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II.
Am Fefte der Erscheinung.

Evangelium: Matth. II. v. 1.– 12.

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ür jeden, dem die Sache. Der Wahrheit, des Guten und der menschlichen Wohlfahrt am Hers a zen liegt, kann' wohl nichts beunruhigender senn, in M. Z., als die unlaugbare Erfahrung, daß die Bestrebungen und Handlungen der Menschen Håufig aus einem Gewebe von Mißverstånd. niffen und Irrthümern entspringen, die der Menge nach unzáhlbar, und in ihren- Folgen höchst bedenklich und gefährlich sind. Ben den unsinnigen Unternehmungen, welche den Gereken der Natur widersprechen, bey den Wagestücken des Aberglaubens und der Schwärmeren; ben den tausendfachen Anstrengungen und Versuchen, zu welchen wir durch unsre Leidenschaften veranlaßt und gespornt werden; bey jenem seltsamen, oft ganz unerwartetem Betragen endlich, von welchem die Zuneigung und der Widerwille, die Liebe und Der Haß, die Vereinigung und die Trennung der Menschen im gemeinen Leben abhångt: ben allen diesen Arten des Verhaltens fällt es sogleich in die Jugen, daß es tausend irrige Vorstellungen,

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daß es tausend leere Tråumé, daß es Mißver. ftåndnisse von jeder Beschaffenheit sind, wodurch die meisten Menschen zu ihren Entsaliessungen ere wecket und bewogen, und bey der Ausführung der - selben geleitet und getrieben werden. Åber leider

entdeckt man oft selbst dann, wenn ihr Verhalten rühmlich ist und Beyfall verdient, bey einem tiea. Fern Nachforschen, feine andre Duelle. Ein thóa richtes Vorurtheil, eine Meinung, die nicht ben mindesten Grund hat; ein unvernünftiger, Tchwarmerifcher Einfall, der um so wirksamer war, je mehr er durch seine abentheuerliche Gestalt auf 4 fiel, hat ungåhlige nůkliche Handlungen, unzäha lige grosse, von der Welt bewunderte und anger faunte Thaten hervorgebracht; wie oft fühlen wir uns betroffen, beschåmt und 'gedemüthigt, wenn wir Andere die Ursachen eben des Verhale tens entwickeln hören, das wir ihnen so sehr zum kob angerechnet hatten! Nichts läßt fich endlich leichter wahrnehmen und klar machen, als daß fich die Mißverständnisse und Irrthümer der Mena schen ganz vorzüglich in die Angelegenheiten der Religion mischen, und da bald eine feste, strenge, aufopfernde Frömmigkeit, bald einen Eifer, eine ! Schwärmeren, und eine Unmenschlichkeit wirken, die Blut vergiessen, und die vermeintlichen Feinde in Gottes- der Wuth verzehrender Flammen übecs. geben kann.

Der Begebenheit, der das Heutige Feft gee widmet ist, war bendes heilig and wichtig, M. Z.,.

fie betraf die Religion, und die erhabenfte Unstalt | Gottes auf Erden; auch konnte es gar nicht - *

gleichgültig Teón, wie Jefus Christus der Welt . zum ersten Mal erscheinen, wie die Aufmerffama .

keit der Stadt Jerusalem, feiner Nation, und selbst der Heiden für işn gewonnen werden

follte. Und gleichwohl haben, wenn wir die ; Wahrheit gestehen wollen, allerley Mißverstånd

nisse und ungegründete Meynungen weit mehr Einfluß auf diese Begebenheit gehabt, als man glauben sollte. Urtheilet von den fremden Gelehrten, welche den neugebornen König der Juden zu Jerusalem aufsuchten, noch so günstig, daß fich manches Vorurtheil in ihr Verhalten misdite, läßt sich nicht verkennen. Eben, so entschieden ist es, daß Herodes durch falsche Vorstellungen zu den Maasregeln verlei: det wurde, die er bey dieser Gelegenheit ergriff, und wollet ihr nach den Ursachen forschen, wars um das ganze Jerufalem über die Frage erschrickt, welche die fremden Gelehrten beants wortet wissen wollten; wollet ihr auf die Mens nungen zurückgehen, die man sich von dem Mefs fias und von dem Endzweck seiner Sendung da: mals gebildet hatte: so werdet ihr finden, ein

seltsames Gewirre' von Mißverståndnisfen und 9. Jrrthümern schlang, sich bey dieser Begebenheit .. in einander; man richtete sich allerseits nach Ur.

theilen, die entweder ganz unrichtig waren, oder dod) einer groffen Verbesserung beðurften.

So beschåmend und demüthigend auch diese : Entdeckung reyn mag, M. Z., im rechten Lichte

beträchtet, und gehörig genügt ist fie" ungemein lehrreich und -ermunternd. Sie führt uns nám. lich auf eine Wahrheit, die man hier wohl nicht erwartet hatte, auf den wichtigen Sak: daß die 26 richten Gottes bey den irrigen Dorftellungen, nach welchen sich die

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am Feste der Erscheinung. 29 Menschen zu richten pflegen, nicht nur nichts verlieren, sondern sogar dadurch befördert werden müssen. Wahrlich eine Sache, die unsre angestrengteste Aufmerksamkeit

verdient. Wird sie uns klar und gewiß: o so kön. * nen wir uns mit tausend Dingen, die unter der

Sonne geschehen, und den Kurzsichtigen empóren, willig auslögnen; so können wir da, wo sich alles * zu der wildesten Verwirrung anläßt, und die

Tchådlichsten Meynungen herrschend zu werden chi deinen, noch immer getroft reyn, und auf Gott

hoffen.' Lasset uns alfo die Erzählung des heutia gen Evangelii von dieser Seite fassen, M. Br., einen reichen, einen für unser ganzes Leben wichs rigen Gewinn werden wir daraus ziehen, wenn rie uns zu der Ueberzeugung verhilft, daß alle Thorheiten, Mißverständnisse und Jrrrhúmer der Menschen nicht vermögend find, auch nur das Mindeste von dem zu hintertreiben, was der Rea

gierer der Welt beschlossen hat und ausführen in & will. Er gebe uns selbst {icht über die Wunder

und Geheimnisse seiner Regierung, und befestige en hoe uns in jenem Vertrauen, in jener getrosten Hin. wil gebung, die wir als Christen bey allen reinen

Führungen zu beweisen haben. Darum bitten wir in stiller Undacht.

Evangelium: Matth. II. v. 1–12. . Viele Schwierigkeiten dat die Erzählung, M. Z., die ich euch jest vorgelesen habe; sie ist mit Umständen verknüpft, die dem Nachdenkens'

den nothwendig auffallen müssen. Allein' wenn Acil fich gleich zur Auflösung jener Schwierigkeiten,

und zur Redjefertigung dieser Umstände vieles il fagen liesse, und diese ganze Begebenheit in ein

licht gestelle werden fönnte, in welchem alles

Anstoffige, verschwinden würde: ro trage ich doch · Bebenfen, mich auf dergleichen Erörterungen

einzulassen; denn sie würden mich nöthigen, in mandje unfruchtbare, nur dem Gelehrten widtige

und verständlidie Untersuchung anzustellen. Dieß werdet ihr auch um so weniger von mir verlan. gen, da ich bereits auf einen weit wichtigern Gesichtspunkt, aus welchem diese Begebenheit bes trachtet werden kann, hingewiesen habe; auf einen Gesichtspunft, durch welchen sie einen Zusam. menhang mit unsern eignen Angelegenheiten ges minnt, und uns sehr heilsame Belehrungen für das Leben darbietet. Wir können nämlich aus der im Evangelio erzählten Geschichte lernen, wie wichtig und die Wahrheit feyn muß, daß Gott selbst die grrthümer und Mißvera ftåndnisse der Menschen zur Erreichung feiner 2 bsichten anzuwenden weiß.

Dem ersten Anblick nach kann diese Wahr. Heit auffallen und befremden; auch wird sie wirks lich nach ihrem wahren Umfang, und in ihrer ganzen Gewißheit nicht immer eingesehen. Jaro fet mich also den Anfang damit machen, daß ich fie erflår é und beweise; ihre Wid. tigkeit für uns wird sich dann leicht einsehen und schågen lassen. -;..

Ich behaupte 'also, es fem ein Grundfak, welchen Gott bey seiner Weltregierung befolge, . selbst die Irrthümer und Mißver ft ånds

nifre der Menichen zur Erreichung feie ner 2 b sichten anzuwenden. Als entschies den sehe ich jezt voraus, daß sich alle Absichten,

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