mit zeitlichen und räumlichen, sondern mit geistigen Verhältnissen zu thun hat, der läuft Gefahr, mit seinen religiösen Vorstellungen im Materiellen zu versinken und in jeder Beziehung unwürdig und profan von der Gottheit zu denken. — Der falsche Idealismus, der die göttlichen Wahrheiten verflüchtigt, ist daher eben so unrichtig, als der falsche Realismus, der sie verdichtet und verfleischlicht; während nur da das religiöse Bewußtsein vollkommen befriedigt ist, wo sich beides durchdringt, wo die Geistigkeit der Religion ihrer Wahrheit und Wesenhaftigkeit und wo diese wieder ihrer Geistigkeit keinen Eintrag thut. Da nun aber kein menschliches System die absolute Wahrheit enthält, so werden wir finden, daß eben immer bei allen menschlichen Vorstellungsweisen das Eine oder Andere vorwaltet, daß die Einen mehr sich anstrengen, das Erhabene, das Unerreichbare des göttlichen Wesens uns zum Bewußtsein zu bringen und daher alles abweisen, was Gott in die Endlichkeit herabzieht, während Andere hierin weniger bedenklich sind, und mit kühner Zuversicht die göttliche Realität in kecker Bildersprache herausheben, auch auf die Gefahr hin, Gott zu vermenschlichen. Vertreter der vergeistigenden (idealisirenden) Richtung ist uns nun eben Origenes, während uns die verleiblichende (realisirende) Richtung hauptsächlich in dem Afrikaner 3ertullian entgegentritt. Wir haben, indem wir den Faden der vorigen Stunde nun wieder aufnehmen, zuerst von Origenes zu reden, mit dessen äußern Lebensschicksalen wir uns dort bekannt gemacht haben. Jn seinem Werk über die Grundlehren der Glaubenswissenschaft sucht nun Origenes gleich von vorneherein alles das ferne zu halten, was Gottes Wesen in das Endliche und Menschliche herabzieht; denn welche Vorstellung wir auch immer von Gott haben mögen, wir müssen immer annehmen, daß er weit über diese Vorstellung erhaben ist. So wenig einem Auge, das nur ein schwaches Laternenlicht verträgt, die Klarheit der Sonne könnte anschaulich gemacht werden, eben so wenig kann unserer menschlichen Vernunft ein zureichender Begriff von Gott gegeben werden. Nun redet zwar allerdings die heil. Schrift von Gott überall in menschlicher Weise; aber diesen Anthropomorphismus der Schrift sucht Origenes dadurch zu beseitigen, daß er den Stellen, die von Gott menschlich reden, einen andern als den nächsten buchstäblichen Sinn unterlegt, wie wir bei seiner Schrifterklärung sehen werden. So kann auch Origenes die biblische Schöpfungsgeschichte nicht wörtlich nehmen; er findet darin nur den bildlichen Ausdruck höherer kosmischer Verhältnisse. Ja, selbst eine Schöpfung, in der Zeit vollzogen, konnte den philo

sophischen Gedanken des Origenes nicht befriedigen. Er fragte sich: war Gott jemals müßig? und indem er sich dieß verneinte, kam er auf eine unendliche Reihe von Schöpfungen Gottes, die unserer gegenwärtigen Schöpfung vorangegangen. Auch mochte er nicht das geistige Leben allein auf den Menschen beschränken; auch die Gestirne sind ihm beseelte Wesen; dennoch denkt sich Origenes Gott nicht etwa als eine bloße abstracte Größe, die über der Welt schwebt, ohne sich mit ihr in Berührung zu setzen; er vertheidigt vielmehr gegen den Celsus die Lehre von einer göttlichen Vorsehung, die in Allem nach höhern Zwecken handelt und die auch die Uebel der Welt als Erziehungsmittel gebraucht, um den Menschen zu einem gotteswürdigen Wesen heranzubilden. Die menschliche Seele denkt sich Origenes (nach dem Vorgange Plato's) als eine von Gott geschaffene, mit eigenthümlichen Kräften ausgestattete geistige Persönlichkeit, die schon vor ihrer Verbindung mit dem Körper in andern Welten eristirt hat und die einst auch wieder aus dem Kerker dieses Leibes erlöst werden wird. Von der Seele unterschied er (wie noch viele andere Kirchenlehrer dieser Zeit), den Geist im Menschen, durch den die Seele erst ihre höhere Vollendung erhält. Wohl ist der Mensch nach dem Bilde Gottes geschaffen, aber erst durch den Gebrauch seiner Freiheit, seiner Vernunft, reift er zur effectiven Aehnlichkeit mit Gott heran. Der Mensch ist von seiner Geburt an mit Sünde behaftet; denn die Seele hat schon in ihrem frühern Zustande gesündigt und zudem ist die Leiblichkeit, wenn auch nicht die einzige Quelle der Sünde, doch ein fruchtbarer Boden für sie. Es kommt also darauf an, daß wir durch Christus, den im Fleisch gekommenen Sohn Gottes, erlöst und in die Gemeinschaft seines Geistes eingeführt werden. Den Sohn Gottes denkt sich Origenes als die ewige Weisheit und zwar nicht als bloße Eigenschaft, sondern als eine vom Vater verschiedene, ihm untergeordnete göttliche Persönlichkeit, die darum menschliche Seele und menschlichen Körper angenommen hat, um die Menschen zu erlösen. Den Tod Jesu denkt er sich am liebsten unter dem Bilde eines Opfers, auf das auch die alttestamentlichen Opfer vorbildlich hinweisen. Nicht nur für diese Welt, sondern für das ganze Weltall, für alle Wesen im Himmel und auf Erden ist die ewige Erlösung geschehen. Was auf Golgatha an dem

Gekreuzigten geschaut wurde, das ist gleichsam nur der sinnliche Abdruck dessen, was, unsichtbar dem menschlichen Auge, als eine in alle Himmel hineinreichende Gottesthat sich vollzogen hat — das große Geheimniß der Versöhnung. — Und nun das Ende aller Dinge? Das kann nach Origenes nur darin bestehen, daß alles, was von Gott abgefallen, wieder zu ihm zurückgeführt wird, damit Gott sei Alles in Allem. Origenes ist der Urheber der unter verschiedenen Wendungen wieder in die Kirche eingeführten, aber auch vielfach angefochtenen Lehre von einer sogenannten Wiederbringung aller Dinge. Die Sünde ist ihm nur ein zwischen Gott und den Menschen, auch in der Geisterwelt wieder tönender Mißklang, der aber einst sich vollkommen lösen muß. Nur mit großer Vorsicht, aber doch so, daß man's zwischen den Zeilen lesen kann, hat Origenes auch ein endliches Aufhören der Höllenstrafen und selbst eine Rückkehr des Satans zu Gott gelehrt. Das Böse hat ihm keine Selbstständigkeit an sich, darum kann es nicht ewig dauern, und so hat er gelehrt, was ein moderner Dichter gesungen: „Allen Sündern soll vergeben und die Hölle nicht mehr sein." Origenes hat zwar eine einstige Auferstehung des Leibes mit der Kirche gelehrt. Aber diese Lehre sindet in seinem System keinen rechten Halt. Da er ein selbstständiges Leben der Seele schon vor ihrer Verbindung mit dem Körper lehrte, so konnte er sich auch ein selbstständiges und ein seliges Leben der Seele denken, auch ohne Körper. Ja, consequenter Weise mußte ihm der Körper eher als eine, den Menschen zur Erde herabziehende Last erscheinen, von der ihn der Tod befreie. Und wirklich kommen bei ihm solche Aeußerungen vor, wonach die Seele im Tod ihre Hülle abstreist und sich frei zu Gott aufschwingt, und wonach einst in der Vollendung der Dinge auch alles Körperliche aufhören und in ein geistiges Sein sich auflösen soll. Wenn Origenes dann gleichwohl eine Auferstehung des Körpers lehrte, und dieses Dogma sogar gegen die Angriffe eines Celsus u. A. vertheidigte, so konnte er es nur thun, indem er auch diese Lehre vergeistigte oder wenigstens sie von all den materiellen und grobsinnlichen Vorstellungen entkleidete, die sich ihr angehängt hatten. Und da konnte er denn wohl mit Recht darauf hinweisen, daß schon Paulus von einem

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