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wahr, würde es nicht gethan haben; selbst in Verbindung mit dem reinsten Charakter des Stifters hätte eine solche Lehre bei der ersten Gründung des Christenthums nicht alles Widerstreitende zu überwinden vermocht Sollte vollends ein Gekreuzigter, als der erhabenste Gottesliebling, als Messias und Gottessohn anerkannt werden, so mußte das Göttliche in dem ganzen Werke seines Lebens nicht bloß in Thaten der Liebe, sondern auch in Thaten der Macht, in unleugbaren Wirkungen des göttlichen Beistandes hervorleuchten. . . . Abgesehen von aller historischen Ueberlieferung ware es schon an sich selbst nicht glaublich, daß der Kreis des Lebens und Wirkens Jesu mit dem Akte ver Kreuzigung sich werde geschlossen haben. Das war in der 3 hat kein angemessener Schluß für ein messianisches Leben, für das Leben eines Gottgesandten, am wenigsten im Sinne derer, die Jesum zunächst umgaben. . . . Die großen und tief eingreifenden Wirkungen, welche die ersten Freunde Jesu hervorbrachten und die für alle Zeit von ihnen ausgingen, setzen eine innere Festigkeit und vollkrästige Einheit des Sinnes, eine Begeisterung voraus, wodurch jeder Gedanke an vorhandene Zweifel ausgeschloffen wird. — Zu dieser intensiven Macht und Abgeschlossenheit des Glaubens konnten aber die Jünger nur gelangen, wenn für sie das messianische Leben und Wirken Jesu auch einen völlig befriedigenden, alle Dissonanzen auflösenden, ihr innerstes und bestes Lebensbewußtsein kräftig erhebenden Abschluß hatte. Einen solchen Abschluß sinden wir im Kreuzestode nicht. Wir werden also zwischen diesen und die so erfolgreiche Thätigkeil der ersten Verkündiger des Evangelium von Christo noch eine Thaisachc von einer hohen Bedeutung und Wirksamkeit zwischenein setzen müssen, wodurch der Erscheinung und dem Werke des Erlösers das unverkennbare Siegel göttlicher Bestätigung aufgedrückt, und den Seinigen ein neuer Muth, eine alles besiegende Thatkraft gegeben wurde. Eine solche Thatsache aber, wenn der Eindruck des Todes und zwar des schmachvollen Kreuzestodes dadurch ausgelöscht werden sollte, konnte nur bestehen in einer siegreichen Manifestation des Lebens und fortdauernden Wirkens einer durch den Tov nicht aufgehobenen Gemeinschaft Christi mit den Seinigen."

„Dieß Alles," fährt der geehrte Theologe fort, „enthalten im

Wesentlichen unsere Evangelien, weiter ausgeführt, freilich in
Einzelheiten, die wir uns von vorneherein nicht construiren können,
aber doch in den Grundzügen so, wie wir es zur historischen
Erklärung der Sache bedürfen."

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Vierte Vorlesung.

Außerevangelische Berichte über Jesum. (Sueton. Tacitus. Josephus.) ^ Christliche Mythenbilduug. — Die Kindheit Jesu mit, die Kindheits-Evangelien. — Die Alten des Pilatus lmd das Evangelium Nicodemi. — Der Briefwechsel mit Abgarus. — Bildnisse von Christo. — Der Brief de« Lentulus. — Die ersten Jünger und Apostel des Herrn. — Sagenhastes über den Apostelkreis und die Einzelnen der zwölf Apostel.

Nach dem, was wir in der vorigen Stunde über die Person des Stifters der Kirche vernommen und worüber wir uns ein für allemal zu verständigen gesucht haben, bleibt uns jetzt noch übrig, die dürftigen Brosamen zu sammeln, die sich über das Leben Jesu bei den Schriftstellern außerhalb des neuen Testamentes finden. Und da werden wir dann gewiesen sowohl an die heidnischen Schriftsteller, als an die jüdischen. Daß die heidnischen, näher. die römischen Geschichtschreiber uns beinahe gar nichts von dem Auftreten Christi melden, kann uns nur dann befremden, wenn wir von unserm historischen Gesichtskreise aus die Sache beurtheilen. Wie die physische Welt ganz anders angesehen wurde zu einer Zeit, da die Erde für den Mittelpunkt des Weltalls galt, als jetzt, da wir sie als einen verschwindenden Punkt im Universum zu betrachten gewohnt sind, so war es auch in der moralischen Welt. Für den Römer war das römische Reich seine Welt. .Was in einer entlegenen Provinz als religiöse Bewegung vorging, das wurde wenig beachtet. Wissen wir doch, wie selbst Pilatus mitten in dem Strome dieser Bewegung drin, Jesum als Schwärmer bemitleidete, und durch seine Frage: bin ich ein Jude? zu verstehen gab, daß ihn

lie innern Religionsstreitigkeiten dieses Volkes wenig berührten. ßrst da, wo eine religiöse Bewegung in's politische Leben überzugleisen und also den römischen Staat zu berühren drohte, erst da wurde die Aufmerksamkeit des Römers wach. Erst als die Christen oder die Christianer, wie man sie nannte, ansingen, als eine Partei im Staate bekannt zu werden, erst da wurde gelegentlich auch nach dem Stifter dieser wunderlichen Secte gefragt, und wie verworren darüber die Nachrichten lauteten, beweist uns die Notiz, die uns Sueton giebt, wo er von einem Aufruhr der Juden in Rom unter Kaiser Claudius, in dem Leben dieses Kaisers Meldung thut; ein Aufruhr, in Folge dessen der Kaiser die Juden aus Rom vertrieb. Da sagt er: der Anreger dieses Aufruhrs sei ein gewisser Chrestus gewesen'). Ob Sueton mit diesem Chrestus wirklich Christus meinte, ist noch zweifelhaft. Wenn er ihn damit gemeint hat, so zeigt es eben, wie ungenau er berichtet war, denn was hatte Christus, der damals nicht mehr auf Erden wandelte, mit jenem Aufruhr in Rom zu thun? Deutlicher und in ächt historischem Style redet der treffliche Tacitus in einer Stelle seiner römischen Jahrbücher 2) von Christo. Er erzählt den Brand in Rom unter Nero und meldet, daß der tyrannische Kaiser die Schuld dieses Brandes auf die Christen geworfen. „Der Urheber dieses Namens, fährt er dann fort, ist Christus, der unter der Negierung des Tiberius durch den Procurator Pontius Pilatus hingerichtet worden." Aber das ist auch Alles. Spätere Erwähnungen des Namens Christi bei römischen Schriftstellern, zu einer Zeit, da die Evangelien schon geschrieben und verbreitet waren, haben keine Bedeutung mehr für uns.

Wenn wir nun aber auch begreiflich sinden, daß die römischen Schriftsteller so vornehm kalt an dem jüdischen Sectenstifter vorüber gehen, so müßte es uns schon mehr auffallen, wenn der Geschichtschreiber des jüdischen Volkes selbst, der beinahe Christo gleichzeitige Flavius Josephus, uns nichts von ihm meldete. Nun aber sindet sich wirklich bei Josephus eine Notiz über Christus. Nachdem er von den Bedrückungen des Pilatus gehandelt, fährt

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er im achtzehnten Buch seiner Antiquitäten, dem dritten Kapitel also fort: „Um diese Zeit stand ein gewisser Jesus auf, ein weiser Mann, wenn man ihn anders einen Mann nennen darf; denn er war ein Wunderthäter und ein Lehrer der Menschen, die mit Vergnügen die Wahrheit aufnahmen, und viele Juden, auch viele von den Heiden (Griechen) zog er an sich. Dieser war der Messias (Christus), und auch nachdem Pilatus ihn auf die Anzeige der Vornehmsten unter uns hatte kreuzigen lafsen, ließen die nicht von ihm ab, die ihn zuvor geliebt hatten. Er erschien ihnen auch am dritten Tage wieder lebend, indem die göttlichen Propheten dieses und tausend andere Wunderdinge von ihm verkündet hatten. Vis auf diesen Tag hat das Volk der von ihm so genannten Christen nicht aufgehört." — Dieses Zeugniß des Josephus von Christo ha! indessen der historischen Kritik mancherlei Anstoß gegeben, obgleich es in allen uns bekannten Handschriften seines Werkes sich findet. Und in der That kann es auffallen, daß ein Jude wie Josephus von dem Herrn also redet, wie nur ein Christ von ihm reden konnte. Er nennt ihn einen Wunderthäter, das möchte noch angehen: aber er nimmt sogar Anstand, ihn einen Mann, einen Menschen zu nennen; er nennt ihn einen Lehrer der Wahrheit, er glaubt an die Thatsache seiner Auferstehung oder doch seines Wiedererscheinens im Leben auf irgend eine Weise, und endlick sieht er in ihm die Weissagungen der Propheten erfüllt. Könnt, ein Jude also von Christo reden? hätte er, da er der Wahrheit also die Ehre gab, nicht auch Christ werden sollen? ja hätte er als Jude dieses schreiben dürfen? Diese Zweifel haben Biele bewogen, die Stelle für eingeschoben zu halten, was in so fern möglich wäre, als der Zusammenhang der Erzählung durch sie allerdings unterbrochen erscheint'). Andere haben bloß theilweise Verfälschungen des Tertes angenommen, so daß möglicher Weise Iosephus weniger gesagt, und dann eine christliche Hand später dem Zeugniß nachgeholfen hätte. Das Ursprüngliche würde dann etwa so lauten: „Um diese Zeit stand ein gewisser Jesus auf, ein weiser

') Als Gruud dagegen läßt sich auch anführen, daß die christlichen Apologeten der ersten Jahrhunderte von dieser Stelle, die ihnen sehr gedient hätte, gar keinen Gebrauch machen. Vuseb von Cäsarea (im4. Iahrh.) erwähnt ihr zuerst, bizt. ecele». I, ll. semou»tr. evlwss. III, 5.

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