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Ohne Vorwissen seiner Nichte hatte Sir -, etwa ein Jahr nach seiner Ankunft in Indien, den ausgezeichnetsten Arzt seines Wohnorts vertraulich zu Rath gezogen. In Folge der Vorschriften des Baronets, erschien Doktor C- håufig zum Mit: tagseffen, als wenn er ungerufen kåme, um Miß Herbert zu beobachten, und zu erforschen, ob auch nur der schwachste Schatten von einer Neigung zur Schwindsucht vorhanden sei. Aber nein

- sein schnelles und geübtes Uuge entdeckte keine Krankheitszeichen, und er erfreute håufig des Baronets Herz durch die Versicherung, daß der kleinen Miß Herbert, wenn nicht Alles trůge, und besonders, wenn sie bald unter Englands heilsamen Himmelsstrich zurückkehre, ein so langes Leben und Gesunds heit beschieden sei, als irgend einem Frauenzimmer auf der Welt. Elise Herbert war eine zu schnelle und feine Beobachterinn, um nicht auf die Länge die Ursache der häufigen Besuche Doktor C—'s in ihres Oheims Hause zu durchschauen, obgleich der erstere niemals über ihren Gesundheitszustand mit ihr gesprochen. Sie hatte seine forschenden Blide bemerkt, und wußte wohl, daß er fast jeden Bissen, den sie genoß, bewachte, und alle ihre Bewegungen beobachtete. Einmal hatte er sogar gewagt, halb - Mem. eines Arztes. I.

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ernsthaft, halb im Scherz, ihren Puls zu fühlen, und an die Gouvernante ein paar Miß Herbert's gewöhnlichen Gesundheitszustand betreffende Fragen zu richten, welche das gute, sorglose, gesprächige Frauenzimmer unglücklicherweise ihrer kleinen neugierigen Pflegbefohlenen wiedererzählte !

Nun beunruhigt aber junge Leute, selbst wenn sie der festesten Gesundheit sich erfreuen, nicht leicht etwas mehr, als die plókliche Entdeckung, daß fie Gegenstånde einer ångstlichen årztlichen Aufsicht schon lange gewesen, und noch immer sind. Natürlicher: weise wird in ihnen – und besonders bei lebhaften und reizbaren Temperamenten -- die Besorgniß rege, daß sehr gute Gründe dazu vorhanden sein müßten ; und hinfort ist ihr Seelenfriede durch die quålende Furcht zerstört, irgend einer unheilbaren Krankheit ohne Rettung zu Opfern verfallen zu sein. Nur zu oft sind mir Fålle, die dieß beweisen, vorgekommen. Auch Sir – fürchtete etwas der Urt, und war bemüht gewesen, in der Seele seiner Nichte auch nicht den Schatten einer Vermuthung des wirklichen Grundes der Besuche Doktor 6—'8 aufkommen zu lassen, indem er ihn gleich zu Unfang ausdrücklich als einen seiner vertrauten Freunde eingeführt hatte. Er schmeichelte sich daher, daß

seine Nichte sich in vollkommener Unwissenheit åber das Vorhandensein seiner Besorgnisse wegen ihrer Gesundheit befinde, und war nicht wenig betroffen, als Miß Herbert eines Morgens unvermuthet in fein Arbeitszimmer trat, und, blaß vor übel verhehlter Ungst, ihn fragte, was ihr eigentlich fehle, – ob sie ohne es zu wissen ihrem Tode entgegengehe? Ihr Oheim war so bestürzt, daß er seine Geistesgegenwart verlor, sich ein wenig verfärbte, und ihr in einem von großer Verlegenheit zeugenden Tone erwiederte, daß es sich durchaus nicht so verhalte – daß es ein Irrthum – ein wahrhaft licherlicher Jrrthum ein kindischer Einfal rei, --- und dergleichen mehr. Er åußerte seine Versicherungen, daß kein denkbarer Grund zu Besorgnissen vorhanoen wäre, so sehr ernst und nachdrucksvoll, und verbarg seine Unruhe so ungeschickt, daß seine arme Nichte, obgleich sie ihn mit einem Kuß und einem Lächeln verließ, und sich befrie'igt stellte, von diesem důstern Augenblide an sich dem Gedanken hingat, daß das Grab sich bald für sie öffnen werde. Dieß versicherte sie mir drei Jahre spåter in England selbst. Nie er: langte sie jene durch Sanftmuth gemilderte Lebendigkeit und Spannkraft des Geistes und der Laune wieder, bei welcher es, wenn sie erschien , ihren we

nigen Freunden und Bekannten nicht anders war, als ginge ihnen eine kleine schimmernde Sonne von Frohsinn und Heiterkeit auf. Fortwährend trug fie sich mit der důstern, wenn auch unbestimmten Beforgniß herum, daß in ihrer Konstitution irgend ein unheilbarer Schaden sei – daß der Keim eis nes frühen Todes von ihrer Geburt her in ihr liege

- und daß keine menschliche Macht das Wachsthum desselben aufhalten könne. Obgleich fie fich, wenn sie allein war, von diesen beångstigenden Gedanken beherrschen ließ, und sogar reichlich Thränen ver: goB; To gelang es ihr doch in hohem Maaße, ihres Dheims Unruhe zu verscheuchen, indem sie &ußerlich eine noch größere Heiterkeit zeigte als zuvor. Der Baronet nahm Gelegenheit, des oben erzählten kleinen Vorfalls gegen Doktor <- zu erwähnen, und war höchst betroffen, als er denselben eine sehr ernste Miene annehmen sah.

»Ich fürchte davon mehr unheil, als Sie zu besorgen scheinen, Sir««, erklärte er. » Es ist meine Pflicht, Ihnen zu sagen, wie höchst unselige Folgen es für Miß Herbert haben kann, daß fie Ihre rastlose Sorge um ihre Gesundheit, und die Maaßres geln, welche Sie ergriffen haben, ihren körperlichen Zustand zu überwachen, entdeckt hat. Fortan mag

fie beruhigt scheinen – doch geben Sie Ucht, ob sie es jemals vergißt. Sie werden sie håufig auf Augenblicke zerstreut, nachdenklich sehen. Sie wird darüber bråten.«

. „Was sagen Sie — guter Gott! – Doktor, « erwiederte der Baronet, »was soll das, Jemand so zu erschrecken? Glauben Sie, meine Nichte sei das erste Mädchen, welches erfahren hat, daß seine Ungehörigen besorgt wegen seiner Gesundheit find ? Wenn sie wirklich, wie Sie ihr sagen, vollkommen gesund ist, – im Namen der gesunden Vernunft! wie kann sie durch bloße Einbildung die Schwindsucht sich zuziehen ? «

» Nein, nein, Sir —; aber unaufhörliche Uns ruhe kann das übel beschleunigen, welches Sie fürchten, und sie disponiren, dem Streiche, der so lange gedroht hat, zu unterliegen, so leicht er auch anfånglich fallen mag. Und außerdem, Sir—, habe ich nicht gesagt, daß sie vollkommen gefund sei, sondern nur, daß ich bis jekt keine KrankheitsSymptome entdeckt habe. «

» D, Possen, Possen, Doktor! « sagte der Baronet aufstehend, und das Zimmer höchst aufgeregt durchschreitend. » Können dem Mädchen seine Bez sorgnisse nicht weggelacht werden ? «

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