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Geschichten, fondern ihn Hauptbedeutung besteht dem Origenes darin , daß sie uns geistige und ewige Verhältnisse in einer geschichtlichen Thatsache vor Augen stellen. So ist z. B. für den Christenglauben nicht das das Wichtigste, daß Christus einmal Blinde und Lahme geheilt, einmal Todte auferweckt hat, sondern das ist für uns die Hauptsache, daß er noch immer den geistig Blinden das Äuge öffnet, noch immer die sittlich Lahmen aufrichtet, daß sie springen gleich dem Hirsch; daß er die geistig Todten belebt und sie aufweckt aus dem Schlaf der Sünde. — Wir würden Origenes mißverstehen, wenn wir glaubten, er habe durch seine allegorische Auslegung den biblischen Wahrheiten entlaufen, er habe die Schrift rationalistisch ausdeuten wollen. Es mag ihm dieß bisweilen begegnet sein, wo sich sein Geist nicht in die Vorstellungsweise der Schrift zu schicken vermochte; aber noch weit öfter hat er auch in die Schrift hineingedeutet und ihr gleichsam aus dem Seinigen aufgeladen, was ihr nicht angehört. Er ging von dem obersten Grundsatz aus, daß nicht eine einzelne Stelle sich in der heil. Schrift sinde, die nicht voll sei des göttlichen Geistes; denn der zu den Menschen gesprochen hat' „du sollst vor mir nicht leer erscheinen," wie sollte der etwas Leeres sagen? — Nun war Origenes für seine Person so erfüllt von dem Gesammtinhalt der Schrift, welcher ist Christus, daß er eben diefen Gesammtinhalt wieder in jeder einzelnen Stelle suchte. Er hatte sich selbst so festgelebt in dem Herzen der Schrift, daß er dieses Herz auch in den äußersten Spitzen des Schrist-Organismus wollte pulsiren fühlen, und da hat er denn allerdings oft Mißgriffe gethan; aber auch Tiefblicke, wie sie ein prosaischer oder gar ein profaner Sinn bei aller Sprachkenntniß nicht thun wird. — Wir haben das letztemal gesehen, wie Origenes schon zu seinen Lebzeiten von Leuten verketzert wurde, die ihm an geistiger und sittlich-religiöser Bildung weit nachstanden, und auch später sind manche seiner Lehren mit dem Anathem der Kirche belegt worden. Auch wir wollen nicht alles gut heißen, was er über Christenthum und Bibel oft mehr geistreich, als wahr gelehrt haben mag. Aber bewundern werden wir diesen seltenen Geist immerhin, und einem Manne, der so wie Origenes im Dienste des Christenthums seine beste Kraft verzehrt, der sich mehr als einmal als Märtyrer hingegeben hat, wenn er auch gleich nicht den Tod des Märtyrers starb, werden wir wohl auch einige Eigenthümlichkeiten zu aute halten, die, wenn auch mit Jrrthum behaftet, doch seinem christlichen Leben keinen Eintrag thaten. Wie Gott in der Natur einer jeden Kraft, die sich selbst überlassen und iu's Ungemessene fortgehend, schädlich wirken würde, immer auch wieder eine Gegenkraft geordnet, wie er der Centrifugalrraft im Weltall die Centripetalkraft entgegengesetzt hat, so hat er auch im Reich der Geister dafür gesorgt, daß, wie das Sprüchwort sagt, die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Dem aufwärts strebenden Jdealismus hat er den an das Gegebene, das Positive, sich haltenden Realismus als heilsame Schranke geordnet, und so sinden wir denn auch der Kirche der alerandrinisch idealistischen Denkweise eines Clemens und Origenes die realistische eines Jrenäus und Tertullian entgegengesetzt. Von Jrenäus, dem Kleinafiaten in Gallien, haben wir bereits in einer frühern Stunde geredel. Reden wir jetzt von dem Afrikaner Terlullian. — Er fällt der Zeit nach etwas früher als Origenes. Ein Zeitgenosse des Clemens von Alerandrien, war er schon in den reifern Mannesjahren, als Origenes seine jugendlichen Kräfte erst zu üben begann. Wir haben ihn aber bis dahin aufgespart, theils um ihn durch den Gegensatz zu Origenes noch mehr in seiner Eigenthümlichkeit hervortreten zu lassen, theils auch, um an ihn sofort den zweiten Repräsentanten der afrikanischen Kirche, Cyprian anknüpfen zu können.

Quiutus Septimius Florens Tertullianus war in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts als Heide zu Karthago geboren. Dieses Karthago, welch eine ganz andere Geschichte hol es, als Alerandrien. Wir wollen nicht auf den Mythus seiner Gründung zurückgehen: aber erinnern müssen wir an die mächtiqc That- und Willenskraft, die dieser Staat schon in den frühesten Zeiten entwickelt, an die eiserne Festigkeit, die er der zur Weltherrschaft aufstrebenden Macht Roms in einem mehr als hundertjährigen Kampf (264—146 vor Chr) entgegengesetzt hat; ein Kampf, worin das alte Karthago erlag; aber die Zähheit lies Charakters und den männlichen Trotz haben sich die punischl» Naturen bewahrt, und zu ihnen gehörte auch Tertullian. Er !r»ii nicht ohne gelehrte Bildung; aber diese Bildung nahm bei ihm nicht jene speculative Richtung der Alerandriner; sie war die praktische Richtung des Sachwalters und Redners, denn dieses Amt hatte Tertullian schon als Heide geübt. Erst in seinem männlichen Alter trat er zum Christenthum über; er hatte das Leben des Hcidenthums in sich durchhiebt und kannte es aus Erfahrung. Auch auf ihn scheint das standhafte Vekenntniß der Märtyrer bestimmend gewirkt zu haben. Auch er brachte es übrigens, so wenig als Origenes, zu einem hohem Kirchenamte. Er wurde, wie jener, Presbyter, wahrscheinlich zu Karthago selbst. Von seinem äußern Leben und Wirken ist uns wenig aufbehalten; desto reicheres Zeugniß geben seine zahlreichen Schriften von seinem inner« Leben. Ein nicht unbedeutendes Ereigniß, das auch mehr sein inneres, als sein äußeres Leben berührt, ist sein Uebertritt zum Montanismus, von dem wir früher (in unserer eilften Vorl.) gehandelt haben. Uebrigens brachte dieser Uebertritt keine totale Veränderung in ihm hervor; vielmehr fand er in dieser Verbindung mit den Montanisten das, was seinem strengen und fast möchte man sagen, düstern Geiste entsprach. Wir sinden bei Tertullian nicht die Beweglichkeit des Gedankens, nicht den idealen Aufschwung, wie bei den Alerandrinern; aber eine Tüchtigkeit der Gesinnung, einen Ernst, einen Tiefsinn, der bei allem Stoßenden und Eckigen, das seine Denkweise mit sich führt, uns in Erstaunen setzt. — Tertullian ist ein erklärter Gegner der Schulphilosophie, der er das Recht abspricht, in theologischen Dingen mitzureden; „denn was hat", fragt er, „die Akademie mit der Kirche, was hat Christus mit Pluto, was Jerusalem mit Athen zu thun?" Er nennt die griechischen Philosophen die Erzväter aller Ketzereien. Und doch war er selbst nicht der schlechteste Philosoph, und ein Selbstdenker wie Wenige. Es ging ihm, wie Vielen, die gegen den Vernunftgebrauch in der Religion deklamiren, und immer. nur auf das Positive dringen, die sich aber gleichwohl genöthigt sehen, dieses Positive selbst wieder durch Vernunftgründe zu stützen, weil es auch ihnen unmöglich ist, es nur als ein Aeußerliches hinzunehmen, sondern weil es sie drängt, auch die geoffenbarte Wahrheit bis auf ihren innersten Lebensgrund zu verfolgen und sich verständige Rechenschaft darüber zu geben.

Sehen wir daher Tertullian auch nicht wandeln auf den gebahnten Wegen der Philosophie, so sehen wir ihn durch das Dickicht, wir möchten sagen, durch den Urwald eines naturwüchsigen Denkens sich seinen eigenen Weg bahnen, sich seine eigene Sprache, seine eigene Logik schaffen. Da ihm das Wesen der Dinge, wie er sich schön ausdrückt, nicht auf der Oberfläche, sondern im Marke liegt, so bohrt er auch auf dieses Mark durch die härtesten Rinden hindurch, wobei er allerdings auch manches zärtere Gewebe zerreißt, das für ihn keine Bedeutung hat. — Eleganz des Styls und des Ausdrucks ist seine Sache nicht; er liebt die Schroffheiten des Ausdrucks , wie die Paradorien des Gedankens, hinter die sich oft eine bittere Ironie versteckt. So, wenn er sagt, gerade das Absurde sei das Glaubwürdige, und er glaube ein Dogma gerade, weil es absurd sei, so wollte er damit doch wohl nur die Flachheit derer züchtigen, die das am liebsten für wahr halten, was sich leicht begreift und obenauf schwimmt und die ein tieferes Nachgraben scheuen. Dem seichten, alles glatt und ebenmachenden Rationalismus hat Tertullian einen über alle Vernunftbedenkeu sich hinwegsetzenden Glaubenstrotz entgegengesetzt, etwa in der Weise, wie es später auch wieder Luther im Kampfe gegen die Sophisten seiner Zeit gethan hat, und wie früher schon Paulus, wenn er von einer Thorheit des Christenthums redete, die ihm höher stehe, als die Weisheit der Weisen dieser Welt. — Tertullian war, um mich eines modernen Ausdrucks zu bedienen, entschiedener Supranaturalist. Das Christenthum war ihm ein von oben Gegebenes, göttlich Geoffenbartes. „Die Christen," sagt er, „werden nicht geboren, sie müssen es werden." Gleichwohl aber suchte auch Tertullian einen innern Vermittlungsgrund für das Christenthum; einen Anschlußpunkt für dasselbe in der menschlichen Seele. Jst auch der natürliche Mensch noch kein Christ, sondern erst nachdem er wiedergeboren worden, so ist doch die menschliche Seele von Natur eine Christin, sie ist auf das Christenthum angelegt und angewiesen, und wenn die Alerandriner davon reden, daß der göttliche Logos, noch ehe er in Christo Mensch geworden, in der Menschheit keimartig wirksam gewesen, so drückt zwar Tertullian sich anders aus, aber im Wesentlichen meint er dasselbe, wenn er sagt, Gott bezeuge sich in jeder menschlichen Seele. Wie diese auch immer entartet, von Leidenschaften umnachtet und gleichsam in einen wilden Raufch versunken sei, so erwache sie doch immer wieder aus diesem Rausche, und schon die üblichen Redensarten und Vetheurungen: bei Gott! so wahr Gott lebt, so Gott will, sind ihm ein Beweis hiefür. Zum vollen Bewußtsein des Göttlichen kommt aber die Seele erst durch Christum, und nur die Kirche, die Gemeinschaft der Gläubigen, die auf dem von den Aposteln gelegten Grunde ruht und ihre Ueberlieferung rein bewahrt, ist auch im Besitz der Wahrheit. Was außer dieser Kirche ist, das hat keinen Theil an den Gnadengütern des Evangeliums. Darum führt Tertullian eine so scharfe Sprache gegen die Ketzer, die Von der Kirche sich absondern; sie vergleicht er dem Schlangenund Otterngezüchte, das in trüben Sümpfen sein unheimliches Wesen treibt; die Christen dagegen vergleicht er den Fischen, die im frischen Wafser sich wohl besinden, oder den Bewohnern der Arche, die geborgen sind vor den Gewässern der Fluth, welche die Gottlosen verschlingen. Er schneidet den Ketzern von vorneherein alles Recht ab, über Glaubenssachen mit den Rechtgläubigen sich aus einander zu setzen. Selbst wenn sie aus der Bibel disputiren wollen, so steht ihnen dieß Recht nicht zu; denn nur die Kirche ist im Besitz apostolischer Ueberlieferung und somit der rechten Auslegung. Wer nicht die gläubigen Voraussetzungen theill, wollte Tertullian sagen, mit dem ist keine Verständigung möglich — dem sind wir auch keine Rechenschaft schuldig. Man könnte freilich sagen, Tertullian habe sich selbst durch seinen Anschluß an den Montanismus von der Kirche getrennt. Allein wir dürfen nicht vergessen, daß der Montanismus rücksichtlich der Lehre mit der allgemeinen Kirche auf demselben Boden stand; auch stammt das eben Gesagte wahrscheinlich aus der Zeit vor seinem Uebertritte zu dieser Partei.^— Treten wir nun den Glaubensansichten Tertullians näher, so wird uns auffallen, wie verschieden seine Grundanschauung der göttlichen Dinge von der der Alerandriner und namentlich des Origenes ist. Wenn Origenes nicht geistig genug von Gott und seinen Eigenschaften reden kann, so daß ihm jeder menschlich beschränkte Ausdruck der stillschweigenden Verbesserung bedarf, so nimmt Tertullian keinen Anstand, Gott sogar einen Körper zuzuschreiben. Das meint er freilich nicht so gröblich, als es lautet. Jhm heißt, wie den stoischen Philosophen, Körper alles, lvas den Dingen ihr Wesen giebt; ohne Körper ist das Leben halt

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