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Simon dem Magier, mit dem er noch .(Act. 8) in Samarien zusammengetroffen war. Endlich berichtet sie uns auch den Tod des Apostels in Rom. Bei der neronischen Verfolgung, von der wir später noch ausführlicher reden werden, soll er haben aus Rom fliehen wollen: allein Christus begegnet ihm auf dem Wege. Petrus fragte den Herrn: wohin er wolle. Jesus antwortete! nach Rom, unl mich noch einmal kreuzigen zu lafsen. — Petrus verstand den Wink. Er ging nach Rom zurück, und ließ sich kreuzigen, unr zwar mit zur Erde gekehrtem Haupte, weil er sich nicht für würdig hielt, so zu sterben wie sein Herr und Meister. — Was ist an dieser Tradition Wahres? Das ist eine schwierige Frage, die bis aus den heutigen Tag die Historiker beider Confessionen beschäftigt. Daß die römische Kirche ein Jnteresse hat, Petrus zum ersten Bischos von Rom und alle Päpste zu seinem Nachfolger zu machen, liegt auf der Hand. Aber zu weit würde man gehen, zu behaupten, die ganze Tradition sei erst zu Gunsten des päpstlichen Systems erfunden worden; sie ist alter als dieses, ja sie reicht in die ersten Jahrhunderte zurück; daher haben auch sehr besonnene protestantische Gelehrte"), keinen Anstand genommen, die 'Anwesenheit Petri in Rom und seinen Märtyrtod dafelbst als geschichtliche That fache anzunehmen, ohne damit die Annahme eines förmlichen Episcopats zu verbinden und ohne alle die Folgerungen daraus zu ziehen, die der römische Stuhl daraus gezogen hat. Gegentheils haben sich aber auch selbst in der katholischen Kirche wieder kritische Stimmen erhoben, die die ganze Tradition, selbst die von einer Anwesenheit des Petrus in Rom, verwerfen oder sie zweifelhaft machen"). So viel ist gewiß, daß weder die Verbreitung res Christenthums in Rom, noch das spätere Ansehen des päpstlichen Stuhles die Anwesenheit des Petrus dafelbst zu ihrer nothwendigen Voraussetzung haben; beides läßt sich auch auf anderm Wege erklären, und so mag die Frage für die Kirchengeschichte eine offene Frage bleiben. Was Petrus zur Gründung der Kirche thun sollte, nach der Abficht des Herrn, das hat er ge

«) Unter ihnen namentlich Gieseler, nicht so unbedingt Neander. «) So Ellendorf. in der Schrift: Ist Petrns in Nom und Bischof der 'römischen Kirche gewesen? Darmst. l84l.

Hagtnbcich, Vorlesungen n. 5

than. Er war der „Apostel der Veschneiruug". Sein Nam« war daher von Anfang an von großem Gewicht bei den christlichen Gemeinden, namentlich bei der juden-christlichen Partei, und wir begegnen diesem petrinischen Christenthum mit seinem bestimmten Charakter und seiner Unterscheidung vom paulinischen gleich in den ersten Zeiten der Kirche, ohne daß es nöthig ist, den Gegensatz zwischen beiden sich so weitgehend zu denken, nls rieß von gewissen Seiten her geschieht.

Weniger als Petrus, ist sein Bruder Andreas bekannt. In den Evangelien begegnet er uns zwar als einer der vertrautern Jünger des Herrn, aber in der Apostelgeschichte wird seiner nicht erwähnt, und wir verlieren ihn gänzlich aus den Augen. — Erst im Schmucke der Tradition finden wir ihn wieder. Nach ihr soll er in Scythieu, in Griechenland, später in Klein-Asien das Evangelium verkündigt haben und zu Paträ in Achaia gekreuzigt worden sein und zwar mittels eines verfchrenkten Kreuzes, das darum noch jetzt das Andreaskreuz heißt.

Neben dem Bruderpaare Petrus und Andreas begegne! uns das der Söhne Zebedäi, Iacobus und Johannes. die Jesus Söhne des Donners nannte <Marc. 3, 17), und sür die ihre Mutter Salome die Bitte einlegte beim Herrn. er möge sie einst sitzen lassen in seinem Reiche, den Einen zu seiner Rechten, den Andern zu seiner Linken: aber Jesus wies sie hin auf den Kelch der Leiden, auf die Taufe des Todes, die ihm bevorstehe. Das Sitzen aber zur Rechten und zur Linken zu geben, stehe ihm nicbt zu, sondern denen es bereitet sei von seinem Vater (Matth. 2a,20ff), — An Jacobus, dem Aeltern, erfüllte sich das Wort buchstäblich, daß er mit der Taufe seines Meisters getauft wurde. Von ihm erzählt uns die Apostelgeschichte (C. 12, 2), wie er zu Jerusalem auf Befehl des Königs Herodes Agrippa enthauptet wurde (um's Jahr 43 oder 44 nach Chr). Um so auffallender ist es, daß ihn die Sage gleichwohl als Apostel in Spanien auftreten läßt, wo sein Leichnam in dem berühmten Wallfahrtsort Compostella liegen soll. — Jm neuen Testament wird sein Vil» überstrahlt von dem seines Bruders Johannes, des Lieblingsjüngers und Evangelisten. Auch hier wollen wir nicht Bekanntes widerholen. Nur darauf möchten wir aufmerksam machen, wie die Auszeichnung, die ihm von dem Herrn wiederfährt, wieder eine andere ist, als die des Petrus. Petrus ist der Mann der Thal, Johannes der Mann des Gemüthes, der innigen Gefühlstiefe; daher sein Verhältniß zu Jesu mehr ein persönliches, ein Liegen an seiner Brust. Ihm wird nicht zunächst der Auftrag, die Kirche zu stützen, zu tragen, zu leiten-. sondern an ihn gehet das Wort! siehe das ist reine Mutter; ihm gehört das Vermächtniß des Herzens. Wir würden indessen unrecht thun, uns unter Johannes jene weichliche, schmachtende Seele zu deuken, zu der er aus Miß«. ,>and seiner Lehre von der Liebe, gemacht worden ist. Alles deutet bei ihm auf eine kräftige, feurige Natur; sogar aus eine Heftigkeit des Charakters, die aber freilich mit dem Alter und in der Schule des heil. Geistes mehr und mehr gemildert und veredelt wurde. So hat er uns denn in gereiften Jahren, als Johannes Evangelist, nicht sowohl die äußern Thaten Jesu beschrieben und die nach außen gerichteten Reden uns wiedergegeben, als vielmehr hat er, „der Theologe", wie die Kirche ihn nannte, uns die Tiefen der Gottheit erschlossen, die in Christo verborgen waren. Gleichwohl finden wir auch ihn in seinen frühern Jahren nach außen thätig in der Verbreitung des Christenthums. Erst erscheint er in der Apostelgeschichte als Begleiter des Petrus in Judäa und Samarien (Avstg. 3, 1 ff. li, l4 ff.), dann scheint er sich länger in Jerusalem aufgehalten zu haben. Wohin er von da aus sich gewendet, erfahren wir nicht mehr durch die neutestamentlichen Berichte. Aber die alte und gewiß nicht zu verwerfende Tradition weist ihm in Klein-Asten seinen bleibenden Wohnsitz an, und namentlich scheint er von Ephesus aus (nach Paulus Tode) zur tiefern Begründung des Christenthums in hohem Segen gewirkt zu haben. Die Annahme, daß er auf der Jnsel Patmos die Apocalnvse verfaßte, beruht auf einer bestimmten Angabe in diesem merkwürdigen Buche selbst >^). Daß er aber unter Domitian oder einem andern römischen Kaiser dahin sei verwiesen worden, beruht auf bloßer Tradition, sowie auch die Angabe, daß er zuvor in Rom in siedendes Oel getaucht worden und unversehrt wieder heraus gekommen sei. Auch den Giftbecher soll er getrunken haben, ohne Schaden zu nehmen. Darauf deutet der Becher mit der Schlange, als Symbol des Giftes, in den Abbildungen des Jüngers. — Nach dem einstimmigen Zeugniß der ersten Kirche erreichte Johannes ein hohes Alter. Er lebte bis an das Ende des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung unr )tarb wahrscheinlich in Ephesus. Um ihn hat sich ein ganzer Sagenkreis gebildet, bei dem noch etwas zu verweilen sich lohnt. So soll er in Ephesus einst in einem öffentlichen Bade mit dem Häretiker Cerinth zusammen getroffen sein, sofort aber das Bad verlassen haben, weil er nicht wollte mit einem Ketzer unter einem Dache verweilen, aus Furcht, es möchte einstürzen. — Lieblicher und ganz seiner Gesinnung entsprechend, lautet eine andere Sage, daß er noch in hohem Alter sich durch seine Jünger in die Versammlungen der Gläubigen habe tragen lassen, um ihnen immer und immer wieder das eine Wort zuzurufen: Kindlein liebet euch! Bekannt ist auch, wie ein letztes Wort des Herrn an ihn (Joh. 21, 22), dahin mißverstanden wurde, als sterbe dieser Jünger nicht. Und wirklich glaubten Einige, er sei wie Henoch und Elias ohne Tod in den Himmel entrückt worden. Eine Sage, die Augustin mittheilt, berichtet: Johannes habe sich selbst sein Grab bereiten lassen, und sich dann wie in ein Bett hinein gelegt, um zu sterben. Aber es habe sich der Glaube verbreitet, er sei nicht wirklich gestorben, sondern er schlafe nur. Sein Odem bewege die Erde auf seinem Grabe und treibe immerfort aus der Tiefe einen weißen Staub hervor. — Noch bis im 18. Jahrhundert haben ja sogar geistreiche Männer eine leibliche Wiederkunft dieses Jüngers erwartet. — Eine schöne Erzählung, die zum Beweis seiner Hirtentreuc schon von den ältesten Kirchenschriftstellern angeführt wird, kann ich nicht übergehen. Auf einer seiner apostolischen Reisen erblickte Johannes in Smyrna einen Jüngling, der durch seine edle Haltung ihm aufsiel. Er übergab diesen Jüngling dem Bischof zu besonderer Aufsicht, und setzte dann seine Reise fort. Als Johannes nach einiger Zeit wieder zu der Gemeinde zurückkehrte, war seine erste Frage nach dem Jünglinge. Der Bischof antwortet betreten: „er ist gestorben", und auf das weitere Eindringen des Apostels, erklärt er sich deutlicher: der Jüngling sei Gott gestorben; er habe die Wege des Herrn verlassen und sei der Anführer einer Räuberbande geworden. Sofort verlangt der Apostel ein Pferd

und ruhet nicht, bis er den Aufenthalt der Räuber erspäht hat. Gr wird von ihnen gefangen. „Führt mich zu euerm Hauptmann", sprich! er. Als dieser den Johannes erblickt, flieht er erst vor ihm; aber Johannes, sein Alter vergessend, setzt ihm nach und tust ihm zu: „was fliehest du vor mir, mein Kind! vor mir, deinem Vater, dem Hülflosen, dem Alten! erbarme dich meiner, mein Kind! fürchte dich nicht: noch ist Hoffnung des Lebens für dich vorhanden; ich werde Christo Rechenschaft geben über dich-. gern will ich, wenus sein muß, mein Leben lafsen für rich, wie der Herr für uns das seine gelassen hat. O so stehe denn, glaube, Christus hat mich hergesandt!" — Endlich blieb der Jüngling stehen, sah beschämt zur Erde nieder, warf die wilde Rüstung von sich, erklärte unter bittern 3 hränen seine Reue, und ward von Johannes wieder ausgenommen und der christlichen Gemeinde wiedergegeben. Herder hat diese Legende trefflich bearbeitet>-).

Nur noch ein Weniges über die übrigen Apostel.

Ueber Philippus aus Bethsaida, der Jesum gleichzeitig mit Petrus und Johannes kennen lernte, wissen wir sehr wenig. Von ihm erzählt uns die Apostelgeschichte nichts; nach einer sehr alten und nicht ganz zu verwerfenden Nachricht soll er das Evangelium in Phrygien verbreitet haben und in hohem Alter zu Hierapolis gestorben sein. Nicht selten hat man ihn mit dem Diaconus Philippus verwechselt, der den Kämmerer aus Mohrenland bekehrte — Von Bartholomäus haben wir nur den Namen, wenn anders nicht, wie Biele annehmen, der aus Johannes uns bekannte Nathanacl, „der ächte Jfraelite ohne Falsch", eben diesen Namen führte. Dagegen weiß die Legende von ihm zu erzählen, er sei von königlicher Abkunft gewesen, der Sohn eines Königs Ptolemäus und habe auch als Jünger des Herrn sein Purpurgewand getragen. Christus habe ihm. geweissagt, er werde einst den Purpurmantel seines Leibes ausziehen müssen, und dieß sei in Erfüllung gegangen, indem er in Armenien, wo er das Evangelium predigte, lebendig sei der Haut entkleidet worden; daher trägt er auch in bildlicher Darstellung ein Messer in der Hand und die abgezogene

>5) Der gerettete Jüngling in den christlichen Legende». Zünmitlichc Werke; zur Literatur und Kunst. lll. S. 288. Die kirchliche Erzählung selbst bei Euseb lll, 33. ^

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