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um in seiner eigenen Sprache zu reden, des Lichtes in die Finsterniß, während er freilich von sich das Gegentheil behauptete. Nichtsdestoweniger hat sich das manichäische Gift weit mehr, als man glauben sollte, in die Kirche einzuschleichen gewußt und spukt im Grunde noch in manchen Vorstellungen der Gegenwart, die man für christlich hält und die es doch nicht sind. Manichäisch ist jede, die Allgewalt Gottes beschränkende Annahme von einer absoluten Macht des Vösen, von einer selbstständigen Gewalt des Teufels, von einer über dem Menschen waltenden, dunkeln Notwendigkeit-, manichäisch ist die trübe Lebensansicht, welche die sinnliche Welt, die Gott geschaffen, als den Sitz des Bösen oder gar als ein Werk des Teufels betrachtet, mit dem ein Christenmensch sich nicht befassen dürfe, ohne sich zu verunreinigen; manichäisch aber auch die pantheistische Verwirrung des sittlichen und des natürlichen Gebietes, des Gebietes der Freiheit und der äußern Nothwendigkeit; manichäisch die heuchlerische Symbolik, die hinter christlich klingenden Ausdruck ihren unchristlichen Sinn verbirgt, und mit der kirchlichem Orthodorie Versteck spielt: manichäisch endlich alles Pfasfenthum, alle Scheidung von Geweihten und Ungeweihten, alle Geheimnißkrämerei, die in vornehmem Wissensstolze auf die Menge der Gläubigen, als auf die Unwissenden herabsieht und sie am Gängelbanoe ihrer geistlichen Herrschsucht führt. Gegen diese manichäischen Verirrungen alten und neuen Styles soll uns ewig gelten die einfache gesunde Lehre der Schrift, wonach alle gute und alle vollkommene Gabe von Gott kommt, dem Vater der Lichter, wonach wir alle seine Gaben mit Danksagung genießen sollen, die Lehre, daß alle Kreatur an sich gut und nur der Mißbrauch Sünde ist; daß auch der Fürst dieser Welt gerichtet ist und daß er keine Macht hat über die, die sich dem Herrn zum Eigenthum ergeben haben. Auch das Christenthum kennt ein Reiel, des Lichts und ein Reich der Finsterniß; aber bei ihm heißt es: Jhr waret weiland Finsterniß, nun aber seid ihr ein Licht in dem Herrn; wandelt wie die Kinder des Lichts (Eph. 5, 8. 9). Auch das Christenthum kennt und empfiehlt eine Kreuzigung des Fleisches, aber es kennt auch eine Heiligung des Fleisches dadurch, daß das Wort Fleisch geworden ist, und eben darum lehrt es auch eine Auferstehung des Fleisches. Es kennt nicht nur Weltverachtung und Weltentsagung, es kennt

auch eine Weltbeherrschung, Weltveredlung und Weltverklärung! Mit einem Worte, der Gegensatz von Gott und Welt, von Licht und Finsterniß, von Geist und Fleisch, von Gut und Vöse ist allerdings auch im Christenthum vorhanden und nirgends mehr als hier; aber nicht ist er vorhanden als ein starrer und unversöhnlicher Gegensatz; sondern darin besteht seine Lösung, daß durch den, der in die Welt gekommen und sich wahrhaft mit Fleisch und Blut verbunden, auch die Welt überwunden und Gott mit der Welt versöhnt ist, daß er den Zwiespalt gehoben und es uns möglich gemacht hat, aus der Finsterniß zum Lichte, aus dem Reich des Zwanges und der Knechtschaft, in das der Freiheit zu gelangen. Daraus folgt anch endlich, daß alle geistlichen Vorrechte der Einen vor den Andern geschwunden, daß Alle christlichen Priester, Alle berufen sind, zur Erkenntniß des Heils zu gelangen und Alle, wenn auch nicht auf dieselbe Weise und mit denselben Gaben, doch in demselben Geiste und mit dem gleichen Rechte verkündigen sollen die Tugenden deß, der uns berufen hat von der Finsterniß zu seinem wunderbaren Lichte. (1 Pctr. 2, 9.)

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Siebenzehnte Vorlesung.

Verfolgung der Christen unter Marimian. — Die thebaische Legion. — Legenden aus der schweizerischen Kirchengeschichte: die H.Verena, St. Ursus, Felir und Regula. — Die Diokletianische Verfolgung. — Weitere Schicksale der Christen unter Galerlus und Marimian. — Märtyrer. — Die h. Agnes , die h. Afra u. A. — Das Toleranzedict des Galerius. — Rückblick auf die Verfolgungen und allgemeine Betrachtungen darüber.

Wir haben gesehen, wie Diocletian zunächst ein Gdict wider die manichäische Secte erlassen hatte, und zwar that er dieß ausdrücklich, um der von ihr behaupteten Lehre willen, die er für eben so unverträglich mit den religiösen Begriffen der römischen Staatsreligion hielt, als wir sie für unverträglich mit dem Christenthum halten. Er blieb aber nicht bei der Verfolgung der Manichäer stehen, sondern wandte seinen Eifer gegen das Christentum selbst. Unsere heutige Stunde führt uns nun auf diese letzten, aber auch heftigsten Verfolgungen, welche die Christen unter der Regierung dieses Kaisers und seines Mitregenten zu erdulden hatten. Auf die Zeit der Ruhe, welche die Kirche vierzig Jahre lang genossen, sollte noch einmal eine Feuertaufe über sie ergehen, die ihr zur Läuterung wurde. Ehe wir jedoch von der Diocletianischen Verfolgung selbst reden, haben wir einer Verfolgung zu gedenken, die sein wilder und roher Mitregent, Marimianus Herculius, veranstaltet haben soll. Die Nachrichten über diese Marimianische Verfolgung in Gallien und Rom sind indessen höchst unzuverlässig. Die gleichzeitigen Schriftsteller melden davon nichts; erst im sechsten Jahrhundert geschieht ihrer Erwähnung und noch mehr weiß die spätere Legende von den einzelnen Umständen derselben zu erzählen. Jch theile die Erzählung mit, weil sie auch selbst in ihren fabelhaften Ausschmückungen, ähnlich der früher erwähnten Legende von den 11000 Jungfrauen, in unsere vaterländische Kirchengeschichte oder vielmehr in deren Legende eingreift, und schon als solche unsere Aufmerksamkeit verdient. Es ist die Erzählung von der sogenannten thebaischen Legion. Marimian, so lautet die Erzählung, wurde um's Jahr 287 aus Jtalien herbeigerufen, einen Aufstand in Gallien zu dämpfen, oder nach einer andern Version war seine Absicht, die dortigen Christen zu verfolgen. Er ließ aus Aegypten eine Legion Soldaten kommen, die (schon das lautet unwahrscheinlich genug) aus lauter Christen bestand. Sie hieß die thebaische Legion. Jn den agaunischen Engpässen, unweit Octodunum, dem heutigen Martinach im Walliserland, stieß die Legion mit dem Hauptheere zusammen. Hier sollte sich die ganze Armee durch heidnische Opfer auf den bevorstehenden Kampf vorbereiten. Allein die thebaische Legion weigerte sich, diese Ceremonie zu leisten. Sie erklärte überhaupt, keinen Schritt weiter gehen zu wollen; und namentlich war es ihr Anführer, Mauritius, der auf diesem Widerstand beharrte. Marimian ließ darauf je den zehnten Mann ausheben und hinrichten. Als aber auch die Uebriggebliebenen den Gehorsam verweigerten, ließ er sie Alle niedermachen, unter ihnen auch den Mauritius, dessen Tod dann später von den Christen dieser Gegend als Märtyrtod gefeiert wurde. Jhm zu Ehren ward eine Kirche und Kapelle errichtet — das heutige Saint Maurice. Außer dem S. Mauritius werden uns auch die Feldherren Eruperantius und Candidus genannt. — An diese Stammlegende von der thebaischen Legion knüpfen sich dann noch mehrere Sagen über die ersten Heiligen des Schweizerlandes. So entkamen Victor und Ursus nach Solothurn, wurden aber von dem dortigen Befehlshaber Hirtacus zum Feuertode verurtheilt. Ein Wunder vereitelte jedoch die Ausführung des Urtheils und bewog einen großen Theil der heidnischen Einwohnerschaft, das Christenthum anzunehmen. — Eine Verwandte des h. Mauritius, die h. Verena, kam mit oder bald nach Ursus ebenfalls nach Solothurn, ward aber von Hirtacus, den sie von einer schweren Krankheit heilte, freigelassen, worauf sie nach Zurzach sich begab und dort für die Ausbreitung des Christenthums wirkte. Auch die beiden Geschwister Felir und Regula gehörten zu den Flüchtlingen der thebaischen Legion. Sie entkamen dem Blutbade im Walliserlande durch die Flucht über die ssurka und gelangten über Uri und Glarus nach Zürich, allwo sie das Evangelium verkündigten. Der römische Befehlshaber Decius ließ sie hinrichten, in der Gegend, wo die Wasserkirche steht. Da ereignete sich das bekannte Wunder, das auf dem Jnsiegel der Stadt Zürich verewigt ist. Die Heiligen trugen ihre abgeschlagenen Häupter unter dem Arme den Berg hinan bis an die Stätte, da ihre Gebeine ruhen sollten und da zu ihrem Andenken das große Münster sich erhebt. Auch in den Rheingegenden und nach Jtalien kamen versprengte Haufen dieser Legion. — Wie sich die scimmtlichen Sagen ausgebildet, welche historische Thatsache ihnen möglicherweise zu Grunde gelegen, wollen wir Andern zu untersuchen überlassen. Möglicherweise hat die Hinrichtung eines Militärtribuns Mauritius und einer Schaar von siebzig christlichen Soldaten, die nach ältern Zeugnissen zu Apamea in Syrien auf Befehl des Marimian stattgefunden haben soll, Veranlassung zu der Sage gegeben, indem der Name und Stand des Märtyrers beibehalten, der Schauplatz aber nach dem Wallis verlegt und die ganze Begebenheit willkürlich umgestaltet wurde. Wir wenden uns wieder der beglaubigten Geschichte zu. Auch nach dieser war es nicht sowohl Diocletian selbst, als seine Rathgeber, der Cäsar Marimianus Galerius>) und der Statthalter Hierokles, welcher letzterer selbst eine Schrift wirer die Christen schrieb, die ihn beredeten, die prachtvolle Kirche in Nikodemien zerstören zu lassen, und auch die weitere Zerstörung der christlichen Kirchen und die Vernichtung ihrer heil. Schriften anzuordnen. Es erschienen (303) drei Edicte, eines schärfer als das andere, wider die Christen; endlich ein viertes im Jahr 3ltt, nach welchem, ohne Ausnahme, alle Christen dem Tode verfielen, die sich weigern würden, den Göttern zu opfern. Und nun erhob sich denn auch im ganzen römischen Reiche (Gallien ausgenommen, wo Constantius Chlorus schon jetzt den Christen günstig war) eine

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