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Verwandlungsleh«, noch die lutherische Formel von einem Genusse des Leibes Christi in, mit und unter dem Brote hätte ihrem einfachea Sinne eingeleuchtet; aber eben so wenig würden sie (etwa mit Ausnahme des Origenes) denen beigestimmt haben, die bloße Zeichen im Abendmahl sehen. Sie würden sich eben einfach auf den Begriff des Mysteriums zurückgezogen haben, wie ihnen denn wirklich das Abendmahl ein mystisches, ein geheimnißvolles Mahl hieß, bei welchem Gedanken sie sich begnügten. Man hat auch gefragt, wie weit die ersten Christen das Abendmahl als eine Opferhandlung angesehen hätten? Nun kommt allerdings der Ausdruck Opfer (^»o^np«, odlaliu) für die Abendmahlsfeier vor; allein man dachte dabei keineswegs an eine wiederholte Selbstaufopferung Christi, wie dieß die Ansicht vom römischen Meßopfer ist; sondern indem die ersten Christen bei der Feier des Abendmahls auch der Armen gedachten, und da ihre Liebesgaben niederlegten, so nannte man diese Liebesgaben Opfer, wie wir jetzt noch unsere kirchlichen Almosen das Opfer nennen und den Ort, da es aufbewahrt wird, den Opferstock. — Auch wurden die Gebete, die man während des Abendmahls darbrachte, Opfer genannt, und die Feier des Abendmahls ^selbst hieß vorzugsweise eine Feier der Danksagung (Eucharistie). Sonach dachte man wohl an ein Dankopfer von Seiten der Gläubigen, nicht aber an ein Sühnopfer von Seiten Christi bei dieser Feier, oder wo man an die Aufopferung Christi dachte (wie das der Einsetzung des Abendmahls ganz gemäß war), da sah man in der Feier nicht eine eigentliche Wiederholung des Opfers, sondern nur eine sinnbildliche Darstellung davon zur Erinnerung. So faßte es zuerst Cyprian.

Was endlich noch die Hoffnung der Christen betrifft über dieses zeitliche Leben und über den Tod hinaus, so sehen wir schon aus dem neuen Testament, daß die ersten Christen die baldige Wiederkunft Christi auf Erden erwarteten. Ja, sie lebten in täglicher Erwartung dieser Wiederkunft, und auch darum hielten sie ihre Versammlungen am liebsten des Nachts, weil sie als die Wachenden wollten erfunden werden, wenn der Herr kommt. Mit dieser Erwartung war auch der Glaube an ein tausendjähriges Reich, das der Herr auf dieser Erde aufrichten werde nach der ersten Auferstehung, der Auferstehung der Gerechten, aufs engste verbunden, so daß wir nicht zu viel sagen, wenn wir behaupten, der sogenannte Chiliasmus, der später allerdings von der Kirche zurückgedrängt wurde, habe ziemlich allgemein zum Glauben der ersten Christen gehört, und er fand auch seine Stütze in der Offenbarung Johannis, die freilich nicht von allen Christen der ersten Jahrhunderte gleichmäßig anerkannt wurde.

Ein Gegenstand der christlichen Hoffnung, mit dem sich die ersten Christen vielfach beschäftigten, war die Auferstehung der Todten, die Auferstehung des Leibes bei der Wiederkunft Christi zum Gericht. Es wurden verschiedene Abhandlungen über diesen Gegenstand geschrieben, worin man besonders die Einwürfe zu widerlegen suchte, welche der bloße Menschenverstand von jeher dagegen aufgebracht h»t. Jn den äußern Vorgängen der Natur, in dem Wechsel von Tag und Nacht, von Sommer und Winter, ja sogar in der Fabel vom Phönir, der verjüngt aus seiner Asche ersteht, sah der christliche Glaube ein Symbol der Auferstehung. Jn Beziehung aber auf das Wie hielten sich freilich die Einen mehr an das Leibliche, im strengsten fleischlichen Sinne des Wortes, während Andere, z. B. Origenes, auch diese Lehre geistiger zu fassen sich bemühten, wobei sie unstreitig am Apostel Paulus den gewichtigsten Vorgänger hatten. Daß endlich Origenes auch noch eine Wiederbringung aller Dinge, eine Bekehrung selbst des Teufels und ein endliches Aufhören der Höllenstrafen in Aussicht stellte, ohne es gerade mit dürren Worten zu lehren, haben wir seiner Zeit bemerkt: doch blieb dieß Privatmeinung und wurde niemals Kirchenlehre.

Dieß die kurze Uebersicht des christlichen Glaubens und der christlichen Lehre in der ersten Zeit. Wir sehen, es war durchaus noch kein fertiges, abgeschlossenes Lehrsystem. Jn manchen Dingen mögen uns sogar die Glaubensvorstellungen der ersten Christen ungenügend erscheinen, wenn wir sie an dem Lehrgehalt unserer evangelischen Kirche messen. Allein es liegt gerade wieder etwas Wohlthätiges und Beruhigendes in dem Gedanken, daß, so nothwendig auch Lehrbestimmungen und Glaubensnormen sein mögen für eine Kirche, die nicht haltlos in sich zerfallen will, sie eben doch nicht das einzige Heil der Kirche ausmachen; daß auch bei großer Unbestimmtheit des Glaubensbewußtseins und bei sehr verschiedenen Glaubensansichten und Glaubensbestimmungen doch ein lebendiger, ein thatkräftiger, ein bis zum Tode getreuer Glaube stattsinden kann. Davon ist uns die erste Kirche ein glänzender Beweis, die weniger Glaubensstatute, aber desto mehr Glaubenszeugen und Glaubens fruchte hat. Vei aller Verschiedenheit der Geistesrichtung und der Ansichten bildete der Glaube an Christum selbst als den Sohn Gottes, als den Heiland der Welt und den Herrn des Himmelreichs den Kern und Stern des Glaubens. Auf ihn waren die Herzen gerichtet: von ihm erwarteten die Verfolgten alle Kraft und Hülfe, von ihm die Vollendung der Kirche, von ihm den Sieg. Jhm schlugen ihre Herzen entgegen in brennendem Verlangen, ihm opferten sie Alles, weil sie in ihm alles zu gewinnen die unerschütterliche Hoffnung hatten.

Neunzehnte Vorlesung.

Die Kircheuvcrfassung der ersten drei Jahrhunderte. — Die Kirchenämter.

— Verhältniß von Klerus und Laien. — Bußdisciplin. — Synoden. — Der christliche Gottesdienst. — Die Sonntagsftier und die christlichen Feste.

— Die ersten christlichen Kirchengebäude. — Kunstsymbcle der ersten Christen. — Tanfe «nd Abendmahl. — Die übrigen gottesdienstlichen Handlungen. — Gebetszeiten. — Die christliche Titte im Allgemeinen.

Nach dem Ueberblick, den wir in der letzten Stunde über den Glauben und die Lehre der ersten Christen gewonnen haben, werden wir jetzt noch von der Verfassung und Organisation der Kirche als Gemeinschaft, sowie auch von den Formen des Gottesdienstes und endlich von dem christlichen Leben und der christlichen Sitte überhaupt oder von dem praktischen Einfluß zu reden haben, den das Christenthum auf die verschiedenen Lebensverhältnisse im Staat und im Hause geübt hat.

Die Verfassung der Kirche anlangend, muß auch hier wieder daran erinnert werden, daß Christus selbst keine besondern Bestimmungen darüber hinterlafsen hatte. Wenn wir aber nach Analogie menschlicher und bürgerlicher Verfassungen fragen wollten, ob die Verfassung der Kirche ursprünglich eine monarchische, ob sie eine aristokratische oder eine demokratische gewesen, so würde es sich bald zeigen, daß diese von einem andern Lebensgebiet entlehnten Formen zur Bezeichnung der kirchlichen Verhältnisse kaum ausreichen und jedenfalls nur schief auf sie angewendet werden können. Je nachdem man die Sache faßt, kann die erste Verfassungsform der Kirche eine monarchische, eine aristokratische und .—__ 317'

auch eine demokratische genannt werden. Monarchisch war die Verfassung der Kirche unstreitig, in so fern Christus selbst und er allein als der Herr und König der Kirche gedacht wurde, und es ist daher, wie wir schon von Ansang gezeigt haben, eine ganz falsche Vorstellung, wenn man sich die Kirche denkt als einen freiwillig zusammengetretenen Verein von Gleichgesinnten, die denn auch sosort alle gleiche Gesellschaftsrechte in republikanischem Sinne gehabt hätten. Keineswegs verhielt es sich so. Christus war der Stifter und der Herr der Kirche, und sein Wille, nicht das Belieben der einzelnen Glieder, galt als oberstes Gesetz. Nach seinem Scheiden von dieser Erde traten, wie auch schon früher gezeigt wurde, die Apostel als die natürlichen Leiter der Gemeinde auf, und niemand fiel es ein, gegen diese apostolische Aristokratie Einsprache zu thun. Es verstand sich °das von selbst, daß die, welche aus den Juden oder den Heiden eine christliche Gemeinde gesammelt, auch das Recht hatten, diese Gemeinde zu ordnen und ihr Vorsteher zu setzen. Man betrachtete die Apostel als die Bevollmächtigten des Herrn und als solche handelten sie auch, indem sie unter keiner andern Verantwortlichkeit sich wußten, als unter der ihres unsichtbaren Herrn und Hauptes. So wurden denn auch die ersten Bischöfe und Hirten unmittelbar durch die Apostel und ihre Gehülfen eingesetzt, und daß das Amt der Bischöfe von dem Amte der Aeltesten anfänglich nicht verschieden war, sondern daß die Ausdrücke vollkommen gleich galten, haben wir schon früher erwähnt.

Gehen wir nun näher ein auf die Gliederung des die Kirche leitenden und verwaltenden Körpers, so werden uns an zwei Stellen des neuen Testamentes (Eph. 4, 12. und 1 Cor. 12, 28) Aemter genannt, die der Herr eingesetzt habe. Es kann aber die Meinung nicht sein, daß diese Aemter zu allen Zeiten und mit denselben Benennungen und Verpflichtungen fortdauern mußten, wie das in neuerer Zeit hat wollen behauptet werden; denn schon an jenen beiden Stellen selbst wechseln die Benennungen; an dem einen Orte heißt es: Er hat etliche gesetzt zu Aposteln, etliche zu Propheten, etliche zu Evangelisten, etliche zu Hirten und Lehrern, während 1 Cor. 12, 28 die Evangelisten nicht genannt sind, dagegen die Wunderthäter, die Gabe, gesund zu machen, die Sprachengabe u. s. w. Auch wissen wir ja, wie schon frühzeitig das

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