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äußern Gestalt Jesu sehen wir uns in den Evangelien vergeblich um. Aus Mißverstand der prophetischen Stelle Jes. 52: „er hatte keine Gestalt noch Schöne", haben sogar die ältern Kirchenlehrer angenommen, Jesus sei leiblich unschön gewesen. Das widerspricht unserm Gefühl. Wir denken ihn uns gerne als den Menschensohn, der auch nach dieser Seite hin den Eindruck des Vollendeten macht, wie denn auch schon die Kirchenlehrer des vierten und fünften Jahrhunderts auf ihn die Psalmstelle anwenden (Ps. 45, 3): „du bist der schönste unter den Menschenkindern." Wir Alle tragen in uns von Jugend auf einen gewissen Typus der Christusgestalt und des Antlitzes Jesu, den auch alle Künstler, vom höchsten bis zum niedersten, mehr oder weniger festgehalten haben. Woher stammt dieser Typus unserer Christusbilder? Die Kunstgeschichte giebt darauf die Antwort, daß eben das genannte Abgarusbild und nächstdem das Vild der heil. Veronica als die göttlichen Musterbilder betrachtet wurden, von denen man diesen Typus ableitete. Die Veronicafage tritt in vielfachen Wendungen auf. Die bekannteste ist diese: Als Jesus zur Kreuzigung ausgeführt wurde, und unter der Last des Kreuzes zusammen sank, eilte eine mitleidige Frau herbei, die ihm mit ihrem Schleier den Schweiß von der Stirn trocknete. Jn diesem Schleier drückte sich das Angesicht des Herrn ab. Einige leiten sogar von daher den Namen Veronica, d. h. das wahre Bild (vern «'xw'v); doch ist dieß mehr ein sinnreicher Einfall, als eine stichhaltige Erklärung i»). Jmmerhin müssen wir annehmen, daß der Typus des Bildes älter war, als die Sage von seiner Entstehung und daß er auf alter Ueberlieferung beruht. Dieser Ueberlieferung begegnen wir auch in schriftlichen Denkmalen späterer Zeit, denen man freilich das Ansehn eines höhern Alterthums zu geben bemüht war. So soll ein gewisser Lentulus, ein Freund des Pilatus, der sich zur Zeit Jesu als römischer Beamter (?rne8«8 Nieln8ohmitÄnorum) in Jerusalem befand, an den römischen Senat Folgendes berichtet haben:

„Es ist zu unserer Zeit aufgestanden und ist noch unter uns

'«) Sehr instructiv ist in dieser Hinsicht eine Schrift von Wilhelm Grimm: die Sage vom Ursprung der ßhristusbilder. Berlin !843. 4. mit einer Abbildung.

ein Mann von großer Tugend, genannt Christus Jesus, der von den Heiden ein Prophet der Wahrheit genannt wird und den die Seinigen den Sohn Gottes nennen, indem er Todte erweckt und Kranke heilt. Dieser Mann ist von schlanker Gestalt, ansehnlich, von ehrfurchtgebietender Miene, so daß, wer ihn ansieht, ihn eben sowohl lieben als furchten muß) ein glänzendes Lockenhaar wallt über seine Schultern, auf dem Haupte gescheitelt, nach der Weise der Nazarener. Er hat eine offene, heitere Stirn, ein Angesicht ohne Runzel und Flecken, das ein Anflug von Röthe verschönert. Nase und Mund sind im schönsten Verhältniß, der Bart von reichem Wuchst, röthlich wie das Haupthaar, nicht lang, aber getheilt; die Augen von unbestimmter Farbe und klar. Jn seinem Schelten ist er fürchterlich, in seiner Ermahnung sanft und liebenswürdig, heiter, aber stets den Ernst bewahrend. Niemals hat man ihn lachen, öfters weinen gesehen. Er ist groß von Gestalt und von schönem Ebenmaaß der Glieder. Seine Rede ist ernst, sparsam und gemessen. Schön ist er unter den Menschensöhnen."

Dieser Bericht des Lentulus stammt erweislich erst aus dem 12. Jahrhundert, aber die Züge zu dem Bilde sinden sich schon in frühern Schriftstellern zerstreut, und immerhin mag ihnen eine ächte geschichtliche Tradition zum Grunde liegen.

So weit über die theils geschichtlichen, theils zweifelhaften, theils endlich offenbar erdichteten Nachrichten über die Person Jesu. Wir kommen einfach darauf zurück, daß wir eben angewiesen sind, uns an das zu halten, was uns in unsern kanonischen Evangelien gegeben ist. Und dieses reicht, wie die vorige Stunde uns gezeigt hat, vollkommen hin, um die Gründung der Kirche zu begreifen. Das Uebrige mag nur dazu dienen, uns zu zeigen, wie übel wir berathen wären, wenn eben diese evangelischen Nachrichten uns fehlten. Wenden wir uns nun von der Geschichte Jesu zu der seiner Jünger und Apostel.

Jesus hatte sich bekanntlich einen weitern und einen engern Kreis von Anhängern gebildet. Jünger (Schüler) im weitesten Sinn heißen Alle die, die seiner Lehre Gehör gaben, die an seinen Namen glaubten und die auch nach dem Hinschiede Jesu von der Erde den ersten Kern bildeten der christlichen Gemeinde. So redet schon Paulus (1 Cor. 15, 6) von mehr als 500 Brüdern, denen der Herr nach seiner Auferstehung erschienen sei. Jn einem engern Sinne werden die Siebenz ig Jünger des Herrn genannt, und in einem noch engern die Zwölf, die den Namen der Apostel führen. Diese Zwölf sind bekanntlich nach der Angabe des noien Testamentes (Matth. I0, 1 ff. Mare. 3, 16 ff. Apostelg. 1, 13): Simon, mit dem Zunamen Kephas (Petrus), und sein Bruder Andreas, Söhne des Jona; ferner! Jacobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus; sodann: Philippus, Thomas, Bartholomäus, Matthäus, Jacobus der Jüngere, Alphäi Sohn, Thaddäus (Lebbäus, auch Judas, der Bruder des Jacobus), Simon, der Cananit, und der unglückliche Judas Jschariot, an dessen Stelle bald nach der Himmelfahrt Christi, Matthias gewählt wurde.— Ueber die Persönlichkeit dieser Apostel giebt uns das neue Testament mehr oder weniger Aufschluß, jedenfalls nicht so viel, als wir zu haben wünschten. Einiges von ihnen erzählen uns die Evangelien, Anderes finden wir in der von Lucas verfaßten Fortsetzung seines Evangeliums, der man den Namen der Apostelgeschichte gegeben hat, die aber nichts weniger als eine vollständige Geschichte sämmtlicher Apostel enthält. Nur von Einigen erzählt sie uns ein Mehreres, Andere übergeht sie mit Stillschweigen. Nun kann einem aufmerksamen Leser der Evangelien nicht entgehen, daß unter den Zwölfen selbst wieder drei besonders ausgezeichnet erscheinen, nämlich Petrus, Johannes und Jacobus, und zwar der letztere mehr nur um seines Bruders willen, und so erfahren wir auch von diesen das Meiste, während die Andern mehr in den Hintergrund treten oder nur durch einzelne Vorgänge uns bekannt sind, wie Andreas, Philippus, Thomas. — Von Bartholomäus wissen wir weiter nichts, wenn er nicht, wie Biele annehmen, eins ist mit Nathanael; eben so wenig wird uns von Simon, dem Kananiten berichtet.

Es hat daher auch hier die Sage tbeils die Berichte der Evangelien und der Apostelgeschichte ergänzt, tbeils, wo diese schweigen, sie zu ersetzen gesucht. Diese Ergänzungen dürfen wir nicht ohne Weiteres von der Hand weisen: es kommt darauf an, die wahre oder doch der Wahrscheinlichkeit nicht entbehrende Sage zu unterscheiden von reinen, grundlosen Dichtungen. So haben sich z. B. über die letzten Schicksale des Petrus, die uns das neue Testament nicht erzählt, alte Sagen erhalten, die wenigstens der Mühe werth sind, beachtet und geprüft zu werden; eben so über Johannes; während dann die spätere Zeit nicht ermangelt hat, die Gestalten sowohl dieser als der übrigen Apostel mit ähnlichen apokryphischen Mythen zu umspinnen, wie die Gestalt des Herrn selbst. Schon über die Gesammtheit der Zwölfe werden uns Dinge berichtet, denen aller historische Beweis abgeht. So, daß sie zusammen ein geschlossenes Collegium gebildet, daß sie zusammen das apostolische Glaubesbekenntniß verfaßt hätten, wozu jeder der zwölf Apostel einen der zwölf Artikel gegeben, daß sie die Länder, in die sie gehen sollten, unter sich verloost hätten und daß sie sämmtlich unverehlicht geblieben seien. Von dem allen lesen wir im neuen Testament nichts; auch fehlen uns darüber zuverläßige Nachrichten anderswoher. Aus den spätern Lebensnachrichten über die einzelnen Apostel will ich nur einzelne herausheben.

Simon Petrus, Jona's Sohn, der Fischer aus Vethsaida, den Jesus von seinem Netze wegrief, ihn zum Menschensischer zu machen, ist uns aus der evangelischen Geschichte so bekannt, daß kaum nöthig ist, an die wichtigen Momente zu erinnern, die dort hervortreten, und durch die er sich uns als den raschen, feurigen Mann darstellt, der meist im Namen der übrigen Jünger das Wort nimmt und auch das rechte Wort sindet, wo die Andern noch um dasselbe verlegen scheinen. Sein schönes Vekenntniß: „du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes" <Matth. 16, 16), sein todesmuthiger Entschluß, dem Herrn zu folgen, seine Verleugnung, seine Reue, seine Begegnung mit dem Herrn am See und die bedeutsamen Worte des Herrn an ihn: „Simon Jona, hast du mich lieb? . . weide meine Schafe, meine Lämmer" (Joh. 30, 15), wie tief haben sie sich unserm Gedächtniß von Jugend auf eingeprägt! Sein Bild, das Bild des Mannes, mit dem schönen männlichen Kopfe, der im Kampf mit den Wellen die Hand des Herrn ergreift, wie oft hat es uns ergriffen, wenn die Kunst es uns vor Augen stellte! — Wir verfolgen die Spur seiner Tritte noch über das Leben Jesu hinaus. Wie steht er da als der Gottbegeisterte Redner im Namen Aller am heil. Psingstfeste! (Apostelg. 2, 14 ff) Aus seinem Munde vernehmen wir zuerst die Predigt von Christo vem Auferstandenen; da sehen wir ihn das Netz auswerfen unter die versammelte Menge, und bei dreitausend Seelen werden gewonnen für das Messiasreich. Jn Judä'a, in Samarien verkündigt er die Lehre des Auferstandenen (Apostelg. 8, 14 ff.), und durch ein göttliches Gesicht belehrt, nimmt er, obgleich der Apostel der Veschncidung, auch Heiden in die Gemeinschaft auf und führt ihre Sache auch vor den übrigen Aposteln (Apostelg. 10). Scheint er auch, nach den Andeutungen in paulinischen Briefen, auf Augenblicke wieder wankend geworden zu sein in seinen Grundsätzen über das Verfahren gegen die Heiden (bei seinem Auftreten in Antiochien Gal. 2,11), so wankte er doch nimmer in seinem christlichen Bekenntnis; überhaupt. Nicht Kerker und Bande vermochten ihn, abzustehen von der Predigt des Evangeliums von Christo. Seine wunderbare Errettung aus dem Gefängniß zu Jerusalem (Apstg. 12, 4 ff.) ist das letzte, was die Apostelgeschichte des Lucas uns über seine persönlichen Schicksale berichtet. Bloß noch einmal erscheint er auf dem sogenannten Apostelconcil in Jerusalem (Apostelg. 15, 7), um für die freiere Ansicht rücksichtlich der Heiden zu zeugen. Von da an aber sind wir theils an Vermuthungen, theils an einzelne Nachrichten verwiesen, die wir zu benützen und unter einander zu verknüpfen haben, so weit es geht. So bietet uns zunächst einen Anknüpfungspunkt der erste seiner Briefe im neuen Testament, der aus Babylon geschrieben ist und woraus also auf einen Aufenthalt des Apostels dafelbst geschlossen werden muß; ohne daß wir jedoch etwas Näheres über seine dortige Wirksamkeit wüßten"). Die christliche Tradition, an die wir von nun an allein gewiesen sind, läßt ihn in Pontus, Galatien, Cappadocien, dem proconsularischen Asien, Bithynien und namentlich auch in Rom predigen. Ja, sie begnügt sich nicht mit der einfachen Predigt Pctri in Rom. Sie macht ihn zum Gründer und ersten Bischof der Gemeinde selbst, wie sie ihn auch zum Bischos von Antiochien macht. Sie weiß von einer siegreichen Disputation des Apostels in Rom mit

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") Die älteren und jetzt wieder neuere Ausleger (wie Thlersch) wollen unter Babylon Rom verstehen. — Eine so rein unmotivirte Metapher läßt sich aber in der prosaischen Unterschrift eines Briefes taum tenken. Etwas ganz Anderes ist es mit der Apokalypse, wo allerdings Rom Nabel genannt wird. — Freilich ist ein Aufenthalt des Apostels im parthischen Reiche auch ohne weitere historische Haltpunkte; vgl. Schaff, Gesch. d. chrlftl. Kirche. Mereersb. 185!. S. 300, der sich gleichfalls für Rom erklärt.

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