صور الصفحة
PDF
النشر الإلكتروني

hat er nach seiner Auferstehung das große Wort gesprochen zu denen, die an ihn glaubten- Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Und so hat ihn denn auch der christliche Glaube immer gefaßt, nicht nur als den einmaligen Stifter der Kirche, sondern als den lebendigen Grund, auf den die Kirche sich fortwährend baut, als das Haupt des Leibes, als den Weinstock, aus dem die Reben Saft und Nahrung'ziehen, als den Hirten, der über seiner Heerde wacht, als den Brautigam, dem die Gemeinde als Braut entgegen geführt wird, als den Bischof der Seelen, als den Hohenpriester, der fürbittend und segnend im Heiligthum waltet, als den König und Herrn, dem alle Knie sich beugen und der ausrichten wird das Reich, das ihm der Vater gegeben hat.

Diese Grundzüge der Christologie mußten wir nothwendig auch in rein historischem Jnteresse voraus schicken, wenn unsere Geschichte der Kirche nicht in der Luft schweben sollte. Wir mußten von Anfang an die Ueberzeugung gewinnen, daß es sich bei dieser Geschichte nicht darum handelt, einen äußerlich gegebenen Anfang nur weiter fortzuspiunen, oder gar erst etwas mit dem Gedanken aus dem zu machen, was zufällig in der Geschichte gegeben war; sondern daß die innere Lebensentwicklung der Kirche nichts anders sein kann, als die Auseinanderlegung und Entfaltung des Lebens, wie es thatsächlich und persönlich in Christo erschienen ist, ein Hineinbilden desselben in die Menschheit unter der Leitung des göttlichen Geistes. Mit andern Worten - das Bild des Herrn, wie es uns aus den Evangelien entgegen leuchtet, bildet nicht nur das Titelblatt zur Kirchengeschichte, sondern das eigentliche Grundthema derselben, von dem jedes Blatt dieser Geschichte zeugt, entweder positiv oder negativ, entweder so, daß es den Stempel des Bildes in größerer oder geringerer Vollkommenheit an sich trägt, oder daß es ihn verleugnet und eben dadurch sich selbst verurtheilt.

Je nachdem wir uns von Christo und seinem Evangelium eine Vorstellung machen, je nachdem gestaltet sich unsere Vorstellung von der Kirche. Jede unhistorische und darum unwahre oder schiefe oder verkümmerte Auffassung von ihm rächt sich auch wieder an der Kirchengeschichte. Der historische Christus aber ist eben der, wie ihn die Evangelien uns geben, nicht der, den sich die Dogmatik aus der Geschichte abstrahirt hat, eben so wenig als der, den sich unsere Einbildung nach modernen Begriffen zurecht legt. Wir geben zu, und Jeder, der sich genauer mit den Evangelien beschäftigt und die Berichte derselben unter einander vergleicht, um ein getreues historisches Bild sich aus ihnen zufammen zu setzen, wird uns darin beistimmen, daß eben diese evangelischen Berichte manche Schwierigkeiten darbieten und daß manche Frage, die wir gerne an die Geschichte stellten, unbeantwortet, daß auch mancher Zweifel im Einzelnen ungelöst bleiben muß. Aber das darf uns nicht beunruhigen, uns den Blick in den Kern der historischen Wahrheit nicht trüben und verwirren. Es soll sich ja eben nicht handeln um ein in's Einzelne durchgeführtes Bild eines Lebens, das wir doch nicht in den Rahmen der gewöhnlichen Biographie einfafsen können, sondern es handelt sich um die Anschauung einer Physiognomie, die mit unverkennbaren Zügen innerer Wahrheit auch aus der unvollkommensten Zeichnung uns anschaut. Ja, es ist schon öfters bemerkt worden, wie gerade die Mangelhaftigkeit der Berichterstattung, die ein unbefangener Bibelleser bei unsern Evangelien theilweise zugeben muß, das Zutrauen in die Wahrhaftigkeit ihrer Aussagen erhöht. Wohl haben wir in der alten Litteratur Geschichtschreiber, die ihre Helden kunstreiche Reden halten lafsen, von denen vielleicht nicht ein Wort gerade so gesprochen worden ist, wie sie es melden. Aber die Verfasser unserer Evangelien waren eben keine solche kunstgeübten Historiker. Jhr Mangel an Kunst, ihre theilweise Unbeholfenheit in der Darstellung verbürgt uns die Aechtheit des Diamantes, den sie uns in so schlichter Fassung darbieten, und von allen Hypothesen, die je über die Abfassung der Evangelien aufgestellt worden sind, ist keine unglücklicher als die, welche bewußte schriftstellerische Tendenzen oder gar parteisüchtige Combinationen bei ihnen voraussetzt, deren sie durchaus nicht fähig waren.

Wohl hat jeder der vier Evangelisten uns das Bild Jesu nach seiner Weise dargestellt und es wieder gegeben, wie es in ihm Gestalt gewonnen. Matthäus hat für Juden geschrieben, und so trägt seine Darstellung auch das Gepräge des jüdischen Geschichtschreibers, der die Geschichten des neuen Bundes überall anknüpft an das Alte, und überall die Erfüllung dessen sieht, was dort geschrieben steht. Für den griechischen Leserkreis schrieb Lucas, und zwar nicht als Augenzeuge, sondern wie er selbst sagt, nachdem er sich von Anbeginn über Alles wohl erkundigt. Mit der Darstellung des einen wie des andern dieser Beiden hat Marcus theitweise Aehnlichkeit: obgleich er manches in eigenthümlicher Kürze giebt, was jene ausführlicher erzählen, und nur wenige Striche von seiner Hand hinzugefügt scheinen. Ob sein Evangelium nur ein Auszug aus Matthäus und Lucas, oder ob es nicht vielmehr früher als diese verfaßt, die gemeinsame Quelle beider sei? muß sich aus den vergleichenden Studien ergeben, die mit neuem Eifer von unfern Theologen getrieben werden. Endlich hat Johannes, der Lieblingsjünger des Herrn, uns am meisten die innern Tiefen des geistigen Lebens Jesu, das Geheimniß seiner gottmenschlichen Persönlichkeit aufgeschlossen und ihn uns dargestellt als den, der von Ewigkeit war und der in Einheit mit dem Vater lebt und wirkt, als das in's Fleisch gekommene Wort, als das in die Finsterniß der Welt eingetretene Licht; als den Weg, die Wahrheit und das Leben. — Aber so verschieden nun auch die Darstellungsweise eines Jeden ist und so verschieden sich der Eindruck modificiren mag, den eine jede dieser Darstellungen auf uns macht: das steht uns fest, erfinden, erdichten ließ sich ein solches Leben nicht. Je reicher, je gewaltiger es war, eine desto größere Verschiedenheit der Auffassung mußte es zulafsen, und gewiß lag es mit in den Absichten der Vorsehung, daß wir nicht, um mich eines modernen Vergleiches zu bedienen, ein Daguerotyp erhalten sollten von dem Leben des Herrn im Fleisch, sondern großartige Umrisse seiner Lebenserscheinung, die uns manches zu ahnen, zu fragen, zu rathen und auch da noch zu bewundern übrig lafsen, wo der Griffel des Geschichtschreibers mehr angedeutet, als ausgeführt hat. Dieß schließt auch schon die Antwort in sich auf die Frage, die im Jnteresse der Geschichte schon oft ist aufgeworfen worden: Warum haben wir außer unsern vier Evangelien so wenig Berichte über ein Leben, das doch nicht nur für den engen Kreis seiner nächsten Umgebungen von Bedeutung war, sondern das, um mit einem neuern Schriftsteller zu reden, die Weltgeschichte aus ihren Angeln gehoben hat? Warum schweigt von ihm eben diese Weltgeschichte in ihren bedeutendsten Organen? Wir könnten antworten, eben weil die Weltgeschichte die Geschichte der Welt, das Reich des Herrn aber nicht von dieser Welt ist. Aber ganz geschwiegen hat die außerbiblische Geschichte doch nicht von Jesu von Nazareth. Freilich hat sie uns zunächst nur das von ihm gemeldet, was der Welt in die Augen fiel, daß er unter Pontius Pilatus gekreuzigt worden und daß er gleichwohl einen Anhang von Gläubigen gewonnen. Diese Thatsache, die Stiftung der Kirche durch den Gekreuzigten, sie wird auch von denen bezeugt, denen dieser Gekreuzigte nur als ein Jude, und diese Kirche nur als eine armselige, jüdische Secte erschien. Auf diese spärlichen und doch gewichtigen Zeugnisse der gleichzeitigen Prosangeschichte werden wir nun unsere Aufmerksamkeit eben sowohl zu richten haben, als auch wieder aus die Erzeugnisse einer üppig wuchernden Phantafie, auf die Sagen und Dichtungen, die sich cpheuartig um den dürren Stamm des Kreuzes geschlungen, aber das Leben des Herrn mehr verunstaltet, als verherrlicht haben. Der Rest der heutigen Stunde wird jedoch zu dieser Betrachtung nicht mehr ausreichen. Jch erlaube mir daher zum Schlusse Jhnen aus der Schrift eines unserer angesehensten deutschen Theologen: „was setzt die Stiftung der Kirche durch einen Gekreuzigten voraus?" einige Jdeen mitzutheilen, in denen Sie die Hauptgedanken unserer heutigen Vorlesung wieder finden und durch die Sie zu weitenn Nachdenken mögen veranlaßt werden.

„Jede Wirkung, sagt Ullmann in der angeführten Schrift, hat eine Ursache, in welcher das, was die Wirkung der That nach aufzeigt, schon der Potenz naeb vorhanden sein muß. Eine so einzige Wirkung (wie das Christenthum und die christliche Kirche) wird also nothwendig auch tiefe, außerordentliche Ursachen haben. Die große That kann nur aus einem großen Geiste, der ungemeine Erfolg nur aus einer ungememen Kraft gekommen sein. Gesetzt nun, wir hätten die Evangelien nicht, es fehlten uns auch die christlichen Berichte über das Einzelne des Lebens Jesu, wir besäßen das Christenthum nur als ein einfach-großes Factum, wie es uns im Allgemeinen in der Eristenz der Kirche und deren Ueberlieferung gegeben ist, — was würden wir voraussetzen dürfen oder voraussetzen müssen bei derjenigen Gestalt des Christenthums, die wir factiscl, vorfinden, bei der Einführung desselben unter eine Menschheit, deren eine Hälfte Wunder, die andere Weisheit verlangte, und bei der Erhaltung der Kirche durch eine Reihe von Jahrhunderten, wo ihr äußerlich und innerlich so unendlich vieles widerstrebt? Zuerst würden wir schon das Einfachste vorauszusetzen haben, daß Jesus, der Stifter der christlichen Kirche, und als solcher eine geistig und sittlich hervorragende Persönlichkeit gewesen sei. Berücksichtigen wir dann aber zugleich die inhaltsreiche Thatsache der Kirchenstiftung und erwägen wir die Bedeutung des Glaubens an Jesum als Erlöser, wie sich derselbe notorisch in der Kirche entwickelt hat, so stellt sich die Sache noch anders. Jn diesem Glauben liegt ursprünglich und wesentlich dieß, daß Jesus von Nazareth der Sohn Gottes, ein vollkommenes Bild des göttlichen Wesens, ein reiner Ausdruck des göttlichen Geistes, ein Jnbegriff der höchsten Wahrheit, Heiligkeit und Güte sei, mit einem Wort, es liegt darin die Anerkennung der göttlichen Dignität Christi und seiner Einheit mit Gott. Zu diesem Glauben mußte Jesus nicht allein durch seine eigenen Aussagen über sich Veranlassung gegeben, sondern er mußte ihn auch durch seine ganze Lebenserscheinung in denen, die sein Werk fortsetzten, unerschütterlich befestigt haben.... Der Eindruck (dieser Lebenserscheinung) in den Gemüthern der Apostel mußte zugleich außerordentlich stark und tiefdringend sein, denn sonst wäre er durch die Anschaunng des schmachvollen Leidens und Sterbens überwogen, er wäre durch den Kreuzestod wieder vernichtet worden."

„Eine andere, unentbehrliche Voraussetzung ist die, daß der Gekreuzigte, der so wirkte, eine unüberwindliche, alles besiegende, alles durchdringende Kraft der Liebe in seinem Herzen tragen mußte; denn unverkennbar kam durch das Christenthum ein ganz neues Princip der Gottes- und Bruderliebe in die Menschheit, und so stark und siegend trat dieser Geist hervor, daß man ihn als einen eigenthümlichen Grundzug betrachten und das Christenthum darnach von allen andern Glaubensweisen unterscheiden kann."

„Eine dritte nothwendige Voraussetzung ist, daß in der Lehre des Gekreuzigten ein unzerstörbarer Kern der Wahrheit liegen mußte: denn eine so schmählich erniedrigte und äußerlich überwundene Sache konnte doch nur dann sich erhalten und siegen, wenn sie durch Wahrheit einleuchtete und durch innere Güte sich empfahl.... Aber die Lehre allein, wenn sie auch noch so einfach, erhaben und

Hagtübach, Borlesnngen II. 4

« السابقةمتابعة »