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Vorwort.

ber die heiligen Zeiten, Feste und Feierlichkeiten haben einige Schriftsteller, wie Guéranger und Dippel, in ausführlicher Gründlichkeit und Breite geschrieben; andere haben sich damit begnügt, das Bild des heiligen Jahres nur mit wenigen großen Strichen und in den allgemeinsten Umriffen zu zeichnen.

Der Verfasser des vorliegenden Buches wünscht zwischen erschöpfender Ausdehnung und schulmäßiger Kürze die Mitte einzuhalten. Nicht alles Gold soll demnach geschürft werden, welches in den gottesdienstlichen Bergwerken der Kirche geborgen ist. Welche Menschenkraft wäre dazu im stande! Dagegen soll allerdings der organische Aufbau und die geschichtliche Entwicklung der einzelnen Feste und Festzeiten erklärt, es soll ihre Bedeutung für Geist, Gemüt und Leben des katholischen Christen wenigstens angedeutet und der lebensvolle Zusammenhang des einzelnen mit dem Geiste der Kirche dargelegt werden. Hierbei glaubte der Verfasser die Freiheit der Wahl aus dem reichen Stoff für sich in Anspruch nehmen zu dürfen. Manche Feste des Herrn und die meisten Feste der Heiligen blieben deshalb ganz oder großenteils von der Darstellung ausgeschlossen, weil sie mit dem Organismus des Kirchenjahres nur in einem losen Zusammenhang stehen.

Der Verfasser hätte gewünscht, ein so schönes Buch schaffen zu können, wie das nun leider etwas veraltete Werk Staudenmaiers „Der Geist des Christentums“ (Mainz 1835) es war. Jedoch glaubte er, das kunsthistorische Element, welches jenem Werk eine reiche und interessante Färbung verleiht, zurückdrängen und dafür die Geschichte der einzelnen Feste und Festzeiten um so mehr hervorheben zu sollen. Sodann wurde bei dieser Darstellung in einzelnen Fällen mehr, als es dort geschehen ist, nicht bloß das Meßbuch, sondern auch das Stundengebet oder Brevier der Kirche herangezogen, weil ohne Einblick in dasselbe die Fülle des Geistes, die Tiefe und Kraft kaum geahnt

wird, von welcher das gottesdienstliche Tun der Kirche wie von heiligen Strömen lebendigen Wassers durchflutet wird. Er legte sich hierbei eine große Beschränkung auf, um nicht in allzu breiter Ausführung sich zu verlieren und um dem Leser den Überblick über das Ganze nicht zu erschweren. Der weitaus bedeutsamste Teil des Breviers ist im fog. Nocturnum oder in den Metten niedergelegt; in den meisten Fällen wurde nur dieser Bestandteil des Stundengebetes in den Kreis der betrachtenden Darstellung einbezogen. Dieses Verfahren dürfte er einhalten, weil in den drei Metten und in den Laudes in der Regel alle wichtigen und wesentlichen Festgedanken entfaltet werden.

Soweit es dem Verfasser möglich war, bemühte er sich, für seinen Aufbau die bedeutsamen und sichern Ergebnisse der biblischen, litur= gischen und firchengeschichtlichen Forschungsarbeit zu verwenden. Ein Literaturverzeichnis gibt die Bücher an, aus welchen er geschöpft hat 1. So wagt der Verfasser immerhin zu hoffen, ein Ganzes vorLegen zu können.

Sein Buch wendet sich an die studierende Jugend, an die Gebildeten aller Stände, kurz an den weiten Kreis aller geistig reg= samen Christen, welchen es nicht möglich ist, gelehrte und breitangelegte Werke zu lesen, welche aber für das reiche und segensvolle Leben und gottesdienstliche Walten der Kirche ein edles Interesse be= wahrt haben. Der Verfasser würde sich für seine Mühe reichlich belohnt glauben, wenn in dem freundlichen Leser dieses Buches die Erkenntnis gesteigert würde von der wunderbaren Herrlichkeit und von dem übergroßen geistigen Reichtum, den die Kirche in den heiligen Zeiten und Festen ihres Jahres uns vorlegt. Doppelt belohnt würde er sich sehen, wenn ein geistlicher Amtsbruder aus dem Buche einige Anregung schöpfen könnte zur Befruchtung seines heiligen Lehramtes in Predigt und Katechese.

Und nun fahre aus, du trauter Begleiter meiner Mußestunden! Gottes Segen walte über dir und deinen Freunden!

3ug, Weihnachten 1910.

Karl Müller.

1 Das vortreffliche Werk „Das Missale als Betrachtungsbuch“ von Dr Fr. X. Red kam erst heraus, als der Verfasser seine Arbeit zum größten Teil schon abgeschlossen hatte.

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