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von dem Körper. So wohnen die Christen ln der Welt, sind aber nicht von der Welt. Die unsichtbare Seele ist in einen sichtbaren Körper eingeschlossen. So kennt man die Christen als Bewohner der Welt, aber ihre Gottesverehrung bleibt eine unsichtbare. Das Fleisch haßt und bekämpft die Seele, obgleich die Seele dem Fleisch nichts zu Leide thut, weil sie dasselbe hindert, seinen Lüsten sich hinzugeben. So haßt auch die Welt die Christen, obgleich sie derselben nichts zu leide thut, weil sie den Lüsten derselben sich entgegenstellen. Die Seele liebt das sie hassende Fleisch, und die Christen lieben diejenigen, von denen sie gehaßt werden. Die Seele ist in dem Körper eingeschlossen, und sie ist es doch, die den Körper zusammenhält. So werden die Christen in der Welt wie auf einem Posten zurückgehalten, und sie sind es doch, welche die Welt zusammenhalten. Die unsterbliche Seele wohnt in dem sterblichen Körper, und die Christen wohnen als Fremdlinge in dem Vergänglichen und erwarten das unvergängliche Leben im Himmel. Einen so wichtigen Posten hat Gott ihnen vertraut, den sie nicht verlassen dürfen."

Zwanzigste Vorlesung.

Die christliche Sitte und das christliche Leben in den besonderu Verhältnissen.

— Collisionen mit dem römischen Staatsleben. — Der Kriegsdienst. — Verhältnisse zu Kunst und Wissenschaft. — Die christliche Frau im heidnischen Hause. — Kindererziehung. — Sclaven. — Allgemeine Bruderliebe.

— Weltentsagung. — Asketen. — Die Anachoreten Paulus und Antonius. — Wundergaben und Wundererzählnngen. — Schlußbemerkungen.

Es bleibt uns noch Einiges zu sagen über das sittliche Verhalten der Christen in den einzelnen Lebensgebieten und über die Conflicte, in die sie dabei nicht selten hineingeriethen. Je mehr man sich in die Anschaunngs- und Lebensweise des heidnischen Alterthums versetzt, da sowohl das Staats- als Familienleben auf die Grundlage der polytheistischen Religion gebaut war, desto mehr wird man begreifen, wie der Christ und die Christin im heidnischen Staate beinahe keinen Schritt thun konnten, ohne auf Schwierigkeiten zu stoßen, die ihnen entweder zu einem Fallstrick der Versuchung oder den Gegnern zu einem Anlaß wurden, sie als Feinde der Götter und des Staats zu verfolgen. Wir haben schon früher erwähnt, wie die Weigerung, an öffentlichen Festen, an Triumphzügen u. dgl. Theil zu nehmen, den Christen manche Verlegenheit bereitete. Ebenso war es mit dem Kriegsdienste. Die Ansichten der Christen waren darüber selbst getheilt. Die Einen machten unbedenklich den Kriegsdienst mit und unterzogen sich der einmal eingeführten Ordnung; Andere weigerten sich dessen standhaft. Die Crstern beriefen sich, um das Rechtmäßige des Kriegsdienstes zu

erweisen, auf die Beispiele des alten Testaments, auf die Soldaten, die zu Johannes dem Täufer kamen und der ihnen nicht wehrte, Soldaten zu fein, sondern sie anwies, als solche Gott zu dienen; auf den Hauptmann Cornelius, der auch nach seiner Bekehrung in seinem Stande geblieben sei. Dagegen meinten die Strengern, diese Beispiele paßten nicht, weil die Betreffenden nicht erst als Christen den Kriegsdienst erwählt hätten. — Manche Christen hielten überhaupt jede Tödtung des Nebenmenschen, unter welchen Umständen es auch sei, für unerlaubt, daher sie sich auch gegen die Todesstrafe erklärten. Nicht nur den Beruf des Kriegers, auch den eines Künstlers hielten Manche für unverträglich mit dem Christenberufe, weil eben die antike Kunst auss Engste mit der antiken Religion verwoben war. Der Sinn für Schönheit der Form, der in der griechischen Welt so herrlich entwickelt war, mußte bei den Christen auf Augenblicke zurücktreten und sich bloß in den Sinn für das Schickliche und Anständige zurückziehen. Was auch nur von ferne an Vergötterung der Kreatur streifte (und wie leicht artet die Kunst dahin aus!), das wurde von den Christen als Abgötterei gemieden. Von der Abneigung Tertullian's gegen das Schauspiel haben wir schon früher gesprochen. Daß die wilden Thierkämpfe in den Amphitheatern, bei denen noch obendrein die Christen als Opfer dienen mußten, jedem Christen ein Greuel waren, wird uns nicht wundern. Aber auch das edlere Schauspiel, die ernste, würdige Tragödie, an der jetzt unser christliches Gefühl nicht nur keinen Anstoß nimmt, an der wir uns geistig und sittlich erheben, konnte von den ersten Christen nicht wohl ertragen werden; es waren ja doch immer Gegenstände der alten Mythologie, welche den Stoff dieser Tragödien bildeten. Uns ist dieser Stoff so fremdartig, so rein gegenständlich geworden, daß er uns nur noch in historischem und künstlerischem Jnteresse berührt. So war es aber bei den ersten Christen nicht; der Besuch des Theaters galt für Theilnahme am Götzendienst, an den Werken des Satans und der Finsterniß. Tertullian >), der eine eigene Schrift über das Verderbliche der

>) se sneelÄeuli» c. 26. Unter anderm nennt Tert. das Theater seiner Zeit «»ersrium V eneri», eonziziorium imrmsieitin«. Und welchen Namen vertanen so viele der heutigen Bühnen?

Schauspiele geschrieben, führt das Verspiel einer Frau an, die von einem bösen Dämon besessen war, und betrachtet dieß als eine Strafe, daß sie das Schauspiel besuchte; denn auf die Frage an den Dämon, wie er es gewagt habe, eine Christin anzutasten, habe dieser geantwortet: „ich habe sie in meinem Hause gefunden."

Selbst der Besuch der Odeen, die wir unsern Concerten vergleichen könnten, wurden gemieden, weil auch die Gesänge heidnischen Jnhaltes waren. Es war ein unerbittliches Gesetz der Geschichte, daß auch das Schöne untergehen mußte auf eine Zeitlang mit dem religiösen Jrrwahne, dem es gedient und dem die Zeit nur zu lange gehuldigt. Jch sage auf eine Zeitlang, nicht auf immer. An die Stelle der heidnischen sollte eine christliche Kunst treten, und diese christliche Kunst sollte sich aus ihrem eigenen Prinzip heraus bilden. Dazu waren aber die Zeiten der Verfolgung nicht geeignet; das blieb einer spätern Zeit aufbehalten; und bis dahin mußte allerdings das Christenthum sich gefallen lassen, als kunstscheu und kunstflüchtig zu erscheinen. Ganz sehnliches zeigte sich nach der Reformation, wo auch wieder der Protestantismus sich von der Kunst abwandte, weil sie einer Religion diente, die er nicht theilte. Wo überhaupt ein Jnteresse einmal als das höchste in einer Zeit vorherrscht, da müssen die andern zeitweilig zurücktreten. So war es in den ersten christlichen Jahrhunderten nicht nur mit der Kunst, sondern theilweise auch mit der Wissenschaft. Auch diese mußte, in der Gestalt, die ihr das Heidenthum gegeben, mit der christlichen Denkweise in Conflict kommen. Wir haben schon gesehen, wie ein Tertullian über die Philosophie urtheilte; aber auch rein gelehrte Beschäftigungen, wie die mit der Astronomie, die freilich noch in Banden der heidnischen Astrologie lag, wurden anfänglich von den Christen vermieden, denn nicht in den Sternen sollte der Christ sein Geschick lesen und nicht von den Göttern, nach deren Namen die Planeten benannt sind, sein Heil erwarten. Wir mögen diese Namen noch heutzutage unbedenklich gebrauchen, aber versetzen wir uns in die Zeit, in der diese Namen: Pallas, Venus, Mars, mehr waren als gleichgültige Namen, in der sie wirklich als Regenten des Himmels verehrt wurden, so können wir begreifen, wie der christliche Sinn von einer Wissenschaft sich abwandte, die ihm in dieser Gestalt als eine dämonische erscheinen mußte. Und wie lange hat sich dieser dämonische Charakter der Astrologie erhalten, bis in das Mittelalter, ja bis in die neueste Zeit hinein! — So weit über die Confiicte im öffentlichen Leben, im Staat, in der Kunst, in der Wissenschaft.

Zu wie vielen ärgeren Verwickelungen kam es aber vollends im häuslichen Leben, namentlich aber in der Ehe, wenn etwa der eine Theil heidnisch, der andere christlich war. Schon Paulus hatte diesen Fall vorgesehen uud im ersten Bries an die Corinther die Weisung gegeben, daß wenn eine Christin einen heidnischen Mann habe, sie sich nicht scheiden soll; denn der Mann ist geheiligt durch die Frau — und weißt du nicht, reret er die Frau an, ob du nicht den Mann werdest selig machen? (1 Cor. 7, I0. ff.) Und so hatte ja auch Petrus in seinem ersten Briefe die Weiber ermahnt, ihren Männern unterthan zu sein, auf daß auch die, welche an das Wort nicht glauben, durch den Wandel der Weiber gewonnen werden ohne Wort. <1 Petr. 3, l.) Ein Anderes war es aber, eine mit einem Heiden eingegangene Ehe fortsetzen, ein Anderes eine neue Ehe mit einem Heiden orer einer Heidin schließen. Auch das geschah, obgleich es die Kirche ungern sah und sogar Verbote dagegen erließ, wie das spanische Concil von Elvira im Jahr 305. Und in der That war der Stand der Christin im heidnischen Hause 2) ein sehr schwieriger. Schon als Braut, wie sollte sie sich den römischen Hochzeitsgebräuchen unterziehen, die durch und durch mit der Religion verwachsen waren? Als Hausfrau konnte sie, so zu sagen, keinen Schritt thun, ohne auf Gegenstände ihres religiösen Abscheues zu stoßen? Trat sie an den Heerd des Hauses, so fand sie die Bildnisse der Hausgötter aufgestellt. Verehren konnte sie dieselben nicht, und doch durfte sie auch wieder ihre Mißachtung vor denselben nicht zu grell an den Tag legen, wenn sie arge Auftritte vermeiden wollte. Wie konnte sie über Tische Theil nehmen an den Libationen, die den Göttern gebracht wurden? Welche schiefe Stellung nahm sie zu den heidnischen Sclavinnen ein, die ihre Schritte und Tritte beobachteten und ihr

2) Vgl. hierüber 7'ertuII. »ä uxorem und die höchst anziehende Schrift von Münter: die Christin im Heilnischen Hause Vor den Zeiten Konstantins des Großen. Covenhagen l828.

Hagenbach. Vorlesungen. 22

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