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testen hervor. Die Rechtfertigung des Sünders vor Gott durch den lebendigen Glauben an den Sohn Gottes und sein für uns gebrachtes Opfer, das ist das eigentliche Grundthema der paulini- schen Lehre: das das eigenthümliche Gepräge derselben.

Man hat die Frage aufgeworfen, ob nicht dieses paulinischc Christenthum ein anderes sei, als das, das uns Jesus Christus und seine nächsten Apostel selbst gebracht haben? Die Einen haben gesagt, Paulus habe die einfache Lehre Jesu umgewandelt in eine rabbinische Theologie und habe so gewisse dogmatische Vorstellungen in das Christenthum eingeführt, die sich zu der einfachen, auf das Praktische gerichteten Lehrart Jesu verhielten, wie die Theologie zur Religion überhaupt. Was diese als einen Nachtheil des Pau linismus bezeichneten, haben Andere als einen Vortheil desselben hervorgehoben, indem sie sagten, erst Paulus habe aus dem Christenthum etwas gemacht: er habe erst diese einfache Lehre des Zimmermannssohnes und der galiläischen Fischer in eine höhere Sphäre, in die Sphäre des speculativen Gedankens gehoben, und dadurch ihr ein welthistorisches Jnteresse gegeben. — Allein, wenn wir die paulinische Lehre einfach vergleichen mit der Lehre Jesu und mit der Lehre eines Petrus, Johannes und Jacobus, so wird uns die tiefere Uebereinstlmmung mit den Grundlehren des Evangeliums, wie wir sie schon dort sinden, nicht eingeben, und wir werden uns wohl hüten, Paulus auf Kosten der Andern zu erheben, oder umgekehrt ihn einer Entstellung der christlichen Lehre zu beschuldigen Er, der nichts anders wissen wollte, als Jesuni Christum den Gekreuzigten (1 Cor. 2, 2), der keinen andern Grund wollte gelegt wissen, als den, der gelegt ist (1 Cor. 3, 11), und der selbst einen Engel vom Himmel dem ewigen Fluch verfallen erklärte, der ein anderes Evangelium bringen würde, als das Evangelium von Christo, das er zu verkündigen sich bewußt war (Gal. 1, 8>. er würde sich eben so wohl den falschen Ruhm verbeten, ein neues und besseres Christenthnm erfunden, als den Vorwurf, da? Evangelinm durch die Beimischung seiner Lehrsätze entstellt zu haben Paulus hat kein anderes Christenthum gebracht, als das Christenthum Jesu und seiner Apostel. Das wird sich Jedem feststellen. rer seine Schriften studirt und sie mit den Evangelien und den übrigen neutestamentlichm Schriften vergleicht. Wohl aber win dieses vergleichende Studium, uns zu der Ueberzeugung führen, daß Paulus das Evangelium allerdings nicht nur als einen von außen überlieferten Stoff weiter verbreitet, sondern daß er es als eine seligmachende Kraft in sich verarbeitet, und durch eigenes Nachdenken sowohl als durch Ilebung und Erfahrung in sein geistiges Eigenthum verwandelt habe. Jn diesem Sinn dürfen wir von einem Paulinischen Christenthum reden, d. h. von einem Christenthum, das sich mit der persönlichen Gemüthsanlage des Apostels, mit seiner geistigen Bildung, mit seinen äußern und innern Erfahrungen zu einem Ganzen von Vorstellungen zusammenschloß, wie es, zu einem solchen Ganzen verarbeitet, uns allerdings sonst nirgends begegnet. Das ist ja eben das Schöne und Große des Christenthums, worauf ich schon bei der Stiftung desselben aufmerksam gemacht habe, daß es nicht ein von vornherein abgeschlossenes System, nicht ein Compler von Dogmen und Sittengeboten ist, den man als einen fertigen Stoff wieder Andern überliefern kann, sondern daß es als ein ewig lebendiges und Flüssiges in jeder Persönlichkeit wieder seine eigene Gestalt gewinnt, in jeder gleichsam eine neue Geschichte durchlebt und so auch wieder von ihr ein Gepräge zurücknimmt, wie es ihr selbst sein ewiges Gepräge aufdrückt. Und nun eine Persönlichkeit wie die des Apostels Paulus, eine also von Gott erwählte, bereitete, von seinem Geist geführte und erleuchtete Persönlichkeit, hätte sie nur der mechanische Träger, und nicht vielmehr ein organischer Durchgangs- und Vermittlungspunkt des Christenthums werden sollen? Die große Bedeutung des Apostels als des Heidenapostels, hätte sie wirklich nur darin bestanden, das Christenthum dem Naume nach in die Länder der Heiden zu bringen, oder nicht vielmehr auch darin, es den Heiden zugänglich zu machen durch die ganz eigenthümliche, auf sie berechnete Art der Verkündigung? Wenn etwa auch schon gesagt worden ist, Paulus habe das Christenthum aus der jüdischen Befangenheit erst heraus gehoben und es nach freier, eigner Willkür zur Weltreligion umgesetzt, so wird damit zu viel gesagt; ja, es wird der Jünger dann über den Meister erhoben. Aber wenn gesagt wird, Paulus habe bestimmter und energischer als andere Apostel die universelle Bestimmung des Christenthums erkannt, betont, begriffen und demgemäß die Absicht seines göttlichen Meisters selbst in ein« ihm eigens angewiesenen Richtung «füllt, wie lein Anrerer. so ist das ein Urtheil, zu dem die unbefangene Betrachtung seines Lebens und Wirkens uns allerdings berechtigt, ja uns bindrängt. Paulus hat, indem er mit seinem Herrn und Meister und seinen Mitaposteln auf einem Grunde des Heils steht, dennoch wieder feine eigenthümliche Stellung, seine eigenthümliche Misston, seinen eignen, ihm angehörenden Jdeenkreis und in sosern allerdings auck seine Sprache, seine Vorstellungs- und Darstellungsweise, seine Philosophie und Theologie. Aber das Alles hat er auch als hätte er es nicht, hat er nicht als das Seme, sondern als das ihm Gegebene, als das ihm Anvertraute und Gewordene. Und so konnte er denn auch von seinen Gemeinden und von seiner Arbeit an ihnen mit einem Vewußtsein reden, das ihm keine Kritik verkümmern darf. Bielmehr wird es die Aufgabe der Geschichte sein, nachdem sie das auserlesene Rüstzeug res Apostels selbst kennen gelernt ha!, nun auch über den Kreis seiner Thätigkeit sich eine genauere Ansicht zu verschaffen. Die paulinischen Gemeinden und das Verhältnis des Apostels zu ihnen wird demnach das Erste sein, womit wir uns in der nächsten Stunde zu beschäftigen haben.

Höchste Vorlesunft.

Die paulinischen Gemeinden und die Briefe an sie. — Der Brief an ric Hebräer. — Die katholischen Briefe. — Di« sieben Gemeinden der Apocalypfe. — Sagen über Verbreitung des liliristenthums durch apostuli« sche Männer. — Statistische Rundschau über rie christliche Kirche der drei ersten Iahrhunrerte. ^ ßhristenverfolgnnge« !>n römischen Reich unter Nerr. — Die Zerstörung Jerusalems.

Wir sind in der letzten Stunde dem Apostel Paulus auf seinen Reisen gefolgt, ohne jedoch bei den Gemeinden selbst, die er gestiftet, zu verweilen, und das persönliche Verhältniß des Apostels ;u ihnen genauer zu betrachten. Unsere Aufgabe kann nun freilich nicht sein, die Geschichte jeder dieser Gemeinden ins Einzelne zu verfolgen. Die Kirchengeschichte kann nur die Kirche Christi als Gesammtheit in's Auge fassen. Allein wir haben früher gezeigt, wie diese Kirche Christi nicht so plötzlich als Kirche in die Welt irat. Crst ans den einzelnen Gemeinden bat sich die Kirche gebildet. Und darum muß für uns das Gemeindeleben der ersten Christen doch wieder das sein, woran wir uns halten, weil sich aus ihm erst das Kirchenleben gebildet hat. Die Quellen, an die wir hier fast ausschließlich gewiesen sind, siud nicht sowohl die Apostelgeschichte, als vielmehr die Briefe, die der Apostel Paulus an diese Gemeinden oder auch an seine Schüler, die Vorsteher dieser Gemeinden waren, geschrieben hat. Auch diese Briefe können wir jetzt nicht mit dem Auge des Schriftforschers betrachten. So manches von ihrem tiefen Lehrinhalt müssen wir bei Seite lassen und nur das aus ihnen herausheben, was auf das Gemeindeverhältniß Licht wirft und die Physiognomie dieser Gemeinden uns erkennen läßt. Wir besitzen bekanntlich 13 Briefe des Apostels in unserm Bibelbuche (Kanon), wenn wir nämlich den Brief an die Hebräer nicht mitzählen, der auch nicht unter seinem Namen erscheint. Diese 13 Briefe sind uns aber doch nicht nach der Zeitfolge mitgetheilt, und es ist daher nothwendig, daß wir sie geschichtlich in ihre Zeit einreihen, wenn wir sie ganz verstehen wollen. So weit nun unste Kunde reicht, sind sie nach folgender Ordnung entstanden: zuerst die beiden Briefe an die Thessalonicher von dem ersten Aufenthalt in Corinth aus geschrieben; sodann von Ephesus aus der Brief an die Galater und der erste Brief an die Corinther; demnächst von Macedonien aus der zweite Brief an die Corinther, und dann von einem spätern Aufenthalt in Corinth aus der Brief an die Christen zu Rom. Die übrigen Briefe, mit Ausnahme des ersten Briefs an den Timotheus und an Titus sind alle, wie ihr Jnhalt zeigt, aus der Gefangenschaft geschrieben; so der Brief an die Epheser, an die Philipper, an die Colosser, an Philemon und der zweite Brief an den Timotheus. Ob die erstern aus einer frühern, der zweite Brief an den Timotheus aber aus einer spätern Gefangenschaft, das lassen wir hier dahingestellt, da es für unsern Zweck von keinem weitern Belang ist. Uns gilt es hauptsächlich, uns ein Bild zu verschaffen von dem Zustande jener Gemeinden und dem Verhältniß des Apostels zu ihnen. Und da werden wir sinden, daß diese Zustände bei aller Einheit des Bekenntnisses sehr verschieden waren und daß auch der Ton der Briefe nach dieser Verschiedenheit sich richtet. So sehen wir aus den beiden Briefen an die Thessalonicher, daß in jener Gemeinde viele Gemüther beunruhigt waren wegen der zu erwartenden Zukunft des Herrn, und Paulus sah sich genöthigt, hierüber die nöthigen Belehrungen zu geben und die Gemeinde ebensowohl vor Vorwitz und Müfsiggang, als vor Trostlosigkeit zu warnen. Aus dem Brief an die Galater sehen wir, wie es jüdischen Jrrlehrern gelungen war, die noch junge und unbefestigte Gemeinde wieder unter das Joch der jüdischen Satzungen gefangen zu nehmen, und der Apostel wandte Alles auf, sie wieder zur rechten Freiheit in Christo zurückzuführen. Daß er dabei selbst des Petrus nicht schonte, der au» Menschenfurcht seine bessere Ueberzeugung unterdrückte, ist nur ein

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