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ENNIUS
UND VERGILIUS

KRIEGSBILDER AUS ROMS GROSSER ZEIT

VON

EDUARD NORDEN

Quis potis ingentis oras evolvere belli

Ennius.
Et mecum ingentes oras evolvite belli

Vergilius.

DRUCK UND VERLAG B. G. TEUBNER LEIPZIG BERLIN 1915

ALLE RECHTE, EINSCHLIESSLICH DES ÜBERSETZUNGSRECHTS, VORBEHALTEN

10,16. MIĄ

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AN CONRAD CICHORIUS

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Du weißt, daß es seit langem mein Wunsch war, unserer Freundschaft auch vor der Öffentlichkeit ein Denkmal zu setzen. Freilich kann es den Lesern unserer Schriften ohnehin nicht unbekannt geblieben sein, daß wir seit vielen Jahren in lebhaftem wissenschaftlichen Gedankenaustausch stehen. Zu Deinem 'Lucilius', den ich in den herrlichen Thüringischen Wäldern beranreifen sah, habe ich freilich nur ein bescheidenes Scherflein beitragen dürfen, da Du jenes Buch ganz auf historische Grundlage gestellt hattest. Um so größer ist Dein Anteil an meinen Arbeiten gewesen, in denen Du den Philologen überall da berietest, wo er der Schwesterwissenschaft bedurfte. Wir sind uns ja auch grundsätzlich darüber einig, daß gerade die lateinische Philologie nur dann recht gedeihen kann, wenn sie mit der Geschichtswissenschaft in engster Fühlung bleibt: denn Roms Literatur ist bei aller Abhängigkeit von der hellenischen doch nur dadurch eine Literatur der Welt geworden, daß sie in dem nationalen Boden feste Wurzeln schlug. Wenn Mommsens, unseres Meisters, Universalgeist es vermochte, auch schwierige grammatische oder metrische Fragen aus eigner Kraft zu beantworten, so haben wir — Üstatoi őOtɛ dobuov xatalal

ύστατοι ώστε δρόμου καταλειπόμενοι es für sicherer befunden, uns gegenseitig zu beraten, Du, wenn Du Dich auf philologisches, ich, wenn ich mich auf historisches Gebiet vorwagen mußte. So haben wir uns in gemeinsamer Arbeit – εμνήσθην δ' δσσάκις αμφότεροι "Ήλιον έν λέσχη κατεδύσαμεν einer den andern gefördert. Dessen ist auch dieses Buch ein gewichtiges

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Zeugnis. Es hat Dir bereits im Manuskript vorgelegen, und Du hast es gehegt wie ein eigenes. In dem Richtigen hast Du mir durch Zustimmung das Gefühl der Sicherheit gegeben, das Falsche hast Du durch Widerspruch unterdrückt und hast mir oft durch einen oder den anderen Hinweis aus der Fülle Deines historischen Wissens oder aus Deiner Empfindung für das geschichtlich Mögliche die Wege zur richtigeren Erkenntnis gezeigt. Du hast es auch nicht verschmäht, an einer Stelle, wo die Schwierigkeit des historischen Problems mir unlösbar erschien, selbst das Wort zu nehmen und inmitten meines Buches zu dessen Lesern zu sprechen, wie Du es schon im 'Agnostos Theos' und in der Abhandlung über 'Josephus und Christus getan hattest. Bist Du es doch sogar gewesen, der dem vorliegenden Buche seinen Untertitel gab. Als Du jene Bezeichnung ‘Kriegsbilder aus Roms großer Zeit vorschlugst, umgab uns noch dieselbe 'dulcedo otii, durch die einst Kaiser Augustus sein Volk bezauberte, und wenn wir überhaupt darüber nachgedacht hätten - aber wie hätten uns solche Gedanken kommen sollen? —, so würden wir uns vielleicht die Frage vorgelegt haben: in Friedenszeiten ein so kriegerisches Buch? Über solche Disharmonie brauchen wir uns ja nun keine Sorge zu machen: bei der Korrektur floß uns, inmitten der alle Überlieferung und Phantasie übersteigenden Geschehnisse, Leben und Arbeit zu jener schauerlichen Schönheit zusammen, die das Antlitz der Ludovisischen Gorgo zeigt. Wohl haben wir unsern gemeinsamen Freund Varro beneidet, der von seinem Schreibtische ins Feld

zog:

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toga detracta est et abolla data est:
ad turbam abii, fera militia

munera belli ut tractarem.

Uns dagegen mußte der stilus das pilum ersetzen, in den Büchern der Alten mußten wir das Rauschen des Waffensturms erlauschen, in dem unsere Lieben und unsere Schüler als Helden stehen, Martiaque ob patriam pugnando volnera passi', wie Vergil es mit der Monumentalität seiner durch die Kraft des Römertums selbst geadelten Sprachgewalt ausdrückt. Wenn es noch einen oder den andren geben sollte, der von dem gewaltigsten Kriege der Weltgeschichte seine Gedanken für einige Stunden hinüberleiten möchte zu dem größten Kriege, den Rom geführt hat, so wird er mit Dir und mir, die wir uns dies in Monaten des Friedens erarbeiteten, hier lesen von der Völkerfurie Discordia. Mich aber laß in Erinnerung an die Zeit, in der ich die Rücksendung des Dir zur Durchsicht gesandten Manuskripts erwartete, schließen mit den Worten des Plinius, der in ähnlicher Lage an seinen Freund Tacitus schrieb: ‘nunc a te librum meum cum adnotationibus tuis exspecto. o iucundas, o pulchras vices. quam me delectat, quod, si qua posteris cura nostri, usquequaque narrabitur, qua concordia simplicitate fide vixerimus'.

Berlin-Lichterfelde, 1. Dezember 1914.

E. NORDEN

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